Unter dem bisherigen Parkplatz der Alpenpark-Klinik soll im Zuge der Erweiterung eine zweigeschossige Tiefgarage für 120 Stellplätze entstehen.
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Unter dem bisherigen Parkplatz der Alpenpark-Klinik soll im Zuge der Erweiterung eine zweigeschossige Tiefgarage für 120 Stellplätze entstehen.

Diskussion im Wiesseer Gemeinderat

Klinik im Alpenpark: Die Tiefgarage und der Klimaschutz

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Mit dem Bau einer Tiefgarage am Defreggerweg schafft die Kirinus Alpenpark Klinik in Kreuth 120 Stellplätze. Das Vorhaben sorgt in Bad Wiessee für Bedenken.

Bad Wiessee - In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung löste die Vorstellung des Bebauungsplans der Kirinus Alpenpark Klinik nun eine Grundsatz-Debatte zum Thema Tiefgaragen aus. Das Reizwort lieferte – ohne es zu ahnen – Till Fischer vom beauftragten Planungsbüro AKFU, der dem Ausschuss die ausgearbeitete Bauleitplanung präsentierte. Darin war im Zusammenhang mit dem Bau der Tiefgarage offenbar auch von Klimaschutz die Rede. Das brachte Johannes von Miller (Grüne) in Rage, der schon bei der April-Sitzung gegen das „gigantische Volumen“ des unterirdischen Bauwerks gewettert hatte. Mit solch schönen Worten könne man das Vorhaben den Gremiums-Mitgliedern nicht verkaufen, da fühle er sich vorgeführt, erklärte der Grünen-Politiker.

Kritik an Flächenversiegelung

98 Prozent der Fläche würden mit der Tiefgarage versiegelt. Allein die Produktion des Betons, der dabei verbaut werde, erfordere tausend Tonnen CO2. „Ich bitte, das bei künftigen Entscheidungen zu berücksichtigen“, appellierte er. Von Miller stört sich massiv daran, dass die Tiefgarage größer gebaut werde, als eigentlich nötig. Wie Fischer auf seine Nachfrage bestätigte, werde die Kreuther Stellplatz-Satzung, die hier maßgeblich sei, „übererfüllt“.

Die Wortmeldung von Millers wollte wiederum SPD-Kollegin Klaudia Martini nicht unkommentiert stehen lassen. Sie wolle nicht als „Klimazerstörer“ dastehen, nur weil sie in diesem Fall der Tiefgarage zustimme, machte Martini deutlich und ging ins Grundsätzliche: Wenn man den Klimaschutz tatsächlich ernst nehme, müsste man in vielen Bereichen komplett umdenken. Dies, so Martini, würde weniger Tourismus, weniger Hausbau – schlicht ein ganz anderes Leben in Bad Wiessee bedeuten. „Ich sehe aber nicht, dass eine Mehrheit diesen Weg gehen möchte“, sagte die SPDlerin. Martini betonte, dass sie die Problematik mit den Tiefgaragen sehr wohl sehe. Sie wünsche sich daher, dass Behörden wie das Wasserwirtschaftsamt in den sensiblen Gebieten am Tegernsee genauer hinschauen und die Baumöglichkeiten dort einschränken. „Das wäre der richtige Weg.“

Der Diskussion zum Trotz wurde am Ende der vorliegende Entwurf des Bebauungsplans für die Klinik-Tiefgarage mit 8:1 (von Miller) gebilligt und ins Verfahren geschickt. Nun können sich die Öffentlichkeit sowie die Behörden und Träger öffentlicher Belange zu dem Vorhaben äußern.

Entspanntere Parksituation

Wie Planer Fischer in seinen Ausführungen erklärt hatte, werde der Klinik-Verkehr mit der geplanten Einfahrt zur Tiefgarage zum „frühestmöglichen Zeitpunkt“ vom Defreggerweg abgeleitet. Die oberirdischen Parkplätze reduzieren sich auf rund 40. Dass sich die Stellplatzzahl mit der Tiefgarage insgesamt deutlich erhöhe, bedeute künftig auch eine entspanntere Situation für die Anwohner, erklärte Fischer.

Wie berichtet, läuft parallel zur Bauleitplanung bereits das Verfahren zum konkreten Bauantrag für die Tiefgarage. Der Ausschuss hatte dem Antrag – unter Bauchschmerzen und unter Vorbehalt – schon im April zugestimmt.

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