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Europäisches Naturerbe: Die Flyschberge über Wiessee.

So sollen sie in Zukunft erhalten werden

Europäisches Naturerbe: Die Flyschberge über Wiessee

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Bad Wiessee - Die bewaldeten Flyschberge bei Bad Wiessee zählen zu den wertvollsten Naturschätzen der Voralpen. Um sie als europäisches Naturerbe zu erhalten, hat der Freistaat einen Managementplan entworfen. 

Das Ziel ist hochgesteckt. „Es geht darum, Europas Naturerbe zu sichern“, erklärte Wiessees Bürgermeister Peter Höß. Als Hausherr saß er am Kopf des Runden Tisches im Rathaus. Eingeladen hatte jedoch Hans Feist als Gebietsbetreuer Natura 2000 beim Amt für Landwirtschaft Holzkirchen. In einer großen Expertenrunde mit Vertretern der mit dem Naturschutz befassten Behörden und Verbände sollte der Managementplan für das FFH-Gebiet Flyschberge bei Bad Wiessee diskutiert werden, bevor er schließlich umgesetzt wird.

Ihn zu erarbeiten, hat lange gedauert. Schließlich wurde das gesamte Gebiet untersucht und kartiert. Es handelt sich um 956 Hektar am Westufer des Tegernsees, westlich von Bad Wiessee. Die Bezeichnung „Flysch“ stammt übrigens aus der Schweiz und bezieht sich auf die Neigung des Gesteins, ins Rutschen zu kommen. 99 Prozent der Fläche ist mit Wald bedeckt. Einem Wald, der Botaniker ins Schwärmen bringt. So handelt es sich nach Aussage der Experten um das „größte und repräsentativste Vorkommen des Hainsimsen-Buchenwaldes im gesamten Alpenraum“. Das flächige Vorkommen der bodensauren Buchenwaldgesellschaft sei eine Besonderheit, machte Daniela Janker vom Ebersberger Kartierteam des Freistaats deutlich. Sie erläuterte die Flora im Detail. Da gibt es Schlucht-Hangmischwald, Waldmeister-Buchenwald, Weichholz-Auwälder und etwas Moorwald, dazu artenreichen Borstgrasrasen. Alles Schätze, die nicht verschwinden sollen. Es gelte das Verschlechterungsverbot, erläuterte Gebietsbetreuer Feist. Heißt: Es darf sich dort für die Natur nichts verschlechtern.

Das FFH-Gebiet umfasst insgesamt 956 Hektar und besteht zu 99 Prozent aus Wald.

Um das zu gewährleisten, hat der Freistaat einen Managementplan für die Bewirtschaftung und Pflege entwickelt. Der ist im betroffenen Gebiet gut durchsetzbar: Es gehört zu 100 Prozent den bayerischen Staatsforsten, also dem Freistaat selbst. Privatbesitzer sind nicht betroffen. Sie wären auch nicht verpflichtet, sich an den Plan zu halten. Anders als die Behörde, die nach den Vorgaben wirtschaften müssen.

Das stellt für Stephan Breit, Stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Schliersee, aber auch kein Problem dar. Schließlich ist keine Kehrtwende nötig: Der Zustand des Waldes ist top. Der Managementplan sieht nur wenige Verbesserungsvorschläge vor. Zum Beispiel in Sachen Biotop-Bäume. Aber wann wird ein Baum zum Biotop? „Zum Beispiel, wenn sich dort ein Specht eine Höhle baut“, erklärt Feist. Meist handelt es sich um alte Bäume, die dann nicht gefällt werden sollen. Überhaupt wünschen sich die Ersteller des Managementplans einen Wald, der vom Jungbaum bis zum uralten Riesen alle Entwicklungsstadien enthält. „Im Moment sind die Bäume dort fast alle um die 100 Jahre alt“, meint Breit. Es sei für ihn keine Frage, dass ein Biotop-Baum stehen bleibe.

Einwände gegen den Plan gab es nicht. Eine Debatte entwickelte sich erst, als es um die Belastung des Gebiets durch die Aueralm ging. Sie liegt dicht am erfassten Gebiet, befindet sich aber in Privatbesitz. Wie berichtet, monierte Stefan Kramer vom Amt für Landwirtschaft Holzkirchen, dass die Alm mittwochs bis 23 Uhr geöffnet ist. Dann findet ein Stammtisch statt, weshalb Biker und Skitourengeher mit Stirnlampe die Hütte ansteuern und dabei das Wild aufschrecken. Die zunehmende Belastung durch Mountainbiker erhitzte die Gemüter. Selbst wenn man Strecken sperre: Kontrollen seien schwierig, meinte der Wiesseer Naturschutzwächter Klaus Altmann: „Da heißt’s nur: ,schleich di.’“ Für Manfred Burger, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, bleibt nur eines: Bei Missachtung von Geboten Geldstrafen zu kassieren: „Wir kommen nur zum Erfolg, wenn es etwas kostet.“

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