1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Bad Wiessee

Luxus-Schwarzbau am Tegernsee: Landratsamt greift hart durch - Bittere Folgen für Eigentümer?

Erstellt:

Von: Gabi Werner

Kommentare

Die schmucke Luxus-Hütte mitten im Wiesseer Bergwald soll weg. Das Landratsamt kam zu dem Schluss, dass die Umbauarbeiten an dem Bauwerk unzulässig waren und damit der Bestandsschutz erloschen ist.
Die Luxus-Hütte mitten im Wiesseer Bergwald soll weg. Das Landratsamt kam zu dem Schluss, dass die Umbauarbeiten an dem Bauwerk unzulässig waren und damit der Bestandsschutz erloschen ist. © Thomas Plettenberg

Weil er eine simple Jagdhütte im Wiesseer Bergwald zu einem hübschen Chalet umfunktioniert hat, bekommt der Eigentümer jetzt Post vom Landratsamt. Die Behörde fordert den Abriss.

Update vom 8. April: Geht es nach dem Landratsamt Miesbach, muss die zum hübschen Wochenendhäuschen umgebaute Hütte im Wiesseer Bergwald komplett verschwinden. Die formelle „Anhörung zur Beseitigung“ wurde mittlerweile an den Eigentümer rausgeschickt. Dies gab Bauamtsleiter Anton Bammer am Donnerstag (7. April) im Wiesseer Gemeinderat bekannt.

Luxus-Chalet am Tegernsee: Eigentümer bekommt Post vom Landratsamt

Zuvor hatte CSU-Gemeinderat Peter Kathan der Rathaus-Verwaltung für das Einschreiten in dieser Sache gedankt. Kathan wusste darüber hinaus zu berichten, dass nicht nur an der Hütte selbst Umbaumaßnahmen stattgefunden hätten. „Es gab auch massive Erdbewegungen.“ Es seien - so die Ausführungen Kathans - auch ein Trinkwasser-Reservoir, eine Kläranlage und sogar eine Flüssiggasanlage eingebaut worden.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Tegernsee-Newsletter.

Auch das Landratsamt bestätigt auf neuerliche Nachfrage, dass weitere Veränderungen vorgenommen worden seien. „Zum Beispiel wurde eine Terrasse angelegt oder zumindest erweitert und befestigt“, heißt es. In der Gesamtschau gehe man weiterhin davon aus, dass die gesamte Hütte zu beseitigen sei. „Eine Differenzierung zwischen den einzelnen Verstößen ist daher unerheblich.“

Ursprünglicher Artikel vom 1. April:

Bad Wiessee – Die Luxus-Hütte oberhalb des Breitenbachtals in Bad Wiessee – sie sorgt für viel Gesprächsstoff im Tegernseer Tal. Der Eigentümer, dem Vernehmen nach ein Münchner Unternehmer, hat aus dem uralten Bauwerk im Außenbereich ein wahres Schmuckstück mit Solaranlage, möblierter Terrasse, beheizbarem Badezuber und Seeblick gemacht. Alles ohne Genehmigung. Bekanntlich hat das die Bauaufsicht des Landratsamtes auf den Plan gerufen.

Beseitigungs-Anordnung für Luxus-Hütte: Landratsamt greift hart durch

Die Behörde ist nach einem Ortstermin und weiteren Recherchen nun zu einem für den Eigentümer wenig erfreulichen Ergebnis gelangt: Wegen der umfangreichen Maßnahmen gehe man davon aus, dass der Bestandsschutz für die Hütte erloschen „und eine vollständige Beseitigung des Gebäudes anzuordnen ist“, teilt Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler mit. Damit greift die Behörde im Fall dieses Schwarzbaus hart durch. Das Staatliche Bauamt wird dem Eigentümer in einem nächsten Schritt die „Anhörung zur Beseitigung“ zukommen lassen. Dann kann sich der Eigentümer erst einmal dazu äußern.

Wegen Umbaumaßnahmen ist Bestandsschutz für Hütte erloschen

Kompletter Abbruch also statt Rückbau einzelner Teile? Warum die vollständige Beseitigung angeordnet wird, begründet das Landratsamt in seiner Mitteilung ausführlich. Grundsätzlich hätte das Gebäude aufgrund des hohen Alters Bestandsschutz genossen oder hätte zumindest geduldet werden müssen. „In so einem Fall“, stellt die Behörde klar, „dürfen aber nur verfahrensfreie Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden“.

Maßnahmen also, die dem Erhalt des Bauwerks dienen, nicht aber dessen Identität verändern. Das Landratsamt stellt klar: „Mit dem Verlust der ursprünglichen Identität eines Gebäudes geht ein Verlust des Bestandsschutzes einher.“ So wie jetzt im Fall der Wiesseer Luxus-Hütte.

Abriss noch nicht besiegelt: Eigentümer kann Einspruch erheben und klagen

Für den Eigentümer, der augenscheinlich viel Geld in den Umbau des Bergdomizils gesteckt hat, kommt es nun bitter. Mit der „Anhörung zur Beseitigung“ erfolgt laut Pressesprecherin der erste Schritt der Beseitigungsanordnung durch das Amt. Innerhalb einer bestimmten Frist könne der Eigentümer dazu Stellung beziehen „und beispielsweise Gesichtspunkte vorbringen, unter welchen eine Beseitigung des Gebäudes unverhältnismäßig sein könnte“.

Ist die Frist abgelaufen, ist wieder das Landratsamt am Zug und muss die möglicherweise vorgebrachten Einwände prüfen. Hält das Landratsamt an seiner Einschätzung fest, wird – so die Behörde – eine „förmliche Beseitigungsanordnung erlassen“. Auch dann ist das Schicksal der Hütte noch nicht besiegelt. Dem Eigentümer bleibt noch der Weg, gegen den Bescheid Klage zu erheben. Die Entscheidung liegt dann beim Verwaltungsgericht.

Landratsamt: „Tiefer Eingriff in die Grundrechte des Einzelnen“

Es dürfte also noch einige Zeit ins Land ziehen, bis sich hier tatsächlich etwas bewegt. Alle vorgeschriebenen Fristen müssten eingehalten werden, stellt Stadler klar. „Immerhin ist eine Beseitigungsanordnung ein tiefer Eingriff in die Grundrechte des Einzelnen.“

Bürgermeister begrüßt Entscheidung: „Maximale Härte muss greifen“

Ein Eingriff, den Wiessees Bürgermeister Robert Kühn (SPD) ausdrücklich begrüßt. Mit Blick auf die Anordnung des Landratsamtes sagt er: „Das ist genau das, was wir gefordert haben. Wenn etwas baurechtlich nicht in Ordnung ist, muss maximale Härte greifen.“ Die Gemeinde würde sich manchmal „schon bei viel kleineren Sachen“ ein konsequenteres Durchgreifen der übergeordneten Behörden wünschen.

Lesen Sie hier: Zorn über Wiesseer Schwarzbau: Eine „Unanständigkeit hoch drei“ gab

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Miesbach und der Tegernsee-Region finden Sie auf Merkur.de/Tegernsee.

Auch interessant

Kommentare