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Verhandlung am Amtsgericht Miesbach

Raser (35) verurteilt

Bad Wiessee - Mit Tempo 150 raste ein Audi-Fahrer über die Bundesstraße zwischen Bad Wiessee und Weißach. Er brachte einen Motorradler in Todesgefahr. Jetzt wurde er verurteilt.

Mit 150 statt mit Tempo 80 raste ein Berliner (35) im April 2015 in seinem Audi A8 über die Bundesstraße zwischen Bad Wiessee und Weißach. Einem Motorradfahrer hätte das fast das Leben gekostet. Jetzt wurde der Raser verurteilt. 

Bei der ersten Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht stritt ein 35-jähriger Berliner noch ab, im April 2015 von Bad Wiessee kommend in Richtung Weißach verkehrsgefährdend gefahren zu sein. „Ich habe erst ein langsamer fahrendes Auto überholt und wollte dann noch eins überholen, ohne dass ich zu schnell gefahren bin“, hatte der Berliner bei der ersten Verhandlung noch beteuert. Auf einer Strecke, auf der 80 Stundenkilometer erlaubt sind, sei er aber anscheinend 150 Kilometer pro Stunde gefahren – was er sich letztlich eingestand. In der Fortsetzungsverhandlung, zu der er selbst gar nicht mehr kam, sondern sich durch seinen Verteidiger Thorsten Schickler vertreten ließ, kam die Einsicht. 

Die Raserei bestätigte auch ein Zeuge. „Er ist wie ein Verrückter gefahren“, sagte der Zeuge. „Ich dachte, jetzt ist einer tot.“ Und genau das war das Vergehen des Audi A8-Fahrers. In einer Kurve mit weniger als 50 Metern Sichtweite, setzte der Beschuldigte seinen Überholvorgang an. Doch plötzlich kam ihm ein Motorradfahrer entgegen. Eine fahrlässige Fehleinschätzung des Berliners hätte beinahe ein Todesopfer gefordert. „Ich konnte mich gerade noch auf meinem Motorrad halten und musste aufpassen, nicht auf den Randstein zu fahren“, erklärte der Motorradfahrer. „Ich hatte wirklich Todesangst und habe am ganzen Körper gezittert. Als mir der Audi entgegenkam, dachte ich sofort, dass er mich totfährt.“ Doch der Raser habe nicht etwa angehalten, um nachzusehen, ob es dem Motorradfahrer gut geht. „Er fuhr einfach mit seinen 150 Stundenkilometern weiter.“ 

Dann kam es zu einer regelrechten Verfolgungsjagd auf ihn, denn ein Zeuge fuhr ihm nach. Bis er ihn irgendwann zum Anhalten bewegen konnte. „Ich hab ihm gesagt, dass er beinahe ein Menschenleben auf dem Gewissen gehabt hätte“, sagte der Zeuge aus. „Doch das hat ihn nicht interessiert. Er hat mich einfach nur ausgelacht.“ Dann schrieb sich der mutige Verfolger das Kennzeichen des 35-Jährigen auf und zeigte ihn an. Die Staatsanwaltschaft forderte wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 40 Euro für den Raser. Die Fahrerlaubnis sollte ihm zudem für zehn Monate entzogen werden. Rechtsanwalt Schickler sprach von einer „Fehleinschätzung und Fehlentscheidung“ seines Mandanten, auf einer so unübersichtlichen Strecke zu überholen. Schickler hielt eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 20 Euro für angemessen. Zudem beantragte er ein nur dreimonatiges Fahrverbot.

„Durch sein Verhalten hat er eine gefährliche Verkehrssituation hervorgerufen“, sagte Richter Walter Leitner bei seiner Urteilsverkündung. Er verhängte wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 33 Euro. Zudem muss der Mann seinen Führerschein für sechs Monate abgeben. „Das Gericht kann in den Kopf des Angeklagten nicht hineinschauen, was er sich dabei gedacht hat“, sagte Leitner, stimmte Schickler aber bei dem Wort Fehleinschätzung zu. „Jedoch war das eine riskante Art, mit der er Menschen gefährdet hat und einfach rücksichtslos vorgegangen ist. 

 Philip Hamm

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