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Robert Huber freut sich über die Wahl von Robert Kühn.

Kommunalwahl 2020 

Ein SPD-Bürgermeister für Bad Wiessee:  Robert Kühn überrascht alle

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Die Genossen jubeln: ein SPD-Bürgermeister in Bad Wiessee. Dass Robert Kühn das Amt erobert hat, ist auch für Weggefährten eine Überraschung. 

Bad Wiessee – Als Genosse hat Robert Huber gelernt, tapfer zu sein. Für die SPD Mandate zu erobern, ist schwer, das hat er selbst schon schmerzhaft erlebt. Und jetzt das. Die SPD stellt den Bürgermeister von Bad Wiessee. Robert Kühn, der smarte Paradiesvogel, hat sich in der Stichwahl gegen den bodenständigen CSU-Mann Florian Sareiter durchgesetzt, wenn auch denkbar knapp. „Das ist eine Sensation für uns alle“, sagt Robert Huber. „Es ist ein Traum.“ Die Wahl Kühns sieht er auch als Bestätigung des Politikstils, den die örtliche SPD kreiert habe. Huber selbst war zur Wahl nicht mehr angetreten. Als Vizebürgermeister hatte er vor allem während der fast einjährigen Krankheitsphase von Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) viele Akzente gesetzt. Seine Freude über die Wahl Kühns könnte nicht größer sein: „Er ist der richtige Mann für Bad Wiessee.“

Kühner Auftritt hat überzeugt

Dabei hatten beim Start Kühns in den Wahlkampf auch die Genossen kaum an den Erfolg geglaubt. Entspricht er doch absolut nicht dem Bild, das man sich für gewöhnlich von einem oberbayerischen Bürgermeister macht. Kühn ist mit einem Mann verheiratet, trägt gern rote Socken zum Glitzerschuh und spricht glasklares Hochdeutsch. Dass er sich nie verbogen und nirgends angebiedert hat, hat Kühn nach Überzeugung Hubers zum Erfolg verholfen. „Er hat sich nie einen Trachtenjanker angezogen. Der hätte ihm auch nicht gepasst“, meint Huber. Vor allem bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung habe Kühn viele überzeugt.

Hoffnung auf Harmonie im Gemeinderat

Das glaubt auch Birgit Trinkl. Sie ist Sprecherin des Wiesseer Blocks, der – wie die Grünen – vor der Stichwahl eine Empfehlung für Kühn abgegeben hatte. „Er war bei der Podiumsdiskussion so klar. Da habe ich mir gedacht, er kann auch den Hut aufhaben“, meint sie. Dass Kühn sich am Ende tatsächlich durchgesetzt hat, freut sie sehr. Auf der anderen Seite verstehe sie die Enttäuschung des CSU-Kandidaten, der nur 19 Stimmen weniger erhalten hat. Sie hoffe, dass die CSU diese Enttäuschung hinter sich lassen könne und man am Ratstisch gut zusammenarbeite, meint Trinkl, die dem Gremium wieder angehören wird. Sie traue es Kühn zu, dass er Harmonie herstelle: „Er hat etwas Verbindendes.“ Allerdings müsse er sein Amt in einer sehr schwierigen Zeit beginnen.

Johannes von Miller erwartet neuen Politikstil 

Auch Johannes von Miller, der für die Grünen als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gegangen war, hatte sich vor der Stichwahl für Kühn stark gemacht. „Die Freude ist groß“, sagt er jetzt. Mit Kühn übernehme ein unverbrauchter Kopf: „Das steht für einen neuen Politikstil.“ Um den zu erreichen, sei auch er selbst angetreten, erklärt Miller. Er freue sich, dass die Wiesseer den Mut hatten, so zu wählen. Er sei sicher, dass Kühn, der keine Erfahrung als Gemeinderat hat, sich schnell einarbeiten werde.

Kühn selbst hat in der Nacht nach seiner Wahl gut geschlafen. „Wenn auch nur kurz“, wie er sagt. Dass er tatsächlich der neue Bürgermeister wird, hat ihn selbst überrascht. „Aber man tritt ja nur an, wenn man es auch werden will“, macht Kühn klar. Er freue sich über das Vertrauen der Bürger und auf seine Aufgabe. Die Führung seines Schuhgeschäfts im Wiesseer Zentrum wird er künftig ganz seinem Mann Thomas überlassen. Auch den Vorsitz des Gewerbeverbands Aktive Wiesseer will Kühn abgeben: „Ich werde mich voll und ganz auf mein Amt als Bürgermeister konzentrieren.“  

Lesen Sie auch: Sensation in Bad Wiessee

Alle Informationen zur Wahl im Ticker 

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