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Zogen eine gemischte Bilanz: (v.l.) Karl Schönbauer, Jakob Appoltshauser, Thomas Tomaschek und Michael Huber vom Arbeitskreis Energie und Klimatschutz im Tegernseer Tal.

Markus Wrba aus Kreuth legt seine Ämter nieder

Energie-Arbeitskreis: Zwischen Hoffnung und Frust

Seit zwei Jahren gibt es den Arbeitskreis Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK). Seine Mitglieder pendeln zwischen Hoffnung und Frustration. Markus Wrba aus Kreuth will seine Ämter als Energiebeauftragter niederlegen.

Bad Wiessee In einer nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung hatte die Mehrheit des Kreuther Gemeinderats gegen einen Energienutzungsplan für den Ort und damit zugleich gegen eine entsprechende Empfehlung von Bürgermeister Josef Bierschneider gestimmt. Die Strategie hätte die Gemeinde bis 2035 in eine Energieunabhängigkeit führen sollen. Mit dem Votum ist auch das Energiequartierkonzept für Weissach vom Tisch.

Markus Wrba, der in Kreuth für das Thema Energie zuständig ist, zeigte sich beim Bilanz-Gespräch im Wiesseer Rathaus enttäuscht: „Mein Amt und meine Arbeit sollen kein Alibi sein. Deshalb lege ich hier bei der ATTEK und auch im Arbeitskreis Energie der Gemeinde meine Ämter nieder.“ Wrba ist überzeugt davon, dass die Gemeinden die Impulse für die Energiewende setzen müssten, etwa indem sie Fotovoltaikanlagen oder Energiequartierspeicher fördern. Zusammengefasst: Kreuth saniert zwar die gemeindeeigenen Häuser energetisch und der Arbeitskreis Energie versucht, mit praktischen, leicht umsetzbaren Energiethemen die Bürger zu erreichen, doch ein Gesamtkonzept fehlt bislang.

Ein solches Konzept für den energetischen Dreisprung (Senkung des Energiebedarfs, Steigerung der Energieeffizienz und Ausbau der erneuerbaren Energien) fehle allerdings in allen Gemeinden – sowohl im Tegernseer Tal als auch landkreisweit, hieß es bei der ATTEK-Sitzung. Zudem gebe es keine aktuelle Erhebung, die den Ist-Zustand des Energieverbrauchs mit dem Soll-Zustand abgleiche, monierten die ATTEK-Mitglieder. „Wir sind ein Stachel im Fleisch der Gemeinden, die sich für die Energiewende bis 2035 und das integrierte Klimaschutzkonzept ausgesprochen haben“, sagte der Wiesseer Karl Schönbauer, Vorsitzender der ATTEK.

Der Arbeitskreis, in dem Vertreter aller Tal-Gemeinderäte sitzen, wurde vor zwei Jahren gegründet und legt seinen Fokus auf gemeindeübergreifenden Austausch und Synergien. „Wir haben auch den Auftrag, bei Bevölkerung und Politik das Bewusstsein für die Herausforderung ‚Klimawandel‘ stetig zu fördern und Feuer für die Sache zu entfachen“, erklärte Thomas Mandl aus Tegernsee.

Ihre Hoffnung, dass sich das Energie-Bewusstsein positiv verändert, machen die ATTEK-Mitglieder daran fest, dass Rottach-Egern, Tegernsee und auch Bad Wiessee einen kommunalen Energienutzungsplan beschlossen, aufs Gleis gesetzt oder bereits abgeschlossen haben.

Thomas Tomaschek aus Rottach-Egern: „Das Bewusstsein ist da. Wir brauchen nur noch einen positiven Dreh für das Umdenken.“ Sogar Gmund, das ohne Energiekonzept ein energetisch gut entwickeltes neues Gewerbegebiet vorweisen kann, will die beiden neuen Häuser für Mieter aus sozial schwächeren Verhältnissen mit einer PV-Anlage und einem Mieterstromkonzept ausstatten. „Aber in Gmund ist das Energiethema noch ein sehr kleines Kind, das noch viel Potenzial hat“, meinte Michael Huber, Referent für Energie und Klimaschutz.

Dass dieses Wachsen viel mit neuen Entwicklungsprojekten zu tun hat, beweist Bad Wiessee. „Dort könnte mit der Entwicklung des Heizkraftwerks für das Badepark-Areal ein Leuchtturm-Projekt entstehen“, sagte der Wiesseer Rolf Neresheimer.

Alexandra Korimorth

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