Eine Sitzungsglocke hält Bürgermeister Robert Kühn in seinem Amtszimmer bereit. Weil die Gemeinderatssitzungen seit neuestem aber so diszipliniert ablaufen würden, brauche er die Glocke eigentlich nie, sagt er.
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Eine Sitzungsglocke hält Bürgermeister Robert Kühn in seinem Amtszimmer bereit. Weil die Gemeinderatssitzungen seit neuestem aber so diszipliniert ablaufen würden, brauche er die Glocke eigentlich nie, sagt er.

Ein Jahr im neuen Amt

Das sind die Erfahrungen des Wiesseer Bürgermeisters Robert Kühn (SPD)

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Seit einem Jahr sitzt Robert Kühn (SPD) nun auf dem Stuhl des Wiesseer Bürgermeisters. Der 38-Jährige war damals der Überraschungssieger der Wahl. Wir haben ihn um eine erste Bilanz gebeten.

Bad Wiessee – Sitzungen mit Abstand oder nur online, so gut wie keine persönlichen Begegnungen mit Bürgern, Projekte in der Warteschleife: Die Amtsgeschäfte der Rathauschefs im Landkreis haben sich seit Ausbruch des Coronavirus stark verändert. Die sieben Neueinsteiger sind seit ihrem Dienstantritt im Mai 2020 sogar nie wirklich aus dem Krisenmodus herausgekommen. Zeit für eine Zwischenbilanz. Hier mit dem Bürgermeister von Bad Wiessee, Robert Kühn (38, SPD)

Herr Kühn, was war Ihr schönster Termin in diesem ungewöhnlichen ersten Jahr als Bürgermeister?

Robert Kühn: Es ist nicht ein einzelner großer Termin, an den ich mich gerne zurückerinnere, sondern es sind viele schöne Momentaufnahmen. Wenn ich zum Beispiel die Geschenke und Geburtstaler an die Familien unserer Neugeborenen verteile. Die kann ich derzeit wegen Corona ja nur einzeln besuchen. Und ich erinnere mich gerne an die Besichtigung des Baustadels der Wasserwacht Bad Wiessee, der ja erneuert werden soll. Nach dem Termin bin ich kurzerhand in den See gesprungen.

Was hat Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit am meisten überrascht?

Robert Kühn: Ich habe vor allem darüber gestaunt, wie hocheffizient und zielführend unsere Verwaltung im Rathaus arbeitet. Trotz der vielen komplexen Themen bringen die Mitarbeiter alle Vorgänge schnell voran – das fängt beim Bauamt an und hört bei der Geschäftsleitung auf.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich eingelebt hatten?

Robert Kühn: Ich hatte eigentlich keine Chance, mich wirklich einzuarbeiten. Als Bürgermeister sitzt du vom ersten Tag an auf diesem Stuhl und musst funktionieren. Das ist komisch: Wenn ich früher meine Arbeitsstelle gewechselt habe, hat es schon bis zu drei Monate gedauert, bis ich mich wirklich eingelebt hatte. Im Amt des Bürgermeisters gab es dagegen überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten. Dabei hatte ich vorher keine Ahnung, was sich im Bürgermeister-Zimmer abspielt.

Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit dreht sich um die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen?

Robert Kühn: Das ist schwer zu beantworten. Eigentlich sind ja alle meine Arbeitsbereiche von Corona berührt – sei es, wenn ich die Gastgeber im Ort besuche, oder wenn ich mich mit Projekten wie dem Badepark beschäftige. Immer spielt die Pandemie eine gewisse Rolle.

Welches Einzelprojekt haben Sie am meisten vorangebracht?

Robert Kühn: Wir haben nicht ein einzelnes, sondern mehrere bereits vom alten Gemeinderat angestoßene Projekte weiter verfolgt und vorangetrieben. Relativ schnell haben wir zum Beispiel das Projekt Badepark mit einem Bürgerentscheid angepackt. Auch bei der geplanten Erweiterung von Kindergarten und Krippe ging es vorwärts, und wir haben gleich die größere Variante gewählt. Das freut mich sehr.

Die Stimmung im Wiesseer Gemeinderat hat sich seit Ihrem Amtsantritt ja grundlegend gewandelt: von hochemotional und aggressiv hin zu konstruktiv. Was glauben Sie: Kann diese neue Atmosphäre von Dauer sein?

Robert Kühn: Ja, davon bin ich überzeugt. Alle im Gemeinderat haben den festen Willen dazu. Jetzt macht die Arbeit im Gremium auch wieder Spaß. Am Anfang haben wir uns noch misstrauisch beäugt – ich wusste ja nicht, wie der Flori und der Johannes (die beiden anderen Bürgermeister-Kandidaten Florian Sareiter, CSU, und Johannes von Miller, Grüne, Anm.d.Red.) reagieren werden. Aber im Sommer saßen wir bereits alle nach den Sitzungen am Stammtisch und haben zusammen ein Bier getrunken. Die Bürger Bad Wiessees hätten auch kein Verständnis dafür gehabt, wenn wir weitergemacht hätten wir vor der Wahl. Die Wiesseer wollen schließlich stolz sein auf ihren Ort und auch auf ihren Gemeinderat.

Lesen Sie hier das Interview mit dem Fischbachauer Bürgermeister Johannes Lohwasser.

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