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Familiendrama wegen Nacktfotos endet mit Verurteilung vor Gericht

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Gerichtshammer auf einem Schreibtisch.
Weil der die Wahrheit aus seiner Freundin herausschütteln wollte, muss ein 57-Jähriger nun eine Geldstrafe zahlen. © dpa / Uli Deck

Vor dem Miesbacher Amtsgericht hat sich ein 57-Jähriger wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten müssen. Er hatte seine Lebensgefährtin misshandelt.

Miesbach/Bad Wiessee – Weil er sich hintergangen fühlte, hat ein 57-Jähriger seine Lebensgefährtin grob angefasst und ist nun vor dem Miesbacher Amtsgericht gelandet. Der Mann muss eine Geldstrafe zahlen.

Auf dem Handy seiner Ex-Partnerin fand der heute in Buxtehude lebende Mann im August 2019 Nacktfotos. Sie zeigten die Frau und waren an einen anderen Mann verschickt worden. Als der 57-Jährige der Sache auf den Grund ging und die 32-Jährige mit Fragen löcherte, aber keine Antwort erhielt, brannten bei ihm die Sicherungen durch. Er soll sie in der damals gemeinsamen Wohnung in Bad Wiessee geschlagen und gewürgt haben.

Diese Vorwürfe stellte der Angeklagte aber gleich zu Prozessauftakt in Abrede. „Ja, wir hatten ein Streitgespräch“, räumte er ein. Er sei auch „grob gewesen“ und habe sie an den Handgelenken sowie am Kopf festgehalten. „Aber ich habe sie weder geschlagen noch gewürgt.“ Es habe ihn einfach sehr wütend gemacht, dass seine Lebensgefährtin augenscheinlich ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte. Der Adressat der Bilder war auf dem Handy aber nicht zu erkennen. „Ich wollte die Wahrheit wissen, aber von ihr kam einfach keine Antwort“, sagte der Mann noch immer sichtlich erzürnt. Er habe diese schwere Enttäuschung „nicht einfach so hinnehmen“ wollen. Die Beziehung mit der Frau – neun Jahre dauerte sie, zwei gemeinsame Kinder hat das vormalige Paar – sei für ihn beendet gewesen.

Wie es vor Gericht hieß, soll die 32-Jährige die Bilder an einen Tankwart verschickt, ja mit diesem ein Verhältnis gehabt haben. Letzterer war bei dem 57-Jährigen – er besaß damals eine Tankstelle im Tölzer Umland – angestellt. Dass es sich bei ihrem Geliebten um besagten Tankwart handelte, bestätigte die 32-Jährige vor Gericht nicht. Dennoch gab sie zu: „Er hat auf meinem Handy Fotos gesehen, die er nicht hätte sehen sollen.“

Ihr Ex habe sie daraufhin „in die Küche geschleift, mich auf den Balkon gesperrt, an meinen Handgelenken und Oberschenkeln zugedrückt, mir die Schlafdecke weggerissen, meine Finger und Zehen umgebogen, mich gegen den Tisch gedrückt sowie am Hals festgehalten“. Gezielt geschlagen oder gewürgt habe der Angeklagte sie nicht, blaue Flecken trug sie aber durchaus davon. Allerdings sagte die Zeugin auch: „Ich bekomme leicht blaue Flecken.“

Heute verstehen sich die beiden – hauptsächlich wegen der gemeinsamen Kinder – wieder halbwegs gut. „Wir kochen zusammen und machen auch gemeinsame Ausflüge“, erzählte der Angeklagte. Beide leben mittlerweile in Buxtehude, „ebenfalls wegen der Kinder“. Als Straftäter ist der Ex-Wiesseer nicht bekannt, hat auch keinen Eintrag im Bundeszentralregister.

Für die Staatsanwaltschaft stand dennoch fest, dass sich der 57-Jährige einer vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. „Zum einen wegen der Zeugenaussage und zum anderen wegen der blauen Flecken“, resümierte der Staatsanwalt und plädierte auf eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 25 Euro. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger zur Verhandlung erschienen war, bat darum, das Verfahren einzustellen. Eine Geldstrafe gab es von Amtsrichter Walter Leitner aber trotzdem. Die Höhe setzte er auf 20 Euro fest.

Bei seiner Urteilsbegründung erkannte Leitner zwar, „dass Sie sich betrogen und hintergangen gefühlt haben“. Dennoch hegte er keinen Zweifel, „dass Sie fest zugepackt haben, um die Wahrheit aus ihr herauszuschütteln“. Dies sei eben eine vorsätzliche Körperverletzung.

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