+
Knall, Stichflamme, riesige Rauchsäule: So sah es kurz nach der Explosion aus.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Explosion in Bad Wiessee: Das wissen wir am Tag danach

  • schließen

Einen Tag nach der verheerenden Explosion im Wiesseer Rettungszentrum wird das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar. Wer trägt die Schuld? Wer zahlt? Soviel wissen wir am Tag danach.

Bad Wiessee – Die dunklen Rauchwolken sind verschwunden. Sie hatten 20 Stunden zuvor den Unglücksort am Hügelweg eingehüllt und bis zum Südende des Tegernsees einen teils beißenden Geruch hinterlassen. Am Dienstagmorgen scheint die Wintersonne und taucht das ganze Ausmaß der Katastrophe in ein bizarres Licht: Die Garage der BRK-Bereitschaft wird nur noch von einer brüchigen Betonhülle gestützt. Tiefe Risse durchziehen die Wände. Verschmorte Wandverkleidungen und Kabel hängen überall herab. 

Hinter dem Bauzaun, der zur Sicherheit aufgestellt wurde, steht das, was von dem einst modernen Fuhrpark noch übrig ist: Schrott. „Solche Bilder kennt man nur von Anschlägen in Afghanistan“, beschreibt ein THW-Mann die Szenerie. Derweil nehmen die Feuerwehrspitze mit Kreisbrandrat Anton Riblinger, Vertreter des BRK mit Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk, Vertreter des Landratsamts, der Gemeinde, der Polizei, Versicherungen und Gutachter das Desaster unter die Lupe.

Der Schaden

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Willi Dörder, Leiter der Wiesseer BRK-Bereitschaft. Der Mann, der im Laufe seines Lebens als Retter schon viel gesehen hat, kämpft mit den Tränen beim Blick auf das Trümmerfeld. Hier stand ein Einsatzleitwagen (ELW), Typ MAN, der erst 2016 für 300.000 Euro angeschafft wurde. „Wir hatten den modernsten ELW in Bayern“, sagt Dörder. Dann ein Gerätewagen „Sanität“ im Wert von ebenfalls 300.000 Euro. Mit drei EKG-Geräten im Wert von jeweils 25.000 Euro war er unter anderem ausgestattet. Das Schnelleinsatzgruppen-Fahrzeug (SEG) der Wasserwacht mit Anhänger im Wert von 150.000 Euro ist ebenso verkohlt wie ein weiterer Rettungswagen für rund 160.000 Euro. Auch vom Wasserwachtsboot, das erst 2015 eingeweiht wurde, über modernste Sonar- und Radargeräte verfügte, 160.000 Euro gekostet und bereits wertvolle Dienste geleistet hat, ist nicht mehr viel übrig. 

Betreten verboten: Das BRK-Gebäude könnte am Tag nach der Explosion jederzeit einstürzen.

Im Zwischenbau, der das L-förmige Rettungszentrum mit dem Feuerwehrtrakt verbindet, ist ebenfalls alles verbrannt: Maschinen, Geräte, sogar das Fahrzeug der Rettungshunde-Staffel, das erst vor Kurzem angeschafft worden war. Ein ausrangierter PKW, den die BRKler als „Trauma-Übungsauto“ genutzt haben, ist nicht mehr brauchbar. Daneben parkt das Fahrzeug jenes Mannes, der am Montag in das Unglück verwickelt war. Das BRK schätzt den Schaden inzwischen auf rund 2,5 Millionen Euro. Mit einem blauen Auge davon gekommen ist die Feuerwehr Bad Wiessee, die sich das Rettungszentrum seit seiner Einweihung 2013 mit dem BRK teilt. „Massiver Löscheinsatz hat dafür gesorgt, dass unser Teil von den Flammen verschont wurde“, zieht Kommandant Christian Stiglmeier Bilanz. Lediglich Schaden, der durch Rauch und Löschwasser entstanden ist sowie ein paar zerborstene Fensterscheiben hat die Feuerwehr zu beklagen.

Die Verletzten

Wie berichtet, handelt es sich um zwei Männer im Alter von 34 und 42 Jahren aus Bad Wiessee. Es ist die Rede davon, dass sie die Detonation und damit den folgenschweren Brand bei Schweißarbeiten an dem Wasserwachtsboot ausgelöst haben. Bestätigt ist dies aber noch nicht. Beide Männer liegen mit schweren Brandverletzungen im Klinikum Bogenhausen, einer davon immer noch im Koma. Von den zwölf Wiesseer Feuerwehrmännern, die bei der erfolgreichen Rettungsaktion für den eigenen Fuhrpark Rauchvergiftungen erlitten und ins Krankenhaus Agatharied gebracht werden mussten, konnten elf noch in der Nacht die Klinik wieder verlassen.

Die Kripo

Rainer Kehrer und Alfred Geipel von der Kripo Miesbach haben die Ermittlungen zusammen mit einem Gutachter des Landeskriminalamts München aufgenommen. Ins Gebäude hinein geht jedoch erstmal keiner – wegen akuter Einsturzgefahr. Eine Firma wurde inzwischen beauftragt, den Abriss behutsam vorzunehmen – Balken für Balken. Währenddessen hat die Kripo bereits Kontakt zu den beiden Verletzten aufgenommen.

Die Versicherung

Bürgermeister Peter Höß, der mit seinem Vize Robert Huber und Geschäftsführer Michael Herrmann ebenfalls vor Ort ist, weiß inzwischen Folgendes: „Da die Gemeinde Bauherr des Gebäudes war, greift hoffentlich unsere Brandversicherung.“ Für den Inhalt der Garage wird wohl die Versicherung des BRK aufkommen müssen. Ob auch die beiden Verletzten, die das Unglück ausgelöst haben könnten, zur Rechenschaft gezogen werden, darüber will zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner spekulieren. „Materielles ist nebensächlich“, sagt Höß mit Rücksichtnahme auf die verletzten Menschen.

Die Hilfsbereitschaft

Robert Kießling, Kreisgeschäftsführer des BRK, weiß zwar einerseits noch nicht so genau, wie nun alles geregelt wird. Andererseits freut er sich bereits über eine Welle der Hilfsbereitschaft. „Fast minütlich bekomme ich Anrufe mit Hilfs- und Spendenangeboten“, sagt Kießling. Aus ganz Bayern wollen BRK-Verbände Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Und dann taucht Andreas Günther plötzlich auf, Firmeninhaber aus Gmund. Er hat 500 Euro mitgebracht und drückt sie Dörder und Kießling in die Hand – als Soforthilfe.

Spenden

nimmt das BRK entgegen unter DE78 7115 2570 0000 0241 90 BYLADEM1MIB Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee.

Weitere aktuelle Infos zu der verheerdenden Explosion und ihren Folgen gibt‘s in unserem News-Ticker.

News-Ticker: Explosion in Bad Wiessee - neuer Alarm am Mittwoch

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Weniger Festplatzbesucher, weniger Einnahmen: Die Bergwacht Rottach-Egern ist unzufrieden mit den Entwicklungen beim Rosstag. Auch weil inzwischen viele andere die Hand …
Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Seine Frau leidet unter Depressionen, er kann nicht mehr schlafen. Der Grund: Kuhglocken auf der Weide. Aber es geht ihm auch um die Kühe selbst - die seien …
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Ein alter Haudegen und vier Youngsters wollen das Tegernseer Tal zum deutschen Silicon Valley machen. Mit ihrer künstlichen Intelligenz Harvey X. Das ist ihr kühner Plan:
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter
Die Feuerwehr Tegernsee rückte am Sonntagabend zu einem Großeinsatz aus. Ein verlor beim Einparken die Kontrolle über sein Auto, durchbrach ein Gitter und rutschte eine …
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter

Kommentare