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An schönen Tagen staut sich der Verkehr regelmäßig bereits am Eingang des Tegernseer Tals in Gmund. Bad Wiessee versucht, den Individualverkehr einzudämmen, indem es jetzt die Parkgebühren drastisch erhöht. 

Preise für Tagestickets verdoppeln sich

Zu viel Verkehr: Bad Wiessee hebt Parkgebühren drastisch an

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Während der Hauptsaison verstopfen regelmäßig Autos die Straßen im Tegernseer Tal. Um der Lage Herr zu werden, greift Bad Wiessee zu einer drastischen Maßnahme: Die Parkgebühren werden teils verdoppelt.

Bad Wiessee – Die Initiative kam von der Verwaltung im Wiesseer Rathaus. Man habe sich Gedanken gemacht zum Thema Klimaschutz und wolle dazu beitragen, den Individualverkehr im Tal zu reduzieren, machte gemeindlicher Geschäftsleiter Hilmar Danzinger am Donnerstagabend im Gemeinderat deutlich. Und am besten lasse sich der Hebel von kommunaler Seite eben bei den Parkgebühren ansetzen.

Um nicht die Einheimischen, sondern in erster Linie Tagestouristen zu treffen, wird Bad Wiessee künftig in vier Parkzonen unterteilt: Ortsmitte, Kurviertel, Abwinkl und Wanderparkplätze. „In Seenähe wollen wir die stringenteste Gebührenstruktur einführen“, machte Danzinger deutlich. Heißt: Am Freibad, im Überfahrtweg (Aquadome) und Im Sapplfeld in Abwinkl kostet das Parken in Zukunft zwischen 1. Mai und 31. August („in dieser Zeit herrscht besonders hoher Parkdruck“) einen Euro pro angefangener halber Stunde. Die ersten 30 Minuten sind gebührenfrei. Für ein Tagesticket müssen die Autofahrer in der Hauptsaison sogar zehn Euro berappen, in den übrigen Monaten fünf Euro.

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Ähnlich kräftig will die Gemeinde künftig bei den Wanderparkplätzen Söllbachtal 1 bis 4, Sonnenbichl und Sonnenbichl-Skilift zulangen. In den am stärksten frequentierten Monaten Mai bis August kostet ab einer Parkdauer von 30 Minuten jede weitere angefangene halbe Stunde 80 Cent, das Tagesticket stattliche acht Euro (Nebensaison: 50 Cent und fünf Euro).

Auf den Flächen in der Ortsmitte bleiben die Gebühren wie bisher moderat. Neu verankert wurde in der Verordnung allerdings, dass künftig auch im Kurviertel, nämlich in der nördlichen und südlichen Wilhelminastraße und in der nördlichen Adrian-Stoop-Straße, Parkgebühren verlangt werden können. Hier soll das Tagesticket dann fünf Euro kosten. Dies sei allerdings noch Zukunftsmusik, zunächst müssten die Baustellen abgeschlossen werden, hieß es. Die anderen Gebühren – so segnete es der Gemeinderat gegen die fünf Stimmen der CSU-Fraktion ab – treten zum 1. März dieses Jahres in Kraft.

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Dem Beschluss ging eine kontroverse Debatte voraus. Während Birgit Trinkl (Wiesseer Block) befand, dass das Ganze „unbedingt in die richtige Richtung geht“ und ihr Fraktionskollege Fritz Niedermaier die Vorschläge teils sogar noch als „zu moderat“ einstufte, ging den CSU-Vertretern die Erhöhung deutlich zu weit. „Wir wollen die Leute doch eigentlich da haben“, argumentierte etwa Georg Erlacher. Wenn die Parkgebühren aber dreimal so hoch seien wie in den Nachbarkommunen (Kreuth erhebt auf seinen Wanderparkplätzen beispielsweise eine Tagesgebühr von drei Euro), „fahren die Ausflügler woanders hin und kehren auch woanders ein“.

CSU-Fraktionssprecher Kurt Sareiter sah noch ein anderes Problem. Zum einen gefiel es ihm nicht, dass es innerhalb Bad Wiessees künftig drei verschiedene Preismodelle für Tagestickets geben solle, zum anderen würden ihm die Gebühren im talweiten Vergleich zu weit auseinander klaffen. „Die Gäste sehen das Tegernseer Tal doch als Einheit“, meinte er. Auch er befürchtete, dass die Ausflügler künftig lieber woanders hinfahren: „Es kommen ja nicht lauter Millionäre.“

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Das Signal, das die Gemeinde mit der beschlossenen Erhöhung setzen möchte, ist jedenfalls eindeutig. Den Menschen müsse klar werden, „dass es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, mit dem Auto zu fahren“, so Danzinger zu seinen Beweggründen. Und auch der Einheimische, der zum Wandern oder zum Baden nach Abwinkl möchte, solle künftig gezwungen sein zu überlegen, ob er nicht statt des Autos doch lieber das Fahrrad nimmt.

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