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Das Ende des Hotels Edelweiß: Ein Bagger reißt das ehemalige Urlauber-Domizil neben der Bundesstraße in Bad Wiessee ein. Hier soll eine Seniorenwohnanlage entstehen.

Es steht schon Jahre leer

Neuer Besitzer reißt Hotel Edelweiß ab - "vorsorglich" 

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Bad Wiessee - Das Hotel Edelweiß in Bad Wiessee ist Geschichte, in diesen Tagen wurde es gerissen - "vorsorglich", wie es vom neuen Besitzer heißt. Denn das leer stehende Haus hat sich zum Problem entwickelt.

Baluster-Balkone ringsum, Lüftlmalereien an der Fassade, bayerischer Baustil: Das Hotel Edelweiß neben der Bundesstraße in Bad Wiessee war ein schmuckes Anwesen und beliebtes Urlauber-Domizil, ist aber seit vielen Jahren geschlossen. 2009 befürworteten Gemeinde und Landratsamt den Bauantrag einer Leipziger Unternehmensgruppe für ein Seniorenzentrum. Doch daraus wurde nichts. 2013 kaufte die SeniVita aus Bayreuth das 4136 Quadratmeter große Areal. Sie verfolgt ähnliche Pläne: Ein innovatives Seniorenwohnprojekt nach dem Konzept „Altenpflege 5.0“ soll hier entstehen (wir berichteten).

SeniVita blieb zwar bei seinem Vorhaben, trieb es aber auch nicht mit Hochdruck voran. Und so stand das Haus leer. Heuer im Sommer entdeckten Jugendliche das ehemalige Hotel für sich und begannen damit, einen geheimen Jugendtreff darin einzurichten. Mit zerstörerischen Ausmaßen: Sie legten kleine Feuer, schlitzten Bettdecken auf und verteilten den Inhalt in allen Zimmern, zertrümmerten Mobiliar. Das Inventar des Hotels wurde so gut wie komplett zerstört. Im Oktober flog der Vandalismus auf, SeniVita kündigte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung an. Nach einem Zeugenaufruf wurden drei Jugendliche aus Gmund und Bad Wiessee im Alter von 13, 14 und 15 Jahren ermittelt. „Die Burschen gaben zu, dass sie sich in dem Hotel mehrmals trafen. Sie versicherten aber, für den Vandalismus nicht verantwortlich gewesen zu sein“, berichtet ein Sprecher der Polizei Bad Wiessee über die Ermittlungen.

SeniVita verzichtete zwar auf einen Strafantrag, zog aber dennoch Konsequenzen: Vor wenigen Tagen wurde damit begonnen, das Hotel abzureißen. Mehrere Tage fraß sich ein Bagger Meter für Meter durch die Zimmer und Etagen. „Wir haben Vorsorge getroffen gegen weiteren Vandalismus“, sagt Uwe Seifen, Vorstandsmitglied der SeniVita Social Estate AG. Mit dem Bau der Pflegewohnanlage ist es allerdings noch nicht soweit.

Nach dem Konzept „Altenpflege 5.0“ ist ein dreigeschossiger Bau geplant, der seniorengerechtes Wohnen, häuslichen Pflegedienst und Tagespflege vereint. 48 Appartements, allesamt als Eigentums-Appartements geplant, werden sich laut Seifen in den oberen Etagen befinden. Im Erdgeschoss werden Tagespflege- und Sozialeinrichtungen untergebracht, die ganzjährig und nach Wahl von 8 bis 19 Uhr in Anspruch genommen werden können. Bereits im April 2013 hatte Geschäftsführer Horst Wiesent das Projekt im Gemeinderat vorgestellt. Als „großen Segen“, hatte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) dann sogleich im Bürgerboten „Bad Wiessee im Blick“ das Projekt bezeichnet.

Tatsächlich ist das Bayreuther Unternehmen, das 16 ähnliche Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie fünf eigene Schulbetriebe in Bayern betreibt, über die hausinterne Planung noch nicht hinausgekommen. „Der rechtskräftige Bebauungsplan aus Zeiten der Vorgänger muss noch geändert werden“, erklärt Bad Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis. „Doch bis jetzt sind noch keine Unterlagen eingereicht.“ Erst danach könne der Bauantrag folgen. Abstimmungsgespräche seien jedoch bereits am Laufen, sagt Köckeis. Er hoffe, dass das Projekt Anfang 2016 konkret wird. Das hofft auch SeniVita selbst. Sollte das Genehmigungsverfahren schnell über die Bühne gehen, dann könnte Ende 2016 tatsächlich Baubeginn sein. Das Grundstück jedenfalls steht bereit.

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