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Licht von oben, geflieste Räume, genug Platz: Jodbad-Geschäftsführerin Renate Zinser freut sich, dass im Obergeschoss des Badeparks Räume für eine Übergangslösung vorhanden sind.

Umbauten beginnen 

Im Badepark: Jodbäder in vergessenen Räumen

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Bad Wiessee - Zu Weihnachten macht das alte Jodschwefelbad in Bad Wiessee dicht. Anfang Januar geht der Betrieb im Badepark weiter. Dort warten seit Langem verlassene Räume im Obergeschoss nur darauf, wieder mit Leben gefüllt zu werden

Eigentlich ist alles da. Eine Rezeption, viele geflieste Räume mit Platz für große Wannen, Sprühbad, Augenbad, Massagen und Ruheräume. Alles schwer in die Jahre gekommen, aber im Wesentlichen intakt. Früher einmal war hier, im Obergeschoss des Badeparks, eine große Praxis für Physiotherapie untergebracht. Als die vor über zehn Jahren dicht machte, fand sich kein Nachmieter. „Es hatte einfach niemand Interesse“, sagt Bürgermeister Peter Höß. Seitdem dämmern Räume und Mobiliar ungenutzt vor sich hin. 

Aber nicht mehr lange. Am Montag, 24. Oktober, rücken die Bauarbeiter an, um hier ein Behelfsdomizil fürs Jodbad zu schaffen. Das ist nötig, weil Anfang 2017 der Abriss des alten Gebäudes beginnt. Wie berichtet, macht es einem Gesundheitshotel Platz. Für die heilsamen Jodbäder errichtet die Gemeinde neben dem Badepark einen edlen Neubau, vom Büro Thun geplant. Aber der wird frühestens im Sommer 2018 stehen. Und damit Bad Wiessee durchgehend ein Bad bleibt, lässt die Gemeinde im verlassenen Obergeschoss des Badeparks eine Zwischenlösung schaffen. Wie viel das kostet, kann Bürgermeister Höß derzeit nicht genau sagen. Veranschlagt waren 170 000 Euro. „Aber es wird teurer werden“, sagt Höß. Weil Handwerker schlecht zu kriegen sind und jetzt alles sehr schnell gehen muss. „Weihnachten soll alles fertig sein“, erklärt Jodbad-Geschäftsführerin Renate Zinser. 

Der Zeitplan ist straff: am 23. Dezember letzter Tag im alten Bad, Wiedereröffnung im Badepark voraussichtlich am 16. Januar. Dazwischen ist ein Probelauf vorgesehen. Für die 13 Mitarbeiter des Jodbads gilt über Weihnachten eine Urlaubssperre. „Nur die Feiertage sind frei“, erklärt Zinser. Die Stimmung in der Mannschaft ist trotzdem gut. Schließlich wird keiner entlassen, der Betrieb geht ohne Pause weiter. Eine Entscheidung, die erst seit Ende Juli steht. Mit 11:4 Stimmen entschied der Gemeinderat damals, eine Interimslösung zu schaffen. Die ist teuer und wird nicht bezuschusst. Aber sie verhindert, dass Stammgäste abwandern und Wiessee als Bad in Vergessenheit gerät. Das zu erreichen, war Zinser wichtig: „Wir sind froh, dass es diese Lösung gibt.“ Die Jodbad-Chefin hat derzeit ziemlich Stress, mit gleich zwei Baustellen im Kopf. Da ist zum einen das neue Badehaus, dessen Bau im Frühjahr 2017 beginnen soll. 

Inzwischen steht die Feinplanung. Anders als bisweilen behauptet, sei es auch voll auf die Belange von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet, versichert Zinser. „Und es wird wirklich schön.“ Eine edle Gesundheitsoase, die auch Gäste anlocken dürfte, die es bislang nicht ins Jodbad gezogen hat. „Da bricht eine neue Ära an“, glaubt Zinser. Das Behelfsdomizil hingegen soll über die Zeit retten, was schon vorhanden ist. Es wird ein funktionales Bad, in dem das Team auf deutlich engerem Raum alles anbietet, was die Kundschaft gewohnt ist. „Ich denke, es wird gut“, meint Zinser. Im jetzigen Jodbad gibt es 25 Wannen, die Interimslösung bietet sechs. Außerdem werden Sprühbad und Augenbad installiert, mit Hilfe von Zwischenwänden entstehen vier Massageräume und ein Büro. Damit das Jodschwefelwasser in die Wannen fließen kann, lässt die Gemeinde Leitungen von den beiden Quellen Adrianus und Wilhelmina unter der Straße hindurch zum Badepark leiten. Dabei kann die Gemeinde noch den vorhandenen Tank nutzen. Das Wasser kommt im Keller des Badeparks an, wird dort erwärmt und nach oben gepumpt. 

Ein Problem ist der Geruch des Heilwassers. Damit es im Badepark nicht nach faulen Eiern riecht, wird die Lüftung ertüchtigt. Der Schwefelduft entweicht übers Dach des Badeparks nach oben. „Und weil das Gas leichter ist als Luft, sollte nichts wahrnehmbar sein“, erklärt Zinser. Auch wenn die Behelfslösung dem Team ein enges Korsett bietet: Zinser ist zuversichtlich, die Zahl der Anwendungen – pro Jahr 16 000 – halten zu können. Dies könnte durch eine deutliche Erweiterung der Öffnungszeiten gelingen. 

Auch das Team wird nicht reduziert. Und freut sich auf den Neubau. Dort werden 14 Wannen stehen. Das scheint nicht viel zu sein. Und doch, so Zinser, könnte die Zahl der Anwendungen bei Ganztagsbetrieb, auch am Wochenende, mächtig in die Höhe schnellen: „Das ist eine Frage der Organisation.“ Völlig offen ist übrigens, was mit dem sanierten Obergeschoss des Badesparks passiert, wenn es in eineinhalb Jahren als Jodbad-Behelfsdomizil ausgedient hat. Klar ist nur eins, wie Höß sagt: „Wir müssen über die Zukunft des Badeparks insgesamt nachdenken.“

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