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An dem Gebäude in der Münchner Straße 31 in Bad Wiessee wird auch ohne Genehmigung munter an- und umgebaut.

Ausschuss erteilt neuem Antrag eine klare Absage

Zorn über Wiesseer Schwarzbau: Eine „Unanständigkeit hoch drei“

Seit Monaten schlagen sich die Behörden mit einem Schwarzbau in der Münchner Straße in Bad Wiessee herum. Jetzt versuchte der Eigentümer noch einmal, den Abriss zu umgehen. Ohne Erfolg.

Bad Wiessee – „Das ist eine wundervolle Baumaßnahme, die einen schon so lange beschäftigt, dass es nicht mehr lustig ist.“ Mit diesen sarkastischen Worten umschrieb Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses ein Vorhaben, mit dem sich das Gremium schon mehrfach befassen musste. Dem Versuch des Eigentümers, Schwarzbauten am und im Anwesen Münchner Straße 31 nachträglich zu legalisieren, erteilten die Gemeinderäte aber einhellig eine Abfuhr.

Das Gebäude hatte 2017 den Besitzer gewechselt. Der neue Eigentümer, das Münchner Unternehmen AFH-Group, nahm an dem Gebäude wiederholt Veränderungen vor, ohne die erforderliche Genehmigung der Umbaumaßnahmen abzuwarten. So wurde vor der – mittlerweile geschlossenen – Pizzeria im Erdgeschoss ein verglaster Anbau errichtet, ein Bauantrag aber erst eingereicht, als der Schwarzbau moniert wurde.

Lesen Sie hier: Wiesseer Schwarzbau: Landratsamt verhängt zum zweiten Mal Baustopp

Auch eine Außentreppe wurde ohne Antrag angebaut. Im Inneren des Hauses wurden genehmigungspflichtige Deckendurchbrüche und Veränderungen an der Statik vorgenommen, die als „Sanierungsmaßnahmen“ deklariert wurden. Die Angelegenheit hatte erheblichen Unmut im Gemeinderat hervorgerufen, von „Immobilien-Cowboys“ und „Wildwest-Manier“ war die Rede gewesen. Das Landratsamt Miesbach hat mittlerweile die Beseitigung des Anbaus angeordnet.

Nun versuchte der Eigentümer nochmals, sich gegen die Gemeinde und den abschlägigen Bescheid des Landratsamts zu wehren, das einen Katalog mit Änderungsvorgaben vorgelegt und auf die Ortsgestaltungssatzung der Gemeinde verwiesen hatte. Das Unternehmen stellte einen erneuten Bauantrag, in dem der Anbau diesmal als „überdachte Terrasse“ benannt wird – wohl auch, um das Problem der vorgegebenen Zahl von Stellplätzen zu umgehen. Außerdem soll laut Bauantrag die im Kellergeschoss befindliche Gaststätte in zwei Räume unterteilt werden und eine weitere Kelleraußentreppe entstehen.

Der Antrag auf „rückwirkende“ Genehmigung bereits ausgeführter baulicher Veränderungen kommt buchstäblich in letzter Minute: Ende Juli endet die vom Landratsamt gesetzte Frist zum Rückbau der Schwarzbauten. Ob der Besitzer der Beseitigungsanordnung Folge leisten wird, bleibt fraglich. Ein von der Behörde verhängter Baustopp wurde zwar im wahrsten Sinne des Wortes nach außen hin akzeptiert, die Außenarbeiten eingestellt. Im Inneren des Hauses indes laufen die Arbeiten weiter, berichtete der Bauamtsleiter. „Ich empfehle, hier Strenge walten zu lassen“, riet Köckeis in dem „unendlichen Verfahren“.

Es sei schwer durchschaubar, was die neuen Besitzer letztlich vor hätten, meinte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Als „wirklich dreist“ bezeichnete Klaudia Martini (SPD) Verhalten und Vorgehensweise des Münchner Unternehmens. Sie pochte auf eine Entfernung durch das Landratsamt, sollte sich bis zum 31. Juli nichts tun.

Hier finden Sie den Artikel: Nach Ärger mit neuem Hauseigentümer: Pizzeria-Betreiber kapitulieren

Hier herrschte fraktionsübergreifende Einigkeit. Kurt Sareiter (CSU) forderte eine „konsequente Überwachung“ der Vorgänge durch das Landratsamt. Und der Fraktionssprecher des Wiesseer Blocks, Fritz Niedermaier, sagte: „Ich weiß nicht, ob ich narrisch sein soll auf sie, oder ob ich sie bewundern soll: Jeder andere Wiesseer, der baut und sich an die Vorgaben hält, schüttelt doch da nur noch den Kopf.“ Als „Unanständigkeit hoch drei“ bezeichnete Markus Trinkl (Wiesseer Block) die Angelegenheit. Dementsprechend fiel schließlich der Beschluss aus: Einstimmig wurde der gesamte Antrag abgelehnt.

Stefan Gernböck

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