1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Bad Wiessee

Bad Wiessee: Verlässliche Erholung für Menschen mit Handicap

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ohne Stufen und mit Türöffner: Die Ferienwohnungen Concordia von Hildegard Wagner – hier mit Tochter Antonia Beilhack – sind als barrierefrei zertifiziert. Schon die Haustür zeigt, dass hier auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl oder mit einem anderen Handicap Rücksicht genommen wird.
Ohne Stufen und mit Türöffner: Die Ferienwohnungen Concordia von Hildegard Wagner – hier mit Tochter Antonia Beilhack – sind als barrierefrei zertifiziert. Schon die Haustür zeigt, dass hier auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl oder mit einem anderen Handicap Rücksicht genommen wird. © Andreas Wolkenstein

Damit Menschen mit Handicap in den Ferienwohnungen des Haus Concordia in Bad Wiessee verlässlich Erholung finden, hat Eigentümerin Hildegard Wagner zwei Zimmer als barrierefrei zertifizieren und berät Gäste vor der Buchung ausführlich lassen. So vermeiden diese die bösen Überraschungen, die sie von anderswo zu gut kennen.

Landkreis/Bad Wiessee – Gerade hat sich Stefan Kempf im Fahrerbereich seines Autos eingerichtet. Auch Tochter Johanna sitzt bereits auf ihrem Platz, während seine Frau Gabi noch schnell den Rucksack einpackt. Eine ganz normale Szene in der Urlaubsregion Tegernsee, in der viele Menschen wie die Kempfs über Weihnachten oder Silvester eine Auszeit nehmen. Dass die Normalität bei den Kempfs, die aus der Nähe von Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) stammen, eine ganz besondere ist, zeigt sich am Familienauto. An dessen Heck prangt das blaue Rollstuhlzeichen, und ein Blick ins Innere zeigt, dass der Fahrersitz fehlt.

Seit einem Arbeitsunfall ist Kempf halsabwärts gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Auto hat er umbauen lassen, um es auch mit Rollstuhl selbst fahren zu können. Über die Hintertür fährt er seinen Rollstuhl ins Auto und „parkt“ diesen am Steuer. Die Fahrt kann beginnen. Tags zuvor hatte er Frau und Tochter an den Spitzingsee zum Skifahren gebracht. Heute machen sich die Kempfs auf den Weg zum Wendelstein. Untergekommen ist die dreiköpfige Familie bei Hildegard Wagner. Zusammen mit ihrem Mann Andreas Beilhack führt die 57-Jährige die Ferienwohnungen Concordia in Bad Wiessee. Das Besondere daran: Ihr Haus ist barrierefrei.

Auch Großeltern genießen mit ihren Enkel barrierefreien Urlaub

Es bietet Menschen mit Handicap einen Ferienort, der auf ihre besonderen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Die Zufahrt ist auch mit Rollstuhl bequem erreichbar, die Zimmer sind ausreichend groß. „Aber barrierefrei ist nicht gleich barrierefrei“, erklärt Wagner. Das deutsche Recht mache über die Norm DIN 18040 besondere Vorgaben für Barrierefreiheit. Waschbecken etwa müssen eine bestimmte Höhe aufweisen, und die Arbeitsplatten in der Küche sind unterfahrbar.

Zwei Ferienwohnungen im Haus Concordia sind barrierefrei im Sinne dieser Norm. Die anderen zehn Zimmer erfüllen zwar die Norm nicht, sind aber dennoch auf eine ganze Reihe an Spezialbedarfen ausgerichtet, berichtet Wagner. So befinden sich in den Bädern diverse Haltevorrichtungen, und für die Balkone gibt es kleine Rampen aus Holz, die für Rollatoren geeignet sind. In solchen Ferienwohnungen könnten auch Menschen aus dem Landkreis, die einen Angehörigen pflegen, eine Auszeit vom Alltag nehmen. Die Aktion „Leser helfen Lesern“ möchte das mit Zuschüssen möglich machen.

Geeignet sind barrierefreie Ferienunterkünfte auch für den gemeinsamen Urlaub von Opa und Oma mit Kindern und Enkeln. Das komme nicht selten vor, berichtet Wagner. Und ihr Mann erzählt lachend, dass dann schon mal im Garten Fußballturniere der Kinder abgehalten werden. „Weitere Spezialbedarfe wie etwa bestimmte Betten können wir über das Sanitätshaus adressieren“, berichtet Wagner weiter. Auch ein ambulanter Pflegedienst aus der Region kann eigens gebucht werden.

„Wichtig ist, dass die Menschen mit uns sprechen und sagen, was sie brauchen, bevor sie buchen“. So könne Missverständnissen vorgebeugt werden.

Bei nicht-zertifizierten Einrichtungen erleben Menschen mit Handicap teils böse Überraschungen

Von solchen Missverständnissen wissen die Kempfs ein Lied zu singen: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele barrierefrei sagen, aber es dann nicht barrierefrei ist“, berichtet Gabi Kempf. Mit dem Haus Concordia zeigt sich die gesamte Familie zufrieden. „Es funktioniert sehr gut“, sagt Stefan Kempf. Was sich auch daran zeigt, dass die Kempfs schon zum dritten Mal im Haus Concordia unterkommen.

Ein Instrument, mit dem Wagner Barrierefreiheit nachweist, ist die Zertifizierung ihres Hauses durch das Bewertungssystem „Reisen für alle“. Das muss jedoch alle drei Jahre erneuert werden, berichtet Wagner. Und das wiederum koste Geld. Sie mache es trotzdem, erklärt sie, denn so kann sie ihr Haus auf diversen Portalen im Internet bewerben. Es sei zudem sehr wichtig, dass sich auch an anderen Orten Barrierefreiheit durchsetze. Denn die Menschen, die am Tegernsee Urlaub machen, wollten nicht nur ein barrierefreies Zimmer. „Die wollen ja auch auf den Berg oder ins Gasthaus“, sagt Wagner. Man brauche eine geeignete Infrastruktur, Barrierefreiheit müsse als „großes Ganzes“ betrachtet werden.

Stefan Kempfs Erfahrungen geben ihr Recht. Er berichtet von Schwierigkeiten, mit seinem Rollstuhl einen Platz in Gasthäusern zu finden. Nicht alle Restaurants seien für Rollstuhlfahrer geeignet, weiß er. Für ihren Ausflug an den Wendelstein zeigen sich die Kempfs aber vorsichtig optimistisch. Wegen Sturmgefahr habe die Seilbahn geschlossen, die Zahnradbahn von Brannenburg aus sei aber geöffnet.

Ob sie da denn mit dem Rollstuhl mitfahren können? Kempf zuckt mit den Schultern. Auf der Homepage stehe es, so Kempf. „Aber es wird ein Abenteuer“, ergänzt er und lacht.

von Andreas Wolkenstein

Die wichtigsten Informationen zur Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ im Überblick

Begünstigte

Von der Aktion „Leser helfen Lesern“ der Heimatzeitung profitieren diesmal viele einzelne Menschen statt einiger großer Organisationen. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt ermöglicht die Heimatzeitung Pflegenden und ihren Gepflegten einen Urlaub von und mit Pflege im Landkreis – mit Unterbringung in einer geeigneten Unterkunft und Betreuung.

Spendenkonto 13 300

Spenden können auf das Konto 13 300 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee (BLZ 711 525 70), IBAN DE04 7115 2570 0000 0133 00, eingezahlt werden – persönlich oder per Überweisung. Vorgedruckte Überweisungsträger liegen in den Sparkassen-Filialen im Landkreis aus. Aus technischen Gründen können wir unseren Ausgaben heuer leider keine Überweisungsträger beilegen.

Spendenquittungen

Der Einzahlungsbeleg wird bis zu einem Betrag von 200 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 200 Euro stellt das Landratsamt die Spendenquittungen aus. Um Rückfragen zu vermeiden, werden die Spender gebeten, die vollständige Anschrift auf der Überweisung anzugeben.

Namensnennung

Wer „Leser helfen Lesern“ mit mindestens fünf Euro unterstützt, wird als Spender in der Zeitung genannt. Wer ungenannt bleiben möchte, möge dies auf der Überweisung vermerken.

Keine Aktionen

Weil coronabedingt alle Veranstaltungen ausfallen, bei denen traditionell für die Aktion gesammelt wird, kommt es auch heuer auf jede einzelne Spende an. Wir danken allen Leserinnen und Lesern für ihre Unterstützung.

Auch interessant

Kommentare