Im Miesbacher Amtsgericht wurde der Fall des betrunkenen Hotelgastes beurteilt. (Archivbild)
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Im Miesbacher Amtsgericht wurde der Fall des betrunkenen Hotelgastes beurteilt. (Archivbild)

Dresdner (41) hatte zwei Flaschen Wein getrunken

Betrunkener Gast schlägt Bad Wiesseer Hotelier: Vor Gericht unterscheiden sich ihre Geschichten

Ein Mann wollte in einem Hotel in Bad Wiessee übernachten. Als er zu später Stunde sein Zimmer nicht mehr bekam, schlug der 41-Jährige zu. Sein Anwalt pocht auf Notwehr.

Bad Wiessee – Er durfte nicht einkehren, also teilte er aus: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung musste sich ein Dresdner (41) vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. Im Oktober 2020 hat er einem Hotelier (63) aus Bad Wiessee einen Faustschlag auf die linke Schläfe verpasst, weil dieser ihn nicht übernachten lassen wollte. Dabei hatte der Dresdner ein Zimmer gebucht. Der Hotelier hatte aber einen Grund, ihn abzuweisen.

Gast schlägt Bad Wiesseer Hotelier: Mann aus Dresden hatte zwei Flaschen Wein getrunken

Sein Mandant sei in der Tatnacht betrunken gewesen, räumte Verteidiger Frank Hannig ein. „Er hat bei einem Geschäftsessen zwei Flaschen Wein getrunken“, erklärte er für den 41-Jährigen, der selbst nicht zum Gerichtstermin erschien. Dass sein Mandant zugeschlagen hat, bestätigte Hannig. „Es gehören aber immer zwei Wahrheiten zu jeder Geschichte.“ Der Angeklagte habe ein Zimmer gebucht und angekündigt, er würde erst nach dem Zeitpunkt des Check-ins eintreffen. „Deshalb wurde ihm in einem Safe sein Zimmerschlüssel hinterlegt.“

Als der Dresdner gegen Mitternacht seinen Schlüssel abholen wollte, ihn aber nicht fand, rief er an. Bei dem Gespräch mit der Frau des Hoteliers soll die ihm mitgeteilt haben, dass er nicht übernachten könne, weil es zu spät sei. „Daraufhin hat mein Mandant die Frau am Telefon beschimpft“, gab der Anwalt zu. „Wegen Corona konnte er ja nirgendwo anders hin, und er stand ja auch schon vor dem Hotel“, versuchte er die Reaktion zu rechtfertigen. Im Anschluss sei es zum Streit mit dem Hotelier gekommen. Beide hätten sich vor dem Hotel geschubst, und immer wieder habe der Hotelier versucht, „die Tasche meines Mandanten wegzunehmen“. Dann schlug der Dresdner zu – ein Mal auf die linke Schläfe. Laut Hannig habe er sich „in einer Notstands- beziehungsweise Notwehrsituation befunden“.

Bad Wiesseer Hotelier erzählt den Tathergang aus seiner Perspektive

Etwas anders schilderte der Hotelier die Tatnacht. Ja, der Dresdner habe ein Zimmer gebucht und gesagt, er werde später einchecken. „Bis 18 Uhr wollte er aber da sein.“ Als dies nicht der Fall war, „deponierte ich den Schlüssel in einem Safe“. Als der Dresdner gegen 23.30 Uhr vor dem Hotel stehend anrief, sei er zu ihm gegangen. Der 41-Jährige sei sehr stark angetrunken gewesen. Er habe „herumgepöbelt und laut geschrien“, sodass der 63-Jährige ihn nicht mehr einkehren lassen wollte. Unvermittelt und ohne Grund habe der Dresdner zugeschlagen. „Ich habe aber nicht versucht, seine Tasche wegzunehmen“, betonte der Hotelier.

Was er seinem ungebetenen Gast zu Gute hielt: „Als ich im Anschluss die Polizei gerufen habe, hat er gewartet und den Schlag zugegeben.“ Dass die nicht zustande gekommene Übernachtung eine ausweglose Situation darstelle, sei nicht der Fall gewesen: „Er wurde danach von einem Bekannten aus Tegernsee abgeholt, wobei auch andere Hotels in Bad Wiessee geöffnet hatten.“

Gast schlägt Bad Wiesseer Hotelier: Angeklagter ist vorbestraft

Deshalb sah die Staatsanwältin keine Notwehr- oder Notstandshandlung, die den Dresdner zu dem Faustschlag verleitete. Obwohl der Angeklagte alkoholisiert gewesen sei, sprächen seine beiden Vorstrafen gegen ihn. Deshalb forderte sie eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 40 Euro. „In Bayern ist die Staatsanwaltschaft bekanntlich sehr hartnäckig“, sagte der Verteidiger zu seiner Vorrednerin, die sich nicht auf seinen Vorschlag einer Einstellung des Verfahrens einlassen wollte. Hannig war von der Notstandshandlung seines Mandanten überzeugt: „Es passiert normal vorher schon was, bevor einer zuschlägt – in dem Fall das Wegnehmen der Tasche.“ Da die ganze Wahrheit nicht aufzuklären sei, forderte er Freispruch.

Doch Amtsrichter Walter Leitner erhöhte die Geldstrafe sogar um 1400 Euro – und verdonnerte den 41-Jährigen zu 90 Tagessätzen à 60 Euro. „Das war kein rechtfertigender Notstand“, war er sich sicher. Selbst wenn der Hotelier versucht hätte, die Tasche des Dresdners wegzunehmen, „rechtfertigt das keinen Faustschlag auf die Schläfe. Da gibt’s weitaus mildere Mittel.“

von Philipp Hamm

Die Polizei Bad Wiessee war zuletzt mit zahlreichen Diebstählen in Tegernsee beschäftigt ‒ die alle nach ähnlichem Muster abgelaufen sind. Durch intensive Ermittlungen konnte der Täter gefasst werden. Ein kleiner Bub aus Holzkirchen wollte eigentlich nur seine Oma besuchen. Aber weil der Dreijährige allein unterwegs war, wurde eine Frau aufmerksam und sprach ihn an.

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