Corona Bad Wiessee
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Wie ausgestoßen: Seitdem Iris und Klaus-Peter Vetter an Covid-19 erkrankt sind und sich in häuslicher Quarantäne befinden, werden sie von einigen Nachbarn angefeindet.

Nachbarn rufen ihnen Schimpfwörter zu

Coronavirus: Krankes Ehepaar in Quarantäne erlebt schlimme Anfeindungen: „Es ist die Hölle“

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Von wegen nur Solidarität: Ein Ehepaar aus Bad Wiessee, das aufgrund einer Coronavirus-Infektion seit 14 Tagen in Quarantäne lebt, macht schlimme Erfahrungen.

  • Ein Ehepaar aus Bad Wiessee wurde positiv auf Covid-19 getestet.
  • Damit begann eine Zeit der Anfeindungen. 
  • Nachbarn beschimpften das Ehepaar in Quarantäne.

Bad Wiessee Während Hilfsbedürftige dieser Tage viel Solidarität erfahren und ihnen während der Coronakrise unter die Arme gegriffen wird, erlebt ein erkranktes Ehepaar in einem Mehrfamilienhaus in Bad Wiessee gerade das krasse Gegenteil. „Es ist die Hölle“, sagt Iris Vetter.

Vor 14 Tagen bekamen Iris und Klaus-Peter Vetter die Gewissheit. Sie wurden positiv auf Covid-19 getestet. Die 59-jährige Selbstständige und ihr 79-jähriger Mann zogen sich daraufhin ganz in ihre Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Bad Wiessee mit gut einem Dutzend weiterer Wohnungen zurück. Für das Ehepaar begann nicht nur eine Zeit der Krankheit und der häuslichen Isolation, „es begann die Hölle“, berichtet Iris Vetter. Sie macht dieser Tage eine schlimme Erfahrung: Dass es eben nicht nur jede Menge Hilfsbereitschaft und Solidarität gibt, sondern auch „das krasse Gegenteil“.

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Corona in Bad Wiessee: Covid-19-Erkrankung spricht sich schnell im Haus herum

Es habe sich nicht nur schnell im Haus herumgesprochen, dass sie und ihr Mann an Corona erkrankt seien. Es habe auch kurz darauf ein Rundschreiben der Hausverwaltung gegeben, in dem über die aktuelle Situation informiert wurde. Das sei ja noch in Ordnung, findet Iris Vetter, aber das Verhalten der Mitbewohner mache sie einfach nur wütend. „Als uns unser Sohn und die Schwiegertochter Lebensmittel vor die Türe stellten, wir mit Handschuhen und Mundschutz die Türe öffneten und uns mit ausreichendem Abstand begegneten, da rief jemand durch den Flur: ,Hoffentlich verrecken die.‘“ 

Durch den Türspion würden manche beobachten, wenn sie ein Paket oder ähnliches von der Brüstung nehmen. „Dann höre ich, wie ganz bewusst und laut die Türen knallen.“ Schimpfwörter wie „Dreckspack“ seien ihr schon zugerufen worden, berichtet die 59-Jährige, die seit zwei Jahren mit ihrem Mann in dem Mehrfamilienhaus lebt. „Wir hatten eigentlich ein ganz normales Miteinander hier im Haus, es herrschte ein umgänglicher Ton, mit dem ganz normalen Haustratsch eben.“ Doch nun sei alles anders. All das, was sie seit zwei Wochen erlebe, mache sie einfach nur wütend.

Ehepaar in Bad Wiessee: Schlimme Erfahrung mit Nachbarn wegen Corona 

In ihrer Verzweiflung trat sie der Facebook-Gruppe #tegernseehältzusammen bei. Sie postete ihren Fall, schrieb überaus offen, dass man sie und ihren Mann „wie den letzten Dreck“ behandeln würde. Man würde sich sogar daran stören, wenn sie auf dem Balkon säßen, dabei gäbe es weder links noch rechts jemanden. „Alles, worüber ich mich noch hätte freuen können, ist mir geraubt worden mit Worten von Menschen, die unsere Nachbarn sind“, schreibt sie. In weit über hundert Kommentaren versucht ihr die Leserschar, dann Mut zu machen, lobt sie für ihre mutige Schilderung und bietet Hilfe an.

Am Mittwoch haben sie und ihr Mann die Krankheit offiziell durchlebt. Dann sind die 14 Tage Quarantäne vorüber. Sie gelten als gesund. Während ihr Mann etwas schlimmer dran gewesen sei und unter trockenem Husten gelitten habe, habe sie die Zeit wie bei einem grippalen Infekt erlebt. „Doch nun fühlen wir uns wieder gesund“, sagt Iris Vetter. Wo sie und ihr Mann sich infiziert haben könnten, ist beiden schleierhaft.

Corona in Bad Wiessee: „Weiß noch nicht, wie ich damit umgehen kann“

Was die nächste Zeit auf sie und ihren Mann zukommt im Haus, daran will sie noch gar nicht denken. „Ich weiß noch nicht“, gesteht Iris Vetter, „wie ich damit umgehen kann“. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, dass weitere Mitbewohner in dem Mehrfamilienhaus erkranken könnten.

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