Erinnert sich gerne an die Zeit am Sonnenbichl und als Skifahrer zurück: Hermann Zill (88), hier mit einem Foto, auf dem er (r.) mit Franz Höß, Christel Maier und Sepp Gantner (v.l.) aus Bad Wiessee abgelichtet ist.
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Erinnert sich gerne an die Zeit am Sonnenbichl und als Skifahrer zurück: Hermann Zill (88), hier mit einem Foto, auf dem er (r.) mit Franz Höß, Christel Maier und Sepp Gantner (v.l.) aus Bad Wiessee abgelichtet ist.

Hermann Zill (88) hat viel zu erzählen

Ein Urgestein des Skisports am Tegernsee erinnert sich: „Mit dem Rad zum Rennen war normal“

  • Gerti Reichl
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Hermann Zill aus Bad Wiessee ist ein Urgestein des Skisports am Tegernsee. Der 88-Jährige erinnert sich gut an die Zeiten, als man noch Mütze statt Helm trug und mit dem Rad zum Skirennen fuhr.

Bad Wiessee – Viel hätte Hermann Zill zu erzählen. Er ist 88 geworden und kann auf ein langes Leben als leidenschaftlicher Skifahrer zurückblicken. „Meine letzte Skiabfahrt war mit 80“, sagt er stolz. „Ich fuhr die Kandahar-Abfahrt in Garmisch hinunter und wollte sehen, wie sich alles verändert hat.“

Seit er das erste Mal Brettl unter den Füßen hatte, hat sich der Skisport tatsächlich komplett gewandelt. Hautnah bekommt Zill die Veränderungen am Sonnenbichl in seiner Heimatgemeinde Bad Wiessee mit, wo er nach dem Krieg die ersten Versuche auf zwei Brettln machte. „Schon damals gab es dort eine Art Glühlampenbeleuchtung, die ausgerechnet mein Vater 1937 dort nach einer eigenen Idee montiert hat“, erzählt Zill. 1946 seien er und sein Freund Sepp Kalleder jeden Donnerstagabend zum Torlauftraining gekommen. Sieger der 1. Bayerischen Alpinen Nachkriegs-Meisterschaften, die aus einem Abfahrtslauf am Wallberg und einem Torlauf am Sonnenbichl bestanden, war dann aber ein anderer Wiesseer: Sepp Gantner.

Namhafte Rennläufer gaben sich am Tegernsee die Ehre

Die Namen anderer Wintersportler, die der seinerzeit im Winter dick verschneiten Region alle Ehre machten, hat Zill natürlich noch parat: „Gmund hatte eine eigene Sprungschanze und mit Schorsch Hofmann und Fritz Nestel erfolgreiche Skispringer und Langläufer. Tegernsee hatte die Skifahrerin Marianne Seltsam und schon damals eine Eisfläche auf der Schießstätte. Kreuth hatte die längste Langlauf-Loipe, eine Sprungschanze und obendrein einen Lift am Grünen Wasserl. Rottach-Egern machte mit Benni Obermüller und natürlich mit dem Wallberg und der Sutten von sich reden.“

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Gut in Erinnerung hat Zill die Abfahrtsläufe am Wallberg, die dem Sieger den Namen „Blitz vom Wallberg“ eintrugen. Fünf Minuten und 13 Sekunden betrug die Laufzeit, die am 9. März 1947 auf Zills Urkunde festgehalten ist. Es war nicht der Sieg, aber er war dabei. „Da hatte ich eine Anfahrt mit dem Fahrrad und einen Aufstieg von zwei bis drei Stunden zusätzlich in den Beinen.“ Etliche Jahre später wurde das Rennen nach einem tödlichen Unfall eingestellt.

Jede Woche, erinnert sich Hermann Zill, habe es damals ein Skirennen gegeben – am Hirschberg („Die Goldene Gams“), am Brauneck, am Blomberg und am Stolzenberg. „Wie wir dahin kamen? Mit dem Fahrrad!“, sagt Zill und erinnert sich besonders an den Winter 1948: „Wir fuhren mit den Skiern von Abwinkl über den zugefrorenen See nach Tegernsee, und dann weiter mit dem Zug, der um 6.10 Uhr losfuhr.“

Zweimal auf der legendären Streif: Einmal mit, einmal ohne Sturz

Die Sportler-Karriere des Wiesseers entwickelte sich weiter, und Hermann Zill stieg in die Herrenklasse und in den Nationalkader auf, wo er bis Ende 1955 an namhaften Rennen teilnahm – Kandahar (Garmisch-Partenkirchen), Streif (Kitzbühel), Ganserlhang (Kitzbühel) oder Lauberhorn (Schweiz). „Wenn ich jetzt sehe, wie sich die Rennläufer da heute runterstürzen, dann ist das schon verrückt“, sagt der 88-Jährige. Zweimal habe er an einem Rennen auf der Streif teilgenommen, „einmal hab ich’s ohne Sturz geschafft, einmal hat’s mich kurz vor dem Ziel erwischt“, erinnert er sich. An der damals noch von seiner Mutter selbst gestrickten Mütze, die er dabei trug, wird’s nicht gelegen haben. An Skihelme war damals noch nicht zu denken.

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Zurück zum Sonnenbichl: Er sei es gewesen, erzählt der Wiesseer, der dem damaligen Bürgermeister Paul Krones folgenden Vorschlag machen durfte: Krones solle doch nach Kitzbühel fahren und dort mit den Stars von Toni Sailer bis Ingemar Stenmark verhandeln, damit diese mitsamt der Ski-Elite zu den Nachttorläufen kommen. Die Stars kamen tatsächlich: Toni Sailer, Anderl Molterer, Willy Bogner, Rosi Mittermaier, Christian Neureuther, Jean-Claude Killy und Ernst Hinterseer. „Sie kamen drei Jahre lang für ein Trinkgeld“, erinnert sich Hermann Zill. Der Nachttorlauf, so ist der Chronik des Skiclubs Bad Wiessee zu entnehmen, etablierte sich und fand von 1955 bis Anfang 1970 regelmäßig statt. Auch die Weltcup-Rennen der Herren, 1982 und 1985, lockten die Prominenz auf und neben die Piste.

Hermann Zill half 1951 auch beim Bau der Wallbergbahn

Gut in Erinnerung ist ihm der Bau der Wallbergbahn im Jahr 1951. Weil Hermann Zill, der sich später mit einem Elektrogeschäft selbstständig machte, damals beim E-Werk Tegernsee arbeitete und vom Fach war, durfte er mithelfen: „Ich war als einziger schwindelfrei und durfte die Beleuchtung an den Masten montieren.“ Nicht nur als Sportler, sondern auch als Helfer am Sonnenbichl war Zill immer engagiert. „Es waren fast immer die gleichen Leute, die hingelangt haben.“ Zumindest daran hat sich bis heute nichts geändert.

gr

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