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Dieses Haus an der Sanktjohanserstraße hat die Feuerwehr geerbt. 

Geldregen sorgt für Auseinandersetzungen

Feuerwehr: Ein Millionen-Erbe und zwei Rücktritte

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Die Wiesseer Feuerwehr hat ein Haus geerbt. Andreas Kaiser als Vorsitzender des Feuerwehrvereins profitiert vom Vermächtnis auch persönlich. Es gab Auseinandersetzungen und jetzt ein Votum, das Kaiser den Rücken stärkt.

Bad WiesseeMaria Huber war vermögend, aber allein. Ihr gehörte das Mehrfamilienhaus Sanktjohanserstraße 22 in  Bad Wiessee. Eine der Wohnungen dort bewohnte sie lange selbst. Mit viel Liebe und Herzlichkeit betreute Stefanie Kaiser die Seniorin in deren vier Wänden. Huber bedankte sich mit einem Vermächtnis: Nach ihrem Tod sollten die junge Frau und ihre Familie die persönliche Habe von Huber erben. Noch großzügiger bedachte Huber die örtliche Feuerwehr: Sie erbt das Haus mitsamt dem 2500 Quadratmeter großem Grundstück.

Doch Steffi Kaiser starb 2013 im Alter von nur 37 Jahren an einem Krebsleiden. Ihr Ehemann Andreas blieb mit zwei minderjährigen Söhnen zurück. Andreas Kaiser ist auch Vorsitzender des Wiesseer Feuerwehrvereins. Der Verein kann sich jetzt über das gewaltige Vermächtnis Hubers freuen. Die Wiesseerin starb 2016 mit 85 Jahren. Die letzten Jahre lebte sie in einem Pflegeheim.

Und auch der Privatmann Kaiser mit seinen Söhnen erbt. Die persönliche Habe nämlich. Aber was ist darunter zu verstehen? Nur das Inventar der Wohnung oder auch das verbliebene Geld auf der Bank? Darum gab’s einige Auseinandersetzungen. Mancher meinte, ein Gericht sollte klären, ob die Familie Kaiser Anspruch auf das Barvermögen hat. Schriftführer Thomas Mattner zum Beispiel. Doch die Mehrheit entschied anders. Als Rechtsanwalt und Mediator wurde Anton Lentner hinzugezogen. Mattner legte sein Amt nieder, ebenso der zweite Kommandant Hubert Götschl.

Zur Hauptversammlung im Gasthof Königslinde erschienen beide nicht. Dort legte Rechtsanwalt Lentner die Situation dar. Der Zwist ums Barvermögen Hubers endet mit einem Kompromiss. Etwa ein Drittel der noch vorhandenen Barschaft geht an die Feuerwehr, der Rest an die Familie der verstorbenen Steffi Kaiser.

„Ich denke, dass dies dem Willen der Erblasserin entspricht“, meint Bürgermeister Peter Höß. Es sei der Wunsch der alten Dame gewesen, dass ihr verbliebenes Vermögen an die Kaisers gehe. Mit der jetzigen Regelung sei eine gute Lösung gefunden. „Man hätte natürlich auch vor Gericht streiten können, bis nichts mehr da ist“, merkte er an.

Kaiser selbst und das gesamte Vorstands-Team wollten bei der Versammlung Klarheit. Und schufen die mit einem scharfen Schnitt: Der Vorstand trat geschlossen zurück. Somit konnten die 64 anwesenden Wahlberechtigten geheim eine neue Mannschaft für die nächsten sechs Jahre wählen. Die Wahlleitung übernahm Gemeinde-Geschäftsführer Michael Herrmann. Das Ergebnis war ein Vertrauensbeweis für den Vorsitzenden: Andreas Kaiser wurde mit 53 Stimmen in seinem Amt bestätigt. Sein Stellvertreter Florian Rixner erhielt 59 Stimmen, Josef Schäffler als Kassier bekam 60 Stimmen. Für den zurückgetretenen Schriftführer Mattner rückt erstmals eine Frau ins Vorstandsteam: Kathi Eberl erhielt 52 Stimmen. Neuer Beisitzer ist Korbinian Herzinger. Kassenprüfer bleiben Hans Mereis und Sepp Prestel.

Der neue Vorstand hat dann auch zu entscheiden, was mit dem geerbten Haus geschieht. „Das hat einen schönen Wert“, meint Bürgermeister Höß. Er schätze ihn auf rund zwei Millionen Euro. Die Wohnungen in dem Haus sind vermietet. Die Einkünfte dürften der Wehr künftig in angenehmer Stetigkeit die Kasse füllen und dafür sorgen, dass diverse Anschaffungen getätigt werden können. „Das ist wie bei einer Stiftung. Die Feuerwehr wird so fortlaufend unterstützt“, meint Höß. Das sei sicher ganz im Sinn von Frau Huber: „Und sie wollte sicher nicht, dass sich die Feuerwehr zerstreitet.“

Offen blieb an diesem Abend die Frage, wer nach dem Rücktritt von Vize-Kommandant Götschl der neue Stellvertreter von Aktiven-Chef Christian Stiglmeier wird. Ab er es gibt schon einen Termin: Am 30. Mai trifft sich die Mannschaft, um einen neuen Zweiten Kommandanten zu wählen.

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