Die Söllbachaualm (Saurüsselalm) von Unternehmer Franz Haslberger soll künftig als Almgaststätte genutzt werden.
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Bergidylle am Söllbach in Bad Wiessee: Die Söllbachaualm - künftig Saurüsselalm - von Unternehmer Franz Haslberger soll schon bald als Almgaststätte genutzt werden.

Nur zwei Gremiums-Mitglieder verweigern Zustimmung

Gremium stimmt zu: Bald neue Almgaststätte in Bad Wiessee überm Tegernsee - Betreiber alter Bekannter

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Mit überraschend deutlicher Mehrheit hat der Gemeinderat Bad Wiessee die Pläne von Großgrundbesitzer Franz Haslberger für eine Almgaststätte am Söllbach abgesegnet. Es gab lediglich zwei Verweigerer.

  • Großgrundbesitzer Franz Haslberger will am Söllbach eine neue Almwirtschaft eröffnen
  • Die Gemeinde Bad Wiessee hat einen Vertrag mit dem Unternehmer ausgehandelt
  • Der Gemeinderat stimmte am Donnerstag trotz der schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit den Plänen zu

Bad Wiessee - Der sonst so öffentlichkeitsscheue Unternehmer Franz Haslberger saß am Donnerstagabend persönlich in den Zuhörerreihen des Wiesseer Postsaals, als es um die Nutzungsänderung seiner Söllbachaualm ging. Wie berichtet, soll die landwirtschaftliche Almhütte – erreichbar vom Söllbachtal aus und gelegen auf halber Strecke zur Aueralm – künftig als Gaststätte für Wanderer dienen. Eine großzügige Terrasse auf der Südseite, eine Gaststube, ein neuer Lagerschuppen – all das war Inhalt eines Antrags, der dem Gemeinderat nun vorlag.

Nüchtern betrachtet, war die Lage eindeutig: Wie Bauamtsleiter Anton Bammer erläuterte, sei die Gastronomie dort oben genehmigungsfähig, da sie „auf die Versorgung von Wanderern abzielt“. Das sehe auch das Landratsamt Miesbach so und habe die Entscheidung letztlich in die Hände der Gemeinde gelegt.

Haslberger hat sich verpflichtet, Alm dauerhaft als öffentliche Gaststätte zu betreiben

Die Kommune wiederum ist ein gebranntes Kind, was die Projekte Haslbergers betrifft und hatte im Vorfeld – unter Federführung des neuen Bürgermeisters Robert Kühn (SPD) – eine Vereinbarung mit dem Freisinger Unternehmer ausgehandelt: Darin verpflichtet sich der Antragsteller unter anderem, das Gebäude (künftig „Saurüsselalm“ genannt) „dauerhaft als öffentliche Gaststätte zu den üblichen Betriebszeiten einer Almwirtschaft“ zu betreiben. Die angebotenen Speisen und Getränke sollen „überwiegend dem Charakter einer Almwirtschaft entsprechen“ und auch preislich so gestaltet werden. Mehr noch: Haslberger, der 2013 das beliebte Ausflugslokal Bauer in der Au für die Allgemeinheit dicht machte und so für allgemeinen Unmut sorgte, hat zugesichert, auch die Söllbachklause – ebenfalls in seinem Besitz – wieder zu öffnen.

Deutliche Worte von Klaudia Martini: „Werde nicht zustimmen“

So weit die Faktenlage. Angesichts der Vorgeschichte tat sich mancher Gemeinderat mit einer Entscheidung pro Almgaststätte dennoch schwer. Am emotionalsten – und deutlichsten – äußerte sich Klaudia Martini (SPD), die keineswegs eine Notwendigkeit sah, nun ein als „Wollschweinalm“ genehmigtes Gebäude in eine Ausflugsgaststätte umzufunktionieren. „Es gibt dort bereits eine Gaststätte im Außenbereich und auch eine Genehmigung für eine Gaststätte“, sagte sie in Anspielung auf den Bauern in der Au und die Söllbachklause. Dass diese nicht als solche genutzt würden, liege allein am Antragsteller. „Ich mache mal alles zu und mach was Neues“ – einem solchen Vorgehen werde sie nicht zustimmen, kündigte Martini an.

Grünen-Gemeinderat von Miller spricht von „Schwarzbau“

Einer, der am Ende ebenfalls seine Zustimmung verweigerte, war Johannes von Miller (Grüne). Er kreidete dem Antragsteller an, dass dieser an der künftigen Saurüsselam bereits bauliche Fakten in Richtung Almgaststätte geschaffen habe, etwa den Einbau von Toiletten. Von Miller sprach gar von einem „illegalen Zustand“ und von einem „Schwarzbau“, den die Gemeinde nun nachträglich legalisieren solle. Ein Punkt, dem Bürgermeister Kühn am Freitag gegenüber unserer Zeitung widersprach: An der Alm hätten keine ungenehmigten Bautätigkeiten stattgefunden, versicherte der Rathaus-Chef.

Großteil der Gemeinderäte stimmt für Vorhaben und sieht einen Neuanfang

Der überwiegende Teil der Gemeinderäte begrüßte in der Sitzung hingegen die Pläne im Sinne des Tourismus und einheimischer Wanderer. Mancher sah sich sogar zu einem Dank an den Großgrundbesitzer hingerissen (Peter Kathan, CSU: „Ich finde das Objekt eine absolute Bereicherung für den Ort“). Und es wurde betont, dass dies ein Neuanfang sein könnte in den ehemals gestörten Beziehungen zwischen Haslberger und der Gemeinde Bad Wiessee. „Ei drüber“, forderte etwa CSU-Sprecher Florian Sareiter mit Blick auf die Vergangenheit. Und Rolf Neresheimer (Bürgerliste Bad Wiessee) sagte: „Dass der gordische Knoten zerschlagen ist, beflügelt mich geradezu.“

Lesen Sie hier: Bauer in der Au: Für Wanderer geschlossen - aber Edel-Gäste fahren mit Luxus-Vans hinauf

Mit 19:2 stimmte das Gremium letztlich für die Nutzungsänderung. Verankert sind in dem Beschluss unter anderem die regulären Öffnungszeiten (Montag bis Sonntag jeweils von 9 bis 19 Uhr) sowie ausnahmsweise eine Öffnung bis 24 Uhr „in Form von Hüttenabenden für die Allgemeinheit“. Zusätzlich stimmte der Gemeinderat maximal 15 Sonderveranstaltungen im Jahr in Form einer geschlossenen Gesellschaft zu.

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