Wird gerade restauriert: die Angels Share in der Werft an der Nordsee. Für den Innenausbau könnte sich Initiator Anton Stetter auch eine Kooperation mit den Oberlandwerkstätten vorstellen.
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Wird gerade restauriert: die Angels Share in der Werft an der Nordsee. Für den Innenausbau könnte sich Initiator Anton Stetter auch eine Kooperation mit den Oberlandwerkstätten vorstellen.

Kutter soll Segel bekommen

Brotzeitsegeln statt Bordpartys: Initiatoren kontern Kritik an Whisky-Schiff am Tegernsee

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Harsche Kritik gab es zuletzt für die Pläne, ein schwimmendes Whisky-Lager am Tegernsee zu verankern. Die Initiatoren verteidigen nun ihr Vorhaben. Von Partys könne keine Rede sein.

Bad Wiessee/Neuhaus – Noch liegt sie in einer Werft an der Nordsee auf dem Trockenen, doch am Tegernsee hat die Angels Share trotzdem schon hohe Wellen geschlagen. Wie berichtet, reagierte die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) mit einem Sturm der Entrüstung auf die Pläne des Haushamer Whisky-Visionärs Anton Stetter und des Wiesseer Hotelchefs Anton Gericke, das schwimmende Fasslager am Bootshaus des Terrassenhof in Bad Wiessee zu verankern. Es handle sich um eine reine Werbeaktion für ein in Bayern untypisches Getränk, polterte die SGT in einer Pressemitteilung. Obendrein würde weiterer Event-Tourismus die Natur und Ruhe am Tegernsee belasten.

Stetter und Gericke sind bemüht, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. So würden diese Dinge behaupten, die nicht den Tatsachen entsprechen. „Wir wollen und werden kein Partyschiff ins Schilf schieben“, betont Gericke. Dies würde all dem widersprechen, wofür der Terrassenhof seit mehr als 90 Jahren stehe. „Wenn es mir ums Marketing gehen würde, würde ich lieber Anzeigen schalten“, fügt Stetter hinzu. Die Angels Share hingegen erfülle vielmehr eine zentrale Rolle im Produktionsprozess. So habe man zusammen mit dem Sylter Whisky-Experten Alexander Siewers in einer langen Erprobungsphase herausgefunden, dass das Destillat auf einem schaukelnden Schiff anders reife und dabei ein besonderes Aroma entwickle. Das sei nun auch am Tegernsee geplant.

Whisky-Schiff soll mit Segeln in See stechen

Bleibt die Frage nach der Genehmigung des Vorhabens. Man habe bei allen Behörden angefragt, betont Stetter. Letztlich sei es aber gar nicht so kompliziert. Im Grunde sei ein Liegeplatz wie ein Carport. „Wenn ich da ein neues Auto reinstelle, muss ich auch nicht groß um Erlaubnis fragen.“ Anders wäre es, wenn die Angels Share nicht mehr bewegt würde, fügt Gericke hinzu. Dann nämlich würde sie als bauliche Anlage gelten. Dazu jedoch wird es nicht kommen, denn das Whisky-Schiff soll in regelmäßigen Abständen über den Tegernsee schippern. „Wir wollen es mit einem passenden historischen Segel ausstatten“, erklärt Stetter. Die notwendigen Verankerungen seien auf dem Kutter vorhanden, weil er auch früher so bewegt wurde. Ein Motor komme nicht zum Einsatz, versichert Stetter.

Bevor die Angels Share in See stechen darf, müsse sie noch von einer Art TÜV abgenommen werden, erklärt Gericke. Das Landratsamt vergebe dann eine Bootsnummer. Um den Betrieb kümmere sich das benachbarte Sailingcenter mit seinem Verleihangebot. Die Ausfahrten selbst sollen nicht nur mangels Motor lautlos verlaufen, sondern auch an Deck eher gemütlich ausfallen. „Brotzeitsegeln“, nennt Gericke das Konzept. „Wir werden keine Enten stören.“ Und auch nicht den Whisky bei der Reifung.

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