1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Bad Wiessee

Badepark Bad Wiessee: Am Sonntag entscheiden die Bürger

Erstellt:

Von: Gabi Werner

Kommentare

Der Badepark in Bad Wiessee soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
Der alte Badepark ist nach 50 Jahren reif für die Abrissbirne. Über die Frage, ob es an seiner Stelle einen Neubau geben soll, entscheiden an diesem Sonntag die Wiesseer Bürger. © Thomas Plettenberg

Der Schicksalstag für den Badepark naht: Am Sonntag (27. September) stimmen die Wiesseer darüber ab, ob es einen Neubau geben soll oder nicht. Hier gibt's noch einmal die wichtigsten Fakten zum Bürgerentscheid.

Bad Wiessee – Fünf Jahrzehnte hat der Badepark in Bad Wiessee bereits auf dem Buckel. Die Technik und Energieversorgung ist längst nicht mehr zeitgemäß, der bauliche Zustand marode. Noch im Januar hatte deshalb der alte Gemeinderat beschlossen, den Badepark abzureißen und durch ein neues Multifunktionsbad für 30 Millionen Euro zu ersetzen. Unter der Regie des neuen Bürgermeisters Robert Kühn (SPD) hat der frisch gewählte Gemeinderat dann noch einmal einen Kurswechsel vollzogen: Er beschloss, die Wiesseer Bürger selbst über die Zukunft des Bades entscheiden zu lassen. Im Vorfeld der Abstimmung haben wir noch einmal die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Alter Badepark: Risiko eines technischen Ausfalls steigt ständig

Am meisten hakt es an der Technik des jetzigen Badeparks, sagt Bürgermeister Robert Kühn. Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Risikobewertung besagt: Die Gefahr eines Ausfalls von technischen Gerätschaften werde in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren derart steigen, dass der Betrieb eingestellt werden müsse. Auch die Becken sind marode. „Die Substanz ist schlechter als angenommen“, sagt Kühn. Ohne eine Teilsanierung des Schwimmerbeckens wäre eine Öffnung gar nicht mehr möglich.

Sanierung des Bads macht wirtschaftlich keinen Sinn

2019 hat die Gemeinde eine Neubauplanung im Vergleich zu einer Sanierung prüfen lassen. Das Ergebnis war eindeutig: Eine fachliche Stellungnahme zur Gründungsstatik ergab, dass eine wirtschaftliche Sanierung des bestehenden Badeparks „definitiv ausgeschlossen“ sei. „Das wäre eine Totgeburt von Anfang an“, sagt auch Kühn.

Bei einem Neubau des Badeparks ist laut Gemeinde „von einer kompletten Fremdfinanzierung auszugehen“. Der jetzige Badepark machte zuletzt Verluste in Höhe von einer Million Euro pro Jahr. Bereits der Wegfall dieser Verluste mache es möglich, dass sich der Bau von selbst finanziere, heißt es seitens der Gemeinde. Laut Aussage des Kämmerers ist eine Finanzierung der genannten Bausumme für die Gemeinde Bad Wiessee möglich. Im Raum stehen 30 Millionen Euro.

Gemeinde will Bürger bei wichtiger Entscheidung nicht übergehen

Ein Blick in die Historie zeigt: Bereits seit 2005 befasst sich der Gemeinderat Bad Wiessee mit einer möglichen Renovierung und Umgestaltung des Badeparks. Dennoch wurden bis heute lediglich Erhaltungsinvestitionen getätigt. Im Januar traf dann der alte Gemeinderat einstimmig die Entscheidung, „auf dem Grundstück des jetzigen Badeparks einen Neubau für ein multifunktionales Hallenbad zu errichten“. Warum also nun der Bürgerentscheid? „Wir sind alle angetreten mit dem Versprechen, Transparenz herzustellen und den Bürgerwillen ernst zu nehmen“, sagt Kühn über die Zeit des Kommunalwahlkampfes. Bei einem Projekt dieser Größenordnung gebiete es das demokratische Verständnis, den Bürger nach seinem Willen zu befragen.

Robert Kühn, Bürgermeister von Bad Wiessee
Robert Kühn, Bürgermeister von Bad Wiessee © Thomas Plettenberg

Abstimmung ist im Gasthof Zur Post möglich

Somit haben es am Sonntag, 27. September, die Bürger von Bad Wiessee in der Hand. Die Frage des Bürgerentscheids lautet wörtlich: „Möchten Sie, dass der Badepark abgerissen wird und auf demselben Grundstück schnellstmöglich der Neubau eines Bades entsteht, welches mindestens die momentan vorhandenen Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet?“ Abstimmen dürfen die derzeit 4267 wahlberechtigten Bürger von Bad Wiessee. Möglich ist dies entweder am Wahlsonntag zwischen 8 und 18 Uhr im Wahllokal im Gasthof Zur Post oder per Briefwahl – die Unterlagen dazu können die Wähler noch bis Freitag, 25. September, 15 Uhr, beim Einwohnermeldeamt beantragen. Ein Zwischenfazit von Abstimmungsleiter Maximilian Macco ergab: Bereits Ende vergangener Woche hatten 777 Wiesseer Bürger Briefwahl beantragt.

Lesen Sie hier: Bürgerentscheid zum Badepark: Jetzt gibt‘s auch ein Youtube-Video

Stimmt die Mehrheit der Wiesseer Bürger mit Ja, ist der Zeitplan für einen Neubau bereits skizziert: Das Jahr 2021 wäre das Planungsjahr. Eine europaweite Ausschreibung – zwingend nötig für ein Projekt dieser Größenordnung – würde folgen, anschließend der Abriss des Bestands und die Realisierung des Neubaus. Mit einer Inbetriebnahme des Vitalbades würde die Gemeinde realistischer Weise in dreieinhalb bis vier Jahren – also in der Zeit zwischen Winter 2023 und Sommer 2024 – rechnen. Für die Bauzeit sichert Kühn mit Blick auf die leidgeprüfte Badepark-Belegschaft zu: „Wir wollen für die Mitarbeiter die bestmögliche Lösung finden.“

Ein Nein würde das Aus für ein Hallenbad am Tegernsee bedeuten

Lehnen die Wiesseer den Neubau mehrheitlich ab, so heißt es im Gemeinderatsbeschluss offiziell, dass der jetzige Badepark nach dem Entscheid seinen Betrieb wieder aufnimmt. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings fraglich. Die Voraussetzungen für eine Wiedereröffnung wären, dass die vier benachbarten Tal-Gemeinden eine dauerhafte Defizitvereinbarung für den Badepark unterzeichnen und der Betrieb für Bad Wiessee überhaupt wirtschaftlich vertretbar ist. „Wir müssen verantwortungsvoll mit unseren Mitteln umgehen – auch hinsichtlich Corona“, sagt Rathauschef Kühn und wird noch deutlicher: Ein Nein würde – zumindest längerfristig gesehen – „den Todesstoß für den Badepark bedeuten“.

gab

Auch interessant

Kommentare