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Bitte einsteigen! Alle Wiesseer Senioren, die 67 oder älter sind, sollen künftig gratis die RVO-Busse nutzen können.

Gemeinde will Angebot über erhöhte Parkgebühren finanzieren

Wiesseer Senioren sollen künftig gratis Bus fahren

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Für Urlauber gibt es das Angebot längst. Nun will die Gemeinde Bad Wiessee auch ihren Senioren kostenloses Busfahren ermöglichen. Finanziert werden soll das Ganze über die Parkgebühren. Die wurden zuletzt saftig erhöht.

Bad Wiessee – Um das Verkehrsproblem anzugehen, hatte der Gemeinderat Bad Wiessee Anfang des Jahres zu drastischen Mitteln gegriffen: Er hat die Parkgebühren während der Hauptsaison deutlich erhöht, Tagestickets kosten seither zum Teil das Doppelte. Damit die Mehreinnahmen aus den Gebühren – die Gemeinde rechnet mit rund 70.000 Euro – nicht in anderen Kanälen verschwinden, sondern der Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zugute kommen, schlug Rathaus-Geschäftsführer Hilmar Danzinger nun im Gemeinderat die Einführung einer Seniorenkarte vor. Mit ihr sollen ab Anfang 2020 alle Wiesseer, die 67 oder älter sind, kostenlos die RVO-Busse nutzen können.

Danzinger hatte dazu ein Rechen-Exempel aufgemacht und war – bei einer Abrechnung mit dem RVO pro einzelner getätigter Fahrt – auf Kosten in Höhe von 60.000 bis 70.000 Euro pro Jahr gekommen, die die Gemeinde zu schultern hätte. Zum Vergleich: Für die Gratis-Fahrten der Urlaubsgäste berappt Bad Wiessee derzeit 314.000 Euro jährlich.

Die Idee stieß grundsätzlich auf Wohlwollen im Gemeinderat. Allerdings störte sich Jupp Brenner (Wiesseer Block) am vorgeschlagenen Abrechnungssystem pro Einzelfahrt. „Das ist ein Schmarrn und viel zu kompliziert“, meinte Brenner und schlug stattdessen vor, die Jahreskarten für eine feste Summe X beim RVO zu erwerben und den Senioren auszuhändigen. „Dann sind die Kosten auch gedeckelt.“

Auch Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) sprach sich ausdrücklich für die Einführung der Seniorenkarte und einen entsprechenden Grundsatzbeschluss aus. Das sei ein längst fälliger Schritt, sagte er und fügte mit Blick auf die anderen Kommunen hinzu: „Irgendeiner muss anfangen, sonst passiert nix.“

Lesen Sie hier: Freie Gästefahrten: Wiessee stellt Abrechnungssystem mit RVO in Frage

Grundsätzliche Sympathie für den Vorschlag äußerte auch Thomas Erler (CSU), regte aber zunächst eine Befristung auf zwei Jahre an, und Markus Trinkl (Wiesseer Block) sprach von einer „ganz tollen Geschichte“. CSU-Sprecher Kurt Sareiter ging sogar noch einen Schritt weiter und regte an, die von der Gemeinde finanzierten Gratis-Busfahrten auch auf die Wiesseer Jugend auszuweiten: „Wir sollten die Schüler dazu nehmen.“ Das sah Rolf Neresheimer (ranBW) genauso. Man sollte die Kinder davon abbringen, den Moped-Führerschein zu erwerben und ihnen stattdessen Alternativen aufzeigen, fand er. „Das wäre eine Investition in die Sicherheit unserer Jugend“, meinte Neresheimer.

Auch diesen Vorstoß gab es schon einmal am Tegernsee: Jugend BahnCard 25: Auch Tegernsee und Bad Wiessee machen mit

Einstimmig fasste der Gemeinderat am Ende den Beschluss, sowohl eine Karte für Senioren als auch für Schüler zur kostenlosen Nutzung der RVO-Busse zu entwickeln. Danzinger kündigte an, bei den Verantwortlichen des Regionalverkehr Oberbayern nachzuhaken, welche fixe Summe für eine Jahreskarte zu bezahlen wäre.

Übrigens: Um in den Genuss der Karte zu kommen, müssen die Wiesseer Senioren nicht gleichzeitig ihren Führerschein abgeben – anders als bei einer landkreisweit angedachten Initiative. „Das wäre schon ein hartes Hindernis“, meinte Danzinger. Die landkreisweite Einführung des Gratis-Bustickets für Senioren sollte übrigens schon im März dieses Jahres kommen, wurde aber wegen des geplanten MVV-Beitritts auf Eis gelegt.

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