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So könnte das Badehaus nach den Plänen von Matteo Thun aussehen.

CSU diskutierte mit Vermietern und Bürgern

So denkt Bad Wiessee über das Badehaus

Wäre ein Jodbad im Badepark eine Alternative für das 9,5 Millionen teure Badehaus? Bei einem gut besuchten Diskussionsabend hat sich die CSU Bad Wiessee Rückhalt geholt für weiteres Vorgehen.

Bad Wiessee – Am Tag nach dem „Ortsgespräch“ mit über zweistündiger, teils hitziger aber effektiver Diskussion mit Wiesseer Vermietern und Bürgern im Gasthof Zur Post, sieht der CSU-Ortsverband ein wenig klarer: „Die funktionierende Interims-Lösung des Jodbads im Badepark gibt uns den nötigen Spielraum, um in Ruhe über eine Lösung nachzudenken“, sagt Ortsvorsitzender Florian Sareiter. Seine Fraktion werde sich in Kürze erneut besprechen und dann einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einreichen. Nicht zur Sitzung am Donnerstag, sondern zur Aprilsitzung.

Im vollbesetzten Saal leitete Florian Sareiter (r.) die Diskussion.

Rückhalt für diesen Schritt schöpft die CSU aus der Versammlung am Montagabend. Sie sollte aufzeigen, wie Vermieter und Bürger über das nach den Plänen des Südtiroler Star-Architekten Matteo Thun geplante Badehaus denken, über das jährliche Defizits von 525 000 Euro im Jodbad und den Rückgang der verabreichten Bäder von 170 000 im Jahr 1988 auf aktuell rund 17 000. Die dünne Mehrheit im Gemeinderat von 8:7 ist für den Bau neben dem Badepark, die CSU ist wegen der hohen Kosten dagegen: 6,7 Millionen Euro würde der Bau kosten, dazu kämen 1,7 Millionen Euro für die ohnehin nötige Quellensanierung, Nebenkosten von 340 000 Euro sowie eine Reserve von 800 000 Euro. Macht 9,54 Millionen Euro. Bei einem Staatszuschuss von 3,2 Millionen Euro müsste Bad Wiessee 6,34 Millionen Euro selbst schultern.

„Die erhofften 28 000 Anwendungen sind doch alternative Fakten“, sagte der frühere Jodbadleiter Hans Sparrer und hielt den Wunsch nach einem wieder florierenden Betrieb für unrealistisch. Er schlug sich auf die Seite jener, die eine dauerhafte Lösung im Badepark für sinnvoll halten. Was wäre, wenn man die Planung einstampfen und die dann bisher verbrannten Planungskosten in Kauf nehmen würde? „Das wäre Pipifax im Vergleich zu den Verlusten, die uns durch einen Neubau drohen“, fand Thomas Scheingraber. Es sei falsch, dem Bade-Charme der 1960er-Jahre hinterher zu weinen. Viel sinnvoller sei es, das Geld in eine moderne Lösung im Badepark zu investieren. Denn auch dieser müsse mit Millionenaufwand saniert werden.

Alexandra Lüftnegger zweifelte an der Kompetenz der Gemeinderäte, da man noch nie gefragt habe, wie die Erfahrungen der Vermieter eigentlich seien. „Man kann an einer Hand abzählen, wie viele Gäste wegen des Jodbads kommen“, sagte die Gästehaus-Betreiberin. Die Gemeinde solle sich lieber erkundigen, was der Gast von morgen eigentlich wolle. Hotelier Anton Beil sah die Fehler ganz klar in der Vergangenheit. Man habe versäumt, das Jodbad in Bad Wiessee zu bewerben, „und jetzt preschen die Österreicher vor und puschen ihre Bäder.“

Vermieter Hans Stoib hielt es hingegen für unpassend, wenn Bad Wiessee mit einer Interims-Lösung im Badepark in die Werbung gehe. „Viele Vermieter haben zuletzt in ihre Häuser viel Geld gesteckt, jetzt sollte auch die Gemeinde Geld in die Hand nehmen für ein schönes Badehaus, in die Zukunft schauen und nicht so weiterwurschteln.“ Damit sprach er Gemeinderat Rainer Kathan (Wiesseer Block) und auch Bernd Kuntze-Fechner (SPD) aus dem Herzen. Kathan verteidigte die Investition für das Badehaus, zumal 2,5 Millionen Euro so und so anstehen. „Machen wir das Beste daraus“, warb Kathan. Kuntze-Fechner warnte davor, „auf halbem Weg Halt zu machen.“ Er appellierte an die Gemeinsamkeit, um das Jodbad nach vorne zu bringen.

Kritisiert wurde, dass keine alternativen Vorschläge zum Badehaus vorliegen und die Thun-Planung in „Friss-oder-Stirb-Manier“ präsentiert werde. „Ich bin für die Stunde Null und das Einholen von Vorschlägen einheimischer Architekten“, forderte CSU-Gemeinderat Georg Erlacher.

Florian Sareiter fasste die Diskussion dann so zusammen: Die jetzige Interims-Variante als Dauerlösung erscheint nicht ideal. Ein hochwertiges Jodbad sei durchaus gewünscht. Ob das mit viel verwitterungsanfälligem Holz und im spartanisch-japanischen Stil geplante Badehaus die richtige Lösung sei, ist zweifelhaft. „Wir brauchen eine Lösung, die auf breiten Schultern ruht“, so Sareiter. „Wir haben Zeit, sie zu finden.“

Stimmen bei der Debatte:

„So ein Provisorium ist ein No-Go für eine Premium-Region“ (Hans Stoib, Vermieter).

„Es kann nicht sein, dass man hinter Schaftlach kein Jodwasser mehr kennt“ (Anton Beil, Hotelier).

„Brauchen wir einen Star-Architekten? Wir heißen doch Bad Wiessee und nicht Bad Größenwahn“ (Elfie von Khreninger, Vermieterin).

„Mit Thun haben wir eine tolle Marketingbasis“ (Rainer Kathan, FWG)

„Die Thun-Hörigkeit geht mir mächtig gegen den Strich“  (Rolf Neresheimer, ranBW).

„Planung abbrechen, sonst haben wir keine Luft mehr für weitere Investitionen“ (Hartwig Bayerschmidt, CSU).

„Die Kinder sind unsere Zukunft und nicht das Badehaus“ (Wiesseer Bürger).

„Das Badehaus wäre eine Mischung aus Hühnerstall und Holzlagerhaus“ (Wiesseer Bürgerin).

gr

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