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Das Hotel Lederer war einst das erste Haus am Platze.

Richterin wird energisch

Ex-Hotelier: „Die hatten nur ein Ziel: mich kaputtzumachen“

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Dass alles dahin ist: Josef Lederer (79) kann es nicht glauben. Hoffnung hatte er auf einen Ortstermin des Verwaltungsgerichts gesetzt. Dort wurde  klar: Die Klage hat keine Aussicht auf Erfolg.

Bad Wiessee - Josef Lederer kann nicht mehr lange stehen. Die Sonne schmerzt ihn, er sitzt lieber im Schatten. Aber so sehr ihm Krankheit und Alter auch zusetzen: Seine Stimme donnert, sein Zorn lodert hell. Und das Wort, das lässt er sich nicht verbieten. Auch nicht von der Vorsitzenden Richterin des Bayerischen Verwaltungsgerichts München. Mit einem ganzen Tross ist Prozessleiterin Cornelia Dürig-Friedl nach Bad Wiessee gekommen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Da steht sie nun im Innenhof eines gespenstischen Hotel-Komplexes, begleitet von Vertretern des Freistaates, des Landratsamtes und der Gemeinde. Ihnen gegenüber: Ex-Hotelier Lederer, der inzwischen ganz allein in seiner ehemaligen Wohnung haust. Er harrt aus in der Ruine, die der neue Eigentümer Thomas Strüngmann im Herbst endlich abreißen will. Und er brennt auf die Chance, noch einmal einem Gericht zu schildern, was ihm widerfahren ist. „Die ganzen Herrschaften hier hatten nur ein Ziel: mich kaputtzumachen“, schleudert Lederer der Richterin mit einem Seitenblick auf Bürgermeister Peter Höß entgegen.

Das Verwaltungsgericht beim Ortstermin.

Die Vorsitzende wiederum hatte zuvor klar gemacht, dass es bei diesem Ortstermin nicht ums große Ganze geht. Nicht um ein verlorenes Lebenswerk und nicht um Befindlichkeiten. Sondern um eine Klage, die ins Jahr 2007 zurückreicht. Wie berichtet, wollte Lederer in einem Nebengebäude 17 Appartements einrichten, um sein Hotel vor dem Ruin zu retten. Gemeinde und Landratsamt versagten ihm die Genehmigung, dagegen wollte sich Lederer vor dem Verwaltungsgericht wehren. Doch er focht den Kampf nicht durch. Seit dem 18. April 2008 ruhte das Verfahren. „Vereinbart war, dass Sie sich melden“, erinnerte Dürig-Friedl. Das tat Lederer Ende 2016. Da hatte er sein Hotel mitsamt allen Nebengebäuden und Grünflächen längst verkauft. Aber er wollte festgestellt wissen, dass ihm die Teilungsgenehmigung zu Unrecht verweigert wurde. Diese Feststellung sollte das Fundament einer Schadenersatzklage werden.

Eine solche hat Lederer schon früher angestrebt. Doch vor dem Landgericht München und auch vor dem Oberlandesgericht scheiterte sein Antrag auf Prozesskostenhilfe. Begründung: Es besteht keine Aussicht auf Erfolg. Drei Millionen Euro wollte Lederer von der Gemeinde Bad Wiessee und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee haben. Das ist die Differenz zwischen den 6,2 Millionen Euro, die Lederer 2011 für sein Hotel bekommen hat und der Summe, die er seiner Meinung nach hätte erzielen können: 9,2 Millionen Euro. Lederer sieht sich als Opfer einer Verschwörung der Gemeinde und der Kreissparkasse gegen ihn, den Eigentümer eines Hotels, das einst zu den besten Adressen am Tegernsee zählte. Gemeinsam hätten Bank und Kommune alles daran gesetzt, seinen Familienbesitz dem Unternehmer Strüngmann günstig zuzuschustern. Und der darf nun auch noch das, was Lederer versagt blieb: Wohnungen bauen. „Weil man als Milliardär ja eine Querfinanzierung braucht“, sagt der Ex-Hotelier bitter. All das will Lederer noch einmal vor Gericht bringen. „Ich hätte nichts dagegen, wenn die Staatsanwaltschaft da mal reinstieren möchte“, lässt er Dürig-Friedl wissen.

Lederer wird laut, die Richterin energisch. Sie macht Lederer klar: Die Klage gegen die nicht erteilte Teilungsgenehmigung ist hinfällig, weil ihm das Grundstück seit 2011 nicht mehr gehört. Nachdem ein Amtshaftungsprozess keine Aussicht auf Erfolg hätte, besteht auch kein Grund, das Verfahren dennoch durchzuführen. Und zuletzt: Dank der Fremdenverkehrssatzung bestand auch kein Anspruch auf die Teilungsgenehmigung. „Die Klage ist ablehnungsreif“, meint Dürig-Friedl.

Hotel Lederer in Bad Wiessee - Fotos

Sie empfiehlt, die Klage zurückzuziehen. Für diesen Fall sichert Bürgermeister Höß zu, auf einen Kostenantrag zu verzichten. Aber zu den Angriffen Lederers auf ihn will Höß schon etwas sagen: Anders als behauptet, habe er damals die von Lederer kontaktierten Investoren nicht verschreckt, sondern lediglich dargelegt, dass das verwaiste Hotel wegen der Brandschutzauflagen und der Hochwassergefahr in der jetzigen Form nicht mehr öffnen könne. Tiefer steigt Höß in die Vorwürfe nicht ein. Er will den Streit beenden und auch dieses Verfahren. Zieht Lederer seine Klage zurück, übernimmt die Gemeinde ihre Anwaltskosten selbst. „Ein Gnadenakt mit Rücksicht auf das Alter und die Gesundheit des Klägers“, macht die Richterin klar.

Aber von einem Gnadenakt will Lederer nichts wissen. Und erst recht nichts von einem Rückzug. „Gschnappig“ sei die Richterin und offenbar befangen. Der Justizministerin werde er schreiben, um sich zu beschweren.

Dürig-Friedl atmet tief durch. Sie hält sich an den Beistand, den Lederer sich kurzfristig zum Termin geholt hatte. Ein sehr naher Verwandter, der nicht mit Namen genannt werden will, aber Rechtsanwalt ist. Er reicht Schriftsätze ein, legt sich ins Zeug, kann den alten Hotelier aber nicht bremsen.

Schließlich baut Dürig-Friedl eine goldene Brücke: Der Beistand hat eine Woche Zeit, als Lederers Vertreter die Klage zurückzuziehen. In diesem Fall greift die Zusage der Gemeinde, auf Kostenerstattung zu verzichten. Sollte Lederer die Klage aufrecht erhalten, lässt die Richterin durchblicken, „wird das schweineteuer“.

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