Ballon-Profi: Warum ich trotz krasser Höhenangst Spaß habe
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Ein Selfie von David Strasmann in Aktion.
World-Air-Games-Sieger kommt zur Montgolfiade
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Fahrt übers offene Meer, die Skyline von Dubai vor Augen: Hier wurde David Strasmann 2015 World-Air-Games-Sieger.
World-Air-Games-Sieger kommt zur Montgolfiade
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David Strasmann über Dubai.
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Bild aus dem Ballon beim Start.
World-Air-Games-Sieger kommt zur Montgolfiade
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Selfie über den Wolken. David Strasmann hat trotz Höhenangst Spaß hoch oben.

World-Air-Games-Sieger kommt zur Montgolfiade

Ballon-Profi: Warum ich trotz krasser Höhenangst Spaß habe

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Wenn am Wochenende die Montgolfiade steigt, ist David Strasmann dabei - ein Vollprofi. Im Interview plaudert der 35-Jährige über seine Leidenschaft - und seine Höhenangst.

Herr Strasmann, Sie sind mit ihrem Ballon auf der ganzen Welt unterwegs. Wie kommt’s, dass Sie nun auch bei der Montgolfiade in Bad Wiessee starten?

Strasmann: Ich war 2013 schon mal hier und hatte die Region in positiver Erinnerung. Diese Winterveranstaltung passt heuer ganz gut in meinen Terminkalender.

Haben denn Winterveranstaltungen einen besonderen Reiz?

Strasmann: Die Kulisse ist einfach traumhaft schön. Vor allem die Berge sind für Piloten eine Herausforderung. Wenn man Alpin-Ballonfahren kann, ist das schon etwas Besonderes.

Wie sind Sie zum Ballonfahrer geworden.

Strasmann: Mein Vater war Flieger und ist über seinen damaligen Arbeitgeber zum Ballonfahren gekommen. Ich bin im Ballonkorb groß geworden, habe die Ausbildung bei meinem Vater gemacht und bei ihm die Lizenz erworben. Ballone sind bei uns Familientradition, auch meine Schwiegermutter in spe ist Pilotin.

Was macht den Reiz am Ballonfahren aus?

Strasmann: Das Spiel mit dem Wind ist der Reiz. Das Unlenkbare lenkbar machen. Ballonfahren ist die beste und angenehmste Art, zur Ruhe zu kommen und den Alltag hinter sich zu lassen. Unsere Welt ist so schnelllebig. Im Ballon ist alles wie weggeblasen. Das müssen Sie erleben. Sind Sie schon mitgefahren?

...oh nein, ich habe Flugangst...

Strasmann: ...und ich habe Höhenangst.

Wie bitte? Sie sind Ballonfahrer und haben Höhenangst?

Strasmann: Es ist so. Ich kann auf keine Leiter steigen. Das hat medizinische Gründe, liegt am Gleichgewichtsorgan im Ohr, das bei dem ein oder anderen empfindlicher ist. Ich war zuletzt auf dem Tokyo Tower, das war wie eine Schifffahrt da oben für mich. Im Ballon ist man mit der Erde nicht verbunden, damit trickse ich mein Gleichgewichtsorgan aus und habe kein Problem.

Betreiben Sie Ballonfahren auch beruflich?

Strasmann: Ich habe zwar Strasmann Ballooning als Team ins Leben gerufen und biete Fahrten an. Aber Ballonfahren ist in ersten Linie mein Hobby. Ich fahre, wenn ich Lust habe, und nicht, weil ich meine Brötchen damit verdienen muss. Die verdiene ich als Gebietsleiter bei einem Unternehmen für Schmierstoffe in der Schweiz. Das Logo ziert meine Ballonhülle.

Sie haben schon große sportliche Erfolge erzielt.

Strasmann: Aktuell bin ich Mitglied der Deutschen Heißluftballon-Nationalmannschaft, deren Ranking sich jährlich neu zusammensetzt. Ich bin an Platz vier, 2016 war ich noch auf Rang eins, weil ich nach 2010 und 2014 auch die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Wir werden heuer als Team an der Europameisterschaft in Frankreich teilnehmen, 2018 an der WM in Österreich. Daneben bin ich amtierender World-Air-Games-Sieger. Diese Meisterschaft findet alle vier Jahre statt.

...und ist gleichzusetzen mit Olympischen Spielen?

Strasmann: Olympische Luftspiele dürfen wir nicht sagen, da der Luftsport nicht vom Olympischen Komitee anerkannt ist, Unser Weltverband, die FAI, ist aber dran. 2015 fanden die World Air Games in Dubai statt, und wir konnten uns unter 70 Teilnehmern deutlich absetzen. Sie können sich vorstellen, dass die Teilnahme eine riesige logistische Herausforderung ist. Wenn die Fußball-Nationalmannschaft wo hinfliegt, dann haben die ihre Fußballschuhe im Gepäck. Im Luftsport sind die Geräte etwas größer, was einen hohen finanziellen und logistischen Aufwand erfordert.

Wie sicher ist eigentlich das Ballonfahren?

Strasmann: Statistisch gesehen, gibt es keine sicherere Art, sich in der Luft fortzubewegen. Natürlich passieren Unfälle wie im normalen Straßenverkehr. Die jüngste Statistik der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung weist Gott sei Dank eine Null auf. Die Gefahr beim Ballonfahren ist die An- und Abreise mit dem Pkw.

Haben Sie schon brenzliche Situationen erlebt?

Strasmann: Toi, toi, toi, mir ist noch nichts Schlimmes passiert. Einmal hab’ ich mir den Arm verstaucht, bei einer unsanften Landung in einem Dornenfeld hat sich ein Fahrgast mal Schrammen im Gesicht zugezogen. Ich war noch nie in der Verlegenheit, dass mir das Gas ausgegangen ist, ich fahr ja mit dem Auto auch regelmäßig zur Tankstelle.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis.

Strasmann: Das waren drei Fahrten: Vor vier Jahren bin ich mit dem Gasballon viele Stunden über den Wolken gefahren, als sich ein Spatz auf einem Seil niedergelassen hat. Vögel machen normalerweise einen riesen Bogen um uns Ballonfahrer. Eine Alpenüberquerung von Sonthofen nach Venedig war sehr eindrucksvoll. Da war der Himmel nicht mehr bläulich, sondern dunkel, da wir in 8000 Metern mit Sauerstoff unterwegs waren. Dubai war natürlich der Wahnsinn: Wir fuhren von der Palmen-Insel übers offene Meer und landeten am Veranstaltungsgelände. Das war schon eine Überwindung, übers offene Meer zu fahren. Das war mit Abstand bisher meine sportlichste Fahrt.

Dubai war also nicht zu toppen?

Strasmann: Ich war zuletzt in Japan, wo die die Landschaft eher langweilig ist, weil fast überall Reisfelder waren. Brasilien hat Zuckerplantagen, war auch interessant. Aber die Kulisse in Dubai mit der Skyline und die Wüste – das war der Wahnsinn. Letztlich ist Deutschland so facettenreich, dass es nicht immer die Ferne sein muss.

Welche Wetterverhältnisse müssen hier am Tegernsee herrschen, damit der Start klappt?

Strasmann: Kaiserwetter, so sagt man doch bei Euch, mit einer ruhige Luftströmung. Letztlich ist jeder Pilot bei der Veranstaltung selbst verantwortlich, aber in jedem Fall gilt „Safety first“.

gr

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