Spielarena Bad Wiessee
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Schön wär’s – doch die Spielarena in Bad Wiessee hat wegen der Corona-Beschränkungen seit März geschlossen. 

Scheidender Bürgermeister Peter Höß schafft Fakten

Vertrag mit Spielarena-Betreiber überraschend gekündigt

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Wenige Tage vor Ende seiner Amtszeit hat Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) Fakten geschaffen: Er hat dem Spielarena-Betreiber Josef Niedermayer gekündigt. 

Bad Wiessee – Die offizielle Tagesordnung der Gemeinderatssitzung, die wegen Corona im Saal des Gasthofs Zur Post stattfand, war schon geschafft. Fritz Niedermaier hatte als Sprecher des Wiesseer Blocks noch artig Obstkörbe auf den Tischen der ausscheidenden Bürgermeister Höß und Robert Huber (SPD) postiert. Kurze Dankes- und Abschiedsworte wurden ausgetauscht. Dann ließ es Florian Sareiter (CSU) zur Überraschung aller heraus: „Dass die Jodschwefelbad-Gesellschaft mitten in der Coronakrise dem Spielarenabetreiber gekündigt hat, dafür fehlt mir das Verständnis.“ Der Gemeinderat habe sich doch darauf geeinigt, dass sich das neu gewählte Gremium mit dem Thema Spielarena befassen werde, so Sareiter. „Hätte das nicht Zeit gehabt?“

Spielarena-Vertrag gekündigt: „Spielraum für neuen Vertrag“

Höß nahm sich Zeit für eine Antwort, kramte ein Schriftstück hervor, um sich bei der Argumentation nicht zu verzetteln. Er habe den am 24. September 2009 geschlossenen und am 30. September 2021 endenden Vertrag jetzt am 15. April gekündigt, um genug Zeit für einen neuen Vertrag und neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn: Wäre die Kündigung nicht bis spätestens 30. September diesen Jahres erfolgt, dann hätte sich die Laufzeit automatisch um fünf Jahre verlängert. Zudem, das betonte Höß am Mittwoch erneut auf Nachfrage, habe er dem künftigen Gemeinderat einen „möglichst großen Spielraum“ verschaffen wollen. Dieser Spielraum habe auch mit steuerlichen und finanziellen Gründen zu tun. Höß spricht von Millionen-Forderung seitens des Betreibers im Falle einer vorzeitigen Schließung der Halle. Aber auch von rund 420 000 Euro Steuerersparnis, falls die Jodbad GmbH bis 2024 auf dem Areal, auf dem die Spielarena sitzt, investieren würde.

Jodbad an Gemeinde übergeben

Dazu gibt es bereits Gedankenspiele. Doch der Antrag von SPD und Wiesseer Block, die Option für den Bau eines Parkhauses mit einer Spielarena auf dem Dach zu prüfen, war im Juli 2019 mit einem 7:7-Votum im Gemeinderat gescheitert. Überhaupt kam man überein, das leidige Thema Spielarena dem künftigen Gemeinderat zu überlassen.

Kündigung trotz Coronakrise: „Das ist der Hammer“

„Ich wollte geordnete Verhältnisse hinterlassen“, begründet Höß seine Hauruck-Aktion, die den Betreiber in seiner schlimmsten Krise trifft. „Das ist schon der Hammer“, reagiert Josef Niedermayer, der kein Verständnis für eine „derartige Macht-Demonstration mitten in der Coronakrise“ zeigt. Es gebe keine Notwendigkeit zur Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt. Niedermayer kündigte seinerseits einen Antrag auf Rücknahme der Kündigung an.

Zugleich betont er, weiter für den Erhalt der Spielarena zu kämpfen. „Das ist mein Baby, ich will die Einrichtung auf jeden Fall erhalten.“ Doch anstelle jubelnder und tobender Kinder, erlebt er gerade ein Desaster: null Einnahmen, aber weiter laufende Kosten. „Im März musste ich noch das Personal zahlen“, sagt Niedermayer, der sieben Teilzeit- und vier Vollzeitkräfte beschäftigt. Sie sind aktuell in Kurzarbeit, während der Chef dieser Tage damit zu tun hat, alleine wenigstens die Tennisplätze auf Vordermann zu bringen. Zudem müsse er weiter die volle Pacht an die Jodbadgesellschaft zahlen. Für Mai werde er einen Antrag auf Pachterlass einreichen, sagt Niedermayer, denn er befürchtet, dass die Schließung noch lange andauert. „Für Spiel- und Spaßeinrichtungen und Großveranstaltungen, zu denen wir zählen, ist die Prognose eher düster.“

Alle neuesten Infos zu Corona erfahren Sie hier im Corona-Ticker.

Tegernseer Investor arbeitet an Impfstoff.

gr

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