Birgit Trinkl Ferienwohnungen Bad Wiessee
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Warten auf die Gäste: Nagelneue und frisch renovierte Ferienwohnungen hält die Wiesseer Gastgeberin Birgit Trinkl bereit. Doch wegen Corona ist der Betrieb noch auf unabsehbare Zeit auf Eis gelegt.

TTT will mit neuem Marketingkonzept helfen

Corona-Krise: Für die Gastgeber am Tegernsee geht‘s ums Überleben

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Die Hauptreisesaison steht vor der Tür, doch die meisten Hotels und Ferienwohnungen im Tegernseer Tal bleiben geschlossen. Verluste, die sich nie mehr ausgleichen lassen, belasten die Gastgeber.

Bad Wiessee – Der 10. Mai wird für Birgit Trinkl ein bittersüßer Tag werden. An diesem Sonntag soll das kleine Aparthotel der 51-Jährigen im Zentrum Bad Wiessees fertig werden – ein Moment, der ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird. Gerne hätte sie an diesem Tag aber auch die ersten Gäste begrüßt. Weil sie diesen Moment wegen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus auf unbestimmte Zeit verschieben muss, werden sich zum Lächeln einige Sorgenfalten gesellen.

Trinkl hat viel Geld in die acht Ferienwohnungen für gehobene Kunden investiert. Zusätzlich zu den 16 Einheiten, die sie bereits vermietet, wollte sie sich mit dem Bau des neuen Hauses für die Zukunft aufstellen. Nun grübelt die Wiesseerin: „Keine Einnahmen und viele Rechnungen – kann ich das stemmen?“

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Trinkl ist kein Einzelfall. Für das gesamte Tegernseer Tal sei die Situation eine große Belastung, sagt Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Insgesamt sei die Stimmung zwar den Umständen entsprechend gut. Auch Insolvenzen seien ihm noch keine bekannt. „Einige Betriebe haben aber extrem zu kämpfen und überlegen, ob es noch Sinn macht.“ Viele Gastgeber setzten auf Kurzarbeit und staatliche Hilfen. Nur die, die Geschäftsreisende, Handwerker und Patienten beherbergen, hätten noch geöffnet.

Gastgeberin Birgit Trinkl: „Was weg ist, ist weg“

Trinkl zwingt sich zum Optimismus. „Ich werde das irgendwie hinkriegen“, sagt sie. Ihr Vorteil: Ihr Unternehmen ist solide aufgestellt, die Bank wird ihr einen Kredit gewähren. Alle Probleme löst der aber nicht. Trinkl zahlt schon Darlehen für den Bau des Hotels und die Renovierung der Ferienwohnungen vor fünf Jahren. Auch was sie und ihre Familie derzeit zum Leben brauchen, finanziert sie auf Kredit. „Noch ein Darlehen, und es wird eng.“

Einiges hänge davon ab, wie viel sie von dieser Saison noch mitnehmen könne. „Wenn ich spätestens ab Juli öffnen darf, ist es noch okay.“ Sie brauche die Einnahmen des Sommers, denn aufholen könne sie Verluste kaum. „Sonst habe ich von Mai bis Oktober 100 Prozent Belegung. Mehr geht nicht, also kann ich es nicht ausgleichen.“ Ein schöner Herbst könne das Problem bestenfalls lindern. „Was weg ist, ist weg“, sagt Trinkl.

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Kausch will keine Prognose abgeben, wie sich der Tourismus entwickeln könnte. „Das wäre Glaskugelleserei.“ Viel werde davon abhängen, ob es wieder mehr Corona-Fälle gibt und ob Lockerungen zurückgenommen werden. Sicher sei: „Es wird ein wesentlich schwächeres Jahr als sonst.“ Er hofft nun, die Verluste begrenzen können.“

TTT will mit neuem Marketingkonzept deutsche Urlauber gewinnen

Auch nach ersten Lockerungen der Beschränkungen drohen Verdienstausfälle. Tagungsgäste und ausländische Reisende werden wohl weiter nichts ins Tal kommen dürfen. Um diese Lücken zu füllen, arbeitet die TTT an neuen Marketingkonzepten, um deutsche Urlauber an den Tegernsee zu holen. „Gesundheit, Wandern, Immunsystem aufbauen“, nennt Kausch die Schwerpunkte.

Trinkl hofft, dass die Einnahmen kommen. Durch die Stundungen von Behörden und Unternehmen staue sich eine Welle auf, die irgendwann über sie hereinbrechen werde. „Da werde ich im Herbst staunen, wenn alle sagen: ,Jetzt hätten wir gerne unser Geld‘.“ Trinkl ist zuversichtlich, der Welle standzuhalten. Einige Betriebe im Tal werden ihr aber wohl zum Opfer fallen, glaubt sie.

Ebenfalls ein Problem für Trinkl: Sie hatte eine Putzfrau aus Bulgarien eingestellt. Die darf wegen der Reisebeschränkungen derzeit aber nicht nach Deutschland kommen. „Wer reinigt dann die Wohnungen?“ Selbst wenn die Politik für Putzkräfte Ausnahmen zulässt, bestehe die Gefahr, dass andere Länder die Ausnahmen früher erlassen und die Arbeitskräfte dorthin abwandern.

Klare Vorgaben könnten helfen, sagt Trinkl in Richtung Politik. Momentan plant sie mit dem 15. Juni, den Ministerpräsident Markus Söder als möglichen Termin genannt hatte. Sicher sei dieser Zeitplan aber nicht. „Sagt mir, wann ich wieder aufmachen darf und welche Hygienemaßnahmen ich einhalten soll. Dann mache ich das.“

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Diese Forderung unterstützt Kausch. Er wünscht sich kreative Unterstützungen: „Auf 100 Prozent Verdienstausfall kann sich niemand vorbereiten – da muss die Politik etwas tun.“

mas

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