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Wenn sich Radler und Fußgänger den Weg am Wiesseer Ufer teilen müssen, kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen. Viele Gemeinderäte hadern daher mit der Freigabe der Seepromenade für Fahrradfahrer.

Nach dem Gemeinderats-Beschluss vom Juni

Radler an der Seepromenade: Gemeinde hat sie erlaubt - viele ärgern sich

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Das Radeln an der Wiesseer Seepromenade bleibt ein Reizthema. Im Juni hatte der Gemeinderat entschieden, das Radverbot zu kippen – doch viele hadern mit dem Beschluss.

Bad Wiessee – Die Entscheidung, die diesen Sommer fiel, war höchst umstritten. Nach hitziger Debatte und auf Initiative von Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) hin rang sich der Wiesseer Gemeinderat mit 9:6 Stimmen dazu durch, das Radfahren künftig an der gesamten Seepromenade zu erlauben. Entsprechende Zusatzschilder mit dem Radfahrer-frei-Symbol wurden in Auftrag gegeben. Mittlerweile sind einige Monate vergangen – und die Situation an der Seepromenade ist konfliktbeladen wie eh und je.

„Für mich ist das nach wie vor eine Schnapsidee“, zürnt CSU-Gemeinderätin Ingrid Versen, die sich schon bei besagter Sitzung vehement gegen das Radeln an der Promenade ausgesprochen hatte. Etliche Beschwerden von Gästen seien ihr seither zu Ohren gekommen. Die fänden es „absolut unmöglich“, dass Bad Wiessee seinen letzten Fußgängerbereich aufgegeben habe. Das Radeln dort habe nun weiter zugenommen, „ganze Rudel“ kämen zeitweise an ihrem Haus in Abwinkl vorbei und würden die Fußgänger verschrecken.

Ähnliche Erfahrungen hat Versens SPD-Kollegin Klaudia Martini gemacht, ebenfalls eine strikte Gegnerin der Radl-Freigabe. Seit dem Gemeinderatsbeschluss seien die Fahrradfahrer an der Seepromenade tatsächlich mehr geworden, sagt Martini. Auch sie findet weiterhin: „Die Seepromenade ist kein Fahrradweg – das geht einfach nicht.“ Nutzungskonflikte seien programmiert, zumal am See Kliniken ansässig seien und daher auch Spaziergänger mit Stock des Weges kämen. Die SPD-Gemeinderätin kann sich durchaus vorstellen, das Thema im Frühjahr kommenden Jahres noch einmal im Wiesseer Gremium aufs Tapet zu bringen.

Dass der Beschluss auf den Prüfstand gehört, findet auch CSU-Fraktionssprecher Kurt Sareiter. Er sei beinahe jeden Tag mit seinem Hund an der Seepromenade unterwegs. Was er dabei erlebe, sei wenig erbaulich. „Da werden Familien und ältere Leute auseinander geklingelt. Das ist eher schlimmer geworden.“

„Radfahrer-frei“-Schilder stehen noch gar nicht

An den „Radfahrer-frei“-Zusatzschildern kann die Zunahme des Fahrradverkehrs an der Seepromenade allerdings nicht liegen. Die wurden nämlich noch gar nicht installiert, wie Klaus Schuschke vom Ordnungsamt mitteilt. Demnach sei das Radeln am Ufer – trotz des Gemeinderats-Beschlusses vom Juni – offiziell noch gar nicht erlaubt.

Doch warum dieser Verzögerung bei der Beschilderung? Im Rathaus wollte man mit der Freigabe abwarten, bis noch ein Schwung weiterer Schilder gefertigt ist, erklärt Schuschke. Diese Schilder wiederum sind nicht für die Seepromenade gedacht, sondern sollen den eigentlichen Radweg durch den Ort Bad Wiessee noch besser kennzeichnen. „Wir wollen den ortsunkundigen Radfahrer, der nur von A nach B möchte, nach Möglichkeit von der Seepromenade wegleiten“, erläutert Bürgermeister Höß das Ziel. Die Radweg-Schilder, die jeweils an den möglichen Abzweigungen zum See platziert werden sollen und den Radler geradeaus entlang der Straße weiterleiten sollen, zeigen neben dem Radsymbol auch die Entfernung zum nächsten Ort.

Es bleibt bei der Freigabe, aber....

Also doch wieder eine Abkehr vom Radeln an der Seepromenade? Zunächst, sagt Höß, solle es bei der grundsätzlichen Erlaubnis bleiben. Allerdings räumt der Rathaus-Chef ein, dass der Gemeinderat möglicherweise noch einmal nachjustieren müsse. „Die Dinge ändern sich immer wieder, man muss sich daher schon fragen, ob man mit seinem Beschluss noch richtig liegt“, meint Höß. Konkret spielt er dabei auch auf die Zunahme der E-Bikes an. „Die kommen mit einem ganz anderen Tempo daher“, sagt er. Ob die an der Seepromenade richtig aufgehoben sind, sei fraglich. Ziel der Gemeinde sei es jedenfalls, so Höß, die Radler am See „reduziert zu halten“.

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