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Schönes Stimmung: Blick vom oberen Söllbachtal auf den Baumgartenschneid. Wenn es nach den Jägern geht, sollte man allerdings längst daheim sein.

Förster: Aueralm soll schon nachmittags schließen

“Fast perverser Vorgang“: Jäger über abendliche Almbesucher

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Bad Wiessee - Mittwochabend ist Stammtisch auf der Aueralm. Es kommen Biker, Wanderer und Skitourengeher, die Stimmung ist legendär. Doch angeblich vertreiben die Gäste das Wild.

Eigentlich ging’s um den Managementplan fürs FFH-Gebiet Flyschberge bei Bad Wiessee (wir berichten noch). Um den zu besprechen, kamen am Mittwoch Vertreter von Behörden und Verbänden im Rathaus zusammen. Es war Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten des Amts für Landwirtschaft Holzkirchen, der die Belastung des Gebiets durch die Aueralm zum Thema machte. Dabei zielte er nicht auf die Tagesausflügler ab. Für ihn ist der abendliche Treff das große Problem. Immer mittwochs hat das kleine Berggasthaus bis 23 Uhr geöffnet. Dann tagt ein seit vielen Jahren etablierter Stammtisch, der viele Fans hat. Einheimische, aber auch Biker, Wanderer und Skitourengeher aus dem Umland kommen, um nach Feierabend eine Tour und das Miteinander am Berg zu genießen.

Revierförster Wolfgang Kuhn, seit 29 Jahren für das Gebiet zuständig, sprach von einem „fast perversen Vorgang“. Wenn er spät abends von der Jagd nach Haus fahre, rollten die Münchner Autos auf den Söllbach-Parkplatz. „Und dann geht es mit der Stirnlampe den Berg rauf.“ Viele starteten auch schon in Marienstein, so dass sie eine große Strecke quer durchs FFH-Gebiet bretterten. Die Routen sind aus seiner Sicht „Störachsen“, von denen es sechs oder sieben gebe. Die Belastung für Raufußhuhn, Reh, Hirsch, und Auerhahn durch die Nachtradler und ihr grelles Licht sei enorm. Das Wild werde in einer Ruhephase unerwartet aufgeschreckt, was viel Energie koste.

Um das zu unterbinden, gibt es für Kramer nur eine Lösung: „Die Alm muss halt schon nachmittags zusperren.“ Ein Vorschlag, der bei Wiessees Bürgermeister Peter Höß Unbehagen auslöste. „Dort keinen Abendbetrieb mehr zu haben, kann ich mir nicht vorstellen“, meinte Höß. Vielleicht gelinge es, andere Lösungen zu finden.

Warum Höß nicht gegen den Abendbetrieb angehen will, liegt auf der Hand. Der Mittwochtreff ist ungemein beliebt. Und nach der Schließung des Bauern in der Au hat Bad Wiessee nicht mehr viele Ausflugsziele am Berg zu bieten.

Der Nachtbetrieb, so führte Revierförster Kuhn an, passe aber ganz und gar nicht ins Konzept der Gemeinde Bad Wiessee, sanften Tourismus zu fördern. Und es gehe auch anders. Der Wirt der Buchsteinhütte etwa verzichte auf eine Öffnung am Abend.

Eine Lösung konnte am Runden Tisch nicht gefunden werden. Alois Fichtner junior, Eigentümer der Hütte, war der Einladung aus zeitlichen Gründen nicht gefolgt. Die Runde im Rathaus kam überein, dass gemeinsam mit ihm eine Lösung erarbeitet werden soll.

Auf Nachfrage unserer Zeitung zeigt sich: Fichtner ist von der Kritik nicht überrascht. Er wisse, dass der Abendbetrieb manchen störe. „Aber ohne den Stammtisch würde schon etwas fehlen“, findet Fichtner. Viele Gäste freuten sich die ganze Woche auf den Treff. Der ist auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig. „So eine Alm muss ja auch erhalten werden“, meint Fichtner. Im Übrigen könne er dem Wirt der Aueralm, Jens Kästner, auch keine Öffnungszeiten vorschreiben. Kästner selbst zeigt sich gesprächsbereit: „Wenn das Wild so sehr gestört wird, können wir schon über eine frühere Schließung reden.“

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