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Entrecôte statt Würstel: Aufregung um Alm am Tegernsee hält an - Plant Unternehmer Luxus-Einkehr?

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Von: Gerti Reichl, Gabi Werner

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Das Alm-Idyll im Wiesseer Söllbachtal wird derzeit zu einer Ausflugsgaststätte umgebaut.
Das Alm-Idyll im Wiesseer Söllbachtal wird derzeit zu einer Ausflugsgaststätte umgebaut. © Archiv Thomas Plettenberg

Noch in diesem Jahr soll im Wiesseer Söllbachtal die Saurüsselalm eröffnen. Eigentümer Franz Haslberger lässt derzeit umbauen. Doch die Maßnahme wird von Protesten und Misstrauen begleitet.

Bad Wiessee – Gegen eine schlichte Bewirtung von Wanderern, so stellt Angela Brogsitter-Finck klar, habe sie nichts einzuwenden. Doch was sich derzeit im Söllbachtal in Bad Wiessee abspielt, lässt die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) Schlimmes befürchten: Entsteht hier in sensibler Natur erneut ein Lokal für ausgesuchtes Publikum? Es wäre nicht das erste Mal in diesem Gebiet. Mit dem Bauern in der Au hat Eigentümer Franz Haslberger ja bereits ein Exempel statuiert. In jedem Fall sorgt der laufende Umbau der Saurüsselalm in eine Gaststätte nebst zugehörigem Wegebau weiterhin für reichlich Gesprächsstoff im Tal.

Forderung an Ministerien: Nutzungsänderung soll untersagt werden

„Wir wollen, dass sich die Leute und Wanderer selbst ein Bild machen“, sagt Brogsitter-Finck. Gemeinsam mit dem Verein zum Schutz der Bergwelt hat ihre SGT vergangene Woche einen Brandbrief an insgesamt drei Ministerien geschickt – und damit überregional für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch ein Fernsehteam des BR hat mittlerweile über die Wandlung der einst so stillen Alm in eine Gaststätte mit 240 Sitzplätzen und Tanzboden berichtet. Die Forderung an die Ministerien ist klar: Sie sollen prüfen, ob die Privilegierung an dieser Stelle rechtens ist, die Nutzungsänderung untersagen und dafür sorgen, dass die neue Straße zurückgebaut wird. Eine Antwort steht noch aus, die Prüfung aber läuft. Das Umweltministerium hat nach eigenen Angaben die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bereits um Stellungnahme gebeten.

Landratsamt: Alle Fachstellen an Genehmigungsverfahren beteiligt

Für die Behörden vor Ort gibt es an der Sachlage indes nichts zu rütteln. Auf die Frage, ob die Genehmigung der Saurüsselalm als Gaststätte innerhalb des Landratsamtes umstritten gewesen sei, antwortet Behörden-Sprecherin Sophie Stadler mit einem klaren Nein. Der Nachweis über die für das Bauvorhaben nötige Privilegierung komme in diesem Fall von der Gemeinde, das Landratsamt sei sodann verpflichtet, die Baugenehmigung zu erteilen, „sofern alle öffentlich-rechtlichen Vorschriften erfüllt werden“, erklärt Stadler. Im Falle der Saurüsselalm seien sämtliche Fachstellen im Landratsamt beteiligt und die geforderten Auflagen allesamt in die Baugenehmigung übernommen worden. Stadler: „Einwände gegen das Vorhaben insgesamt wurden aber von keiner Stelle erhoben.“

Bürgermeister Robert Kühne: „Wir stehen hinter der Saurüsselalm“

Auch Bürgermeister Robert Kühn (SPD) zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass Bad Wiessee mit der Genehmigung der Saurüsselalm aufs richtige Pferd gesetzt hat. „Die Gemeinde hat sich ganz klar positioniert und dies mehrheitlich so entschieden: Wir stehen hinter der Saurüsselalm.“ Tatsächlich hatte der Gemeinderat den Umbau der Alm in eine einfache Einkehr für Wanderer Anfang des Jahres mit nur zwei Gegenstimmen abgesegnet. Die Genehmigung wurde allerdings vertraglich an mehrere Bedingungen geknüpft. Darunter auch jene, dass die angebotenen Speisen und Getränke „überwiegend dem Charakter einer Almwirtschaft entsprechen“ und auch preislich so gestaltet werden sollen. Dass die künftigen Pächter Tanja und Martin Frühauf zwischenzeitlich davon sprachen, dass auf der Alm auf Wunsch auch ein Entrecôte serviert werde, ließ bei Kritikern wie Brogsitter-Finck alle Alarmglocken schrillen.

Harsche Kritik auch an Haslbergers Wegebau durchs Söllbachtal

Was den neuen Weg betrifft, den Haslberger im Söllbachtal teilweise durch den Schutzwald errichten ließ, so erneuert Kühn die Aussage seines Bauamts, dass es schon früher diesen Weg gegeben habe. Haslberger habe ihn lediglich erneuert. Die Schutzgemeinschaft und der Verein zum Schutz der Bergwelt beurteilen das komplett anders. Von dem ursprünglichen Fußweg an dieser Stelle sei längst nichts mehr erkennbar – „im Ergebnis handelt es sich also um einen Lkw-befahrbaren Neubau“.

Zwist mit Staatsforsten? Ruhende Brückenbauarbeiten werfen Fragen auf

Fragen wirft nach wie vor auch ein begonnenes Brückenbauwerk auf der Zuwegung zur neuen Saurüsselalm auf. Es geht das Gerücht um, dass Haslberger den Bau einstellen musste, weil Teile davon irrtümlich auf dem Grund der Staatsforsten errichtet worden seien. Bestätigen wollen das weder Gemeinde und Staatsforsten noch Haslbergers Anwalt. Forstbetriebsleiter Jörg Meyer verwies auf „laufende Verhandlungen“.

Lesen Sie hier: Staunen über Baustelle im Wiesseer Söllbachtal

Für Kühn steht fest: Die Schaffung der neuen Almwirtschaft sei für die Bevölkerung „eigentlich nur positiv“. „Alle erwarten die Eröffnung.“ Wie Haslberger-Anwalt Mathias Dürr erklärt, sei diese fest für dieses Jahr eingeplant.

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gab/gr

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