Erfolgsmoment: Werner Seibold (r.) bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal mit Goldmedaillengewinner Lammy Bassham und der Zweitplatzierten Margaret Murdock.

Wiesseer Sportschütze holte 1976 die Bronzemedaille

Erinnerungen an den Olympioniken Werner Seibold

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Bad Wiessee - Jubel aus Rio hallt dieser Tage an den Tegernsee. Es war der 21. Juli 1976, als der Wiesseer Sportschütze Werner Seibold in Montreal die Bronzemedaille gewann. Erinnerungen werden wach.

Der Jubel um die Goldmedaille der deutschen Sportschützin Barbara Engleder im Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr hallt in diesen Tagen von Rio bis an den Tegernsee: Es war der 21. Juli 1976, als der Wiesseer Werner Seibold in Montreal die Bronzemedaille in dieser Disziplin holte.

Immer dienstags treffen sich ehemalige Aktive der Schützengesellschaft Bad Wiessee zum Ratsch im Schützenstüberl an der Hagngasse. Franz Erlacher, der Schuhmachermeister, ist einer von ihnen.  Auch Hans Lärch, Seibolds früherer bester Spezi war schon dabei, ebenso Sepp Prestel, damals Zweiter Vorsitzender der SG. Zusammen mit Seibold bildeten die Vier damals die Top-Mannschaft im Verein. „Werner Seibold war unheimlich hartnäckig und ehrgeizig, hat stunden- und tagelang in der Schießhalle trainiert“, erinnert sich auch Kurt Saak (79), der ebenfalls aktiver Schütze war. Auch bei ihm flammen dieser Tage die Glücksmomente von 1976 wieder auf, als sich die Nachricht von der Bronze-Medaille verbreitete. 

Seibold war als „Mister Nobody“ nach Montreal gereist, „dass es die Bronze-Medaille wurde, hat uns total begeistert“, erinnert sich Saak. Dabei wäre es um ein Haar sogar Gold geworden: Nur um einen Ring hatte der damals 28-Jährige den Sieg verpasst, hatte nach dem Liegend- und Stehendwettbewerb noch geführt, war dann aber im Kniend-Schießen zurückgefallen und musste Platz 1 und 2 Lanny Bassham und Margaret Murdock (beide USA) überlassen. Egal: Seibold, der vor Beginn der Spiele 1972 in München noch die Olympia-Fackel durch Bad Wiessee getragen hatte, stand vier Jahre später selbst auf dem Treppchen. 

Empfang, ein Scheck und ein ordentlicher Schweinsbraten

Eine Heimat-Delegation holte den Medaillen-Gewinner mit dem Bus am damaligen Flughafen München-Riem ab. Dann ging’s zur Kapler Alm. Der damalige Wiesseer Bürgermeister Paul Krones, Gemeinderäte, Funktionäre, Vereinskollegen und Freunde organisierten dort ein erstes Fest. „Wir haben ausgiebig gefeiert“, erinnert sich Saak. Am 3. August, zwei Tage nach dem Ende der Spiele, folgte dann der triumphale Empfang in Bad Wiessee. „Medaillen-Gewinner steht wieder in der Küche“, titelte die Heimatzeitung. Küche deshalb, weil Seibold damals als Koch im elterlichen Hotel Edelweiß arbeitete und sich endlich wieder einem ordentlichen Schweinsbraten widmen konnte. Der Amateur-Status der Sportler ist längst Geschichte. Das Hotel Edelweiß inzwischen ebenso. Ein Vierspänner kutschierte den bärtigen Erfolgs-Schützen in seinem weißen Trainingsanzug durch den Ort, begleitet von Spielmannszug, Blasmusik, Fahnenabordnungen der Ortsvereine und vielen, vielen stolzen Bürgern. Schließlich brachte Seibold damals das erste Edelmetall bei olympischen Sommerspielen ins Tal – eine Ehre, die er bis heute hat. Dann gab’s noch einen Festakt in der Wandelhalle, wo Gemeindechef Krones einen Scheck überreichte mit den Worten: „Bis zu Olympia 1980 in Moskau soll unser Werner eine ganz neue Ausrüstung haben, mit gestickter Bundhose und allem, was dazu gehört.“ 

Er trat in der Bundledernen an

Seibold trat tatsächlich oft in der Bundledernen an, weiß Kurt Saak noch heute. „Er war hoid a varreckta Hund.“ In Folge gewann der Sportschütze mit Deutschland 1978 die Mannschafts-Weltmeisterschaft, sammelte zahlreiche Titel auf nationaler und internationaler Ebene, war 1984 erneut bei Olympia in Los Angeles dabei. „Seine Erfolge bescherten dem Verein einen Boom an Jugend-Nachwuchs“, erinnert sich Saak. Die Gemeinde machte Seibold später zum Ehrenbürger. 

Zielsicher wie er war, fand er nach seiner Karriere am Eisstockschießen Spaß, leitete die Eisstockabteilung des SC Bad Wiessee und war treibende Kraft beim Bau der Asphaltbahnen. Zudem war er leidenschaftlicher Segler und im Yachtclub engagiert. Ende November 2012 hörte Seibolds Sportlerherz auf zu schlagen. Es war sein zweites, um die Jahrtausendwende hatte er sich einer Transplantation unterziehen müssen. Er wurde nur 64 Jahre alt. 

Im Schützenheim bewahrt der Verein die Erinnerungen an den Medaillengewinner auf – Urkunden, Pokale, sogar die Olympia-Fackel ist dabei. Beim Ratsch und beim Kartenspielen ist Seibold im Geiste dabei. „Denn auch beim Schafkopfen“, erinnert sich Kurt Saak, „war der Werner ein ganz Großer."

gr

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