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Zeiselbach Bad Wiessee: So steht es um die Hochwasserschutz-Pläne

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Von: Gabi Werner

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Der Zeiselbach in Bad Wiessee während des Hochwassers im Juni 2020
In ein reißendes Gewässer verwandelte sich der Zeiselbach in Bad Wiessee bei dem Unwetter am 17. Juni. Vielerorts trat das Wasser über die Ufer und richtete schwere Schäden an. © Archiv Thomas Plettenberg

Mitte Juni hat der Zeiselbach in Bad Wiessee gezeigt, zu was er fähig ist. Nach einem Unwetter trat der Wildbach über die Ufer und richtete schwere Schäden an. Die Verbesserung des Hochwasserschutzes ist hier längst geplant – doch wann kommt die Umsetzung?

Bad Wiessee – „Das war ein erheblicher Schuss vor den Bug“, sagt Hans Heigenhauser vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim über das Starkregen-Ereignis am 17. Juni in Bad Wiessee. Den Zeiselbach hielt es aufgrund der Wassermassen nicht mehr in seinem Bachbett, vielerorts trat er über die Ufer. Wäre der 2017 gebaute Wildholzrechen im Oberlauf nicht gewesen, so wären die Schäden noch weitaus schlimmer ausgefallen, macht Heigenhauser als zuständiger Sachgebietsleiter für den Kreis Miesbach deutlich. Der Rechen habe etwa 600 Kubikmeter Geschiebe zurückgehalten.

Dabei ist das Bauwerk nur ein kleiner Vorbote eines umfassenden Hochwasserschutzkonzepts, das für den schwer zu zähmenden Wildbach erarbeitet wurde. Seit Jahren ist der Ausbau in Bad Wiessee immer wieder Thema, angesichts des jüngsten Unwetters ist die Frage nach der Umsetzung nun verstärkt in den Fokus gerückt.

Anlieger des Zeiselbachs haben schon ihre Einwände vorgebracht

Das Planfeststellungsverfahren sei gestellt und derzeit beim Landratsamt Miesbach als Genehmigungsbehörde in Arbeit, berichtet Heigenhauser zum Stand der Dinge. Sowohl die Beteiligung der Verbände als auch die öffentliche Auslegung in der Gemeinde seien inzwischen abgeschlossen. Die eingegangenen Einwände würden derzeit vom Landratsamt gesichtet und dann an die jeweils zuständigen Fachstellen zur Stellungnahme zurückgespielt, erläutert der Sachgebietsleiter das Prozedere.

Er weiß: Es sind überwiegend Anlieger des Zeiselbachs, die sich mit Einwendungen zu Wort gemeldet haben. „Wir haben sie schon einmal grob gesichtet“, berichtet Heigenhauser. Tenor: Einigen Bürgern erscheint die Planung zu überdimensioniert, viele Stellungnahmen von Anliegern seien zudem „privat motiviert“, da ihre Grundstücke von den Maßnahmen direkt betroffen sind.

Ausbau des Zeiselbachs ist ausgelegt auf 100-jährliches Hochwasser

Was die Größe des Projekts betrifft, so gibt es im Grunde keinen Spielraum. Der Ausbau sei ausgelegt auf ein so genanntes hundertjährliches Hochwasser, darüber hinaus müsse die Klimaveränderung berücksichtigt werden. „Das ist das Maß, das der Freistaat Bayern bei den Ausbauten verlangt“, betont der Sachgebietsleiter. Und auch er selbst will keinen Zweifel daran lassen, dass dieses Ausmaß seine Berechtigung hat: Statistisch gesehen lag das Unwetter im Juni gerade einmal im Bereich eines 20- bis 50-jährlichen Hochwasser-Ereignisses – „das war also längst nicht das Maximale, die Wiesseer sind mit einem blauen Auge davongekommen“.

Die Planung sieht vor, den Zeiselbach in seiner bestehenden Linie auszubauen. Heißt: Sein Bachbett wird verbreitert oder eingetieft – wo nötig, auch beides. Ein Großteil dieser Maßnahmen kann laut Heigenhauser auf öffentlichem Grund stattfinden, aber auch private Gärten sind betroffen. „Hier sind wir auf die Bereitschaft und Kooperation der Grundstücksbesitzer angewiesen“, sagt der Vertreter des Wasserwirtschaftsamts. Die Umsetzung funktioniere nur „im Zusammenspiel von Wasserwirtschaftsamt, Gemeinde und Anliegern“.

Wasserwirtschaftsamt: Wohl der Allgemeinheit steht im Vordergrund

Erste Gespräche mit Betroffenen haben bereits stattgefunden. Zudem wird es noch einen öffentlichen Erörterungstermin geben, bei dem die Einwendungen allesamt auf den Tisch kommen. Läuft alles nach Plan, könnte dieser Ende des Jahres über die Bühne gehen, hofft Heigenhauser. Mit einem Beschluss zum Planfeststellungsverfahren wäre dann im zweiten Quartal 2021 zu rechnen.

Heigenhauser ist zuversichtlich, dass die Maßnahmen am Zeiselbach wie geplant kommen werden. „Hier steht schließlich das Wohl der Allgemeinheit im Vordergrund.“

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