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Nie wieder Böllern am Tegernsee? Erste Gemeinde verankert Feuerwerks-Verbot in neuer Verordnung

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Von: Gabi Werner

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Bei den Seefesten – wie hier in Bad Wiessee – sorgen die Feuerwerke regelmäßig für Begeisterung. Dennoch sind sie für die Umwelt eine starke Belastung.
Bei den Seefesten – wie hier in Bad Wiessee – sorgen die Feuerwerke regelmäßig für Begeisterung. Dennoch sind sie für die Umwelt eine starke Belastung. © Der Tegernsee

Das Thema Feuerwerks-Verbot macht derzeit im Tegernseer Tal die Runde – und erreichte nun auch Bad Wiessee. Im dortigen Gemeinderat meldeten sich ein paar bekennende Fans von Feuerwerken zu Wort.

Bad Wiessee – Die Grünen im Tegernseer Tal wollen die Gunst der Stunde nutzen und haben sich zum Ziel gesetzt, dass in der zu überarbeitenden Landschaftsschutzgebietsverordnung Tegernsee und Umgebung ein Verbot von Feuerwerken verankert wird. Künftig müsste somit jedes Feuerwerk eigens vom Landratsamt genehmigt werden. Die Gemeinden Kreuth und Rottach-Egern haben dem bereits zugestimmt, die Stadt Tegernsee sucht darüber hinaus noch nach alternativen Wegen, um die Kracher und Böller verbannen zu können.

Grünen-Gemeinderat: „Feuerwerke passen nicht mehr in unsere Zeit“

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Bad Wiessee warb nun Grünen-Vertreter Karl Schönbauer für das Vorhaben seiner Partei. „Die privaten Feuerwerke sind inflationär – Corona hat bewiesen, dass es auch ohne geht“, sagte Schönbauer. Er verwies auf die großen Belastungen für die zum Teil ohnehin gefährdeten Tierarten und die Umwelt und befand: „Feuerwerke passen nicht mehr in unsere Zeit.“

Generelles Verbot geht CSU-Gemeinderat Florian Sareiter zu weit

CSU-Sprecher Florian Sareiter sah das anders und outete sich sogleich als „bekennender Feuerwerk-Fan“. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der privaten Feuerwerke bereits deutlich zurückgegangen, Gastronomen im Tal würden schon seit Längerem darauf verzichten, argumentierte Sareiter. Punktuell – etwa in sensiblen Gebieten – sei ein Verbot sicherlich sinnvoll. „Aber das Generelle geht mir zu weit“, meinte Sareiter. Zu den traditionellen Seefesten und auch an Silvester solle man den Menschen dieses Vergnügen nicht nehmen, forderte er.

Uneingeschränkte Zustimmung kam von Fraktions-Kollege Thomas Erler. Auch der wollte auf den Lichterzauber bei den Seefesten und zum Jahreswechsel nicht verzichten und erklärte: „Diese Feuerwerke sollten nicht ein Gnadenakt des Landratsamtes sein.“

Feuerwerk am Tegernsee: Für den Großteils des Gremiums überwiegen die Nachteile

Für die Mehrheit im Gremium aber überwogen die Nachteile, die das Abbrennen von Feuerwerken mit sich bringt. Während Kurt Sareiter (CSU) im Sinne des Tierwohls und des Umweltschutzes für ein generelles Verbot mit Ausnahmen plädierte, verwies Bernd Kuntze-Fechner (SPD) auf die große Verantwortung, die man gegenüber den Tieren habe. Stehe man nach einem Feuerwerk an der Promenade des Tegernsees, „kommt man sich vor wie in einem Kriegsgebiet“, sagte Kuntze-Fechner mit Blick auf die Feinstaubbelastung.

SPD-Gemeinderätin Martini: Erleben derzeit das größte Artensterben weltweit

Johannes von Miller (Grüne) stellte klar, dass man hier nicht über Sein oder Nicht-Sein der Feuerwerke entscheide. „Es wird Ausnahmen geben – wie die aussehen, entscheidet dann das Landratsamt.“ Es sei wichtig, an die Umwelt und die Gesundheit zu denken und deshalb nicht „so viel Gift und schädliche Stoffe in die Welt zu schicken“, appellierte von Miller. Und Klaudia Martini (SPD) fügte bei dieser hybriden Sitzung aus dem „Home-Office“ hinzu: Man erlebe derzeit das größte Artensterben weltweit. Die Tiere hätten wegen des Auslebens menschlicher Bedürfnisse – nicht nur bei den Feuerwerken, sondern auch beim Eindringen von Sportlern in die Natur – massiv zu leiden. Es sei deshalb an der Zeit, seinen Beitrag zu leisten, fand Martini. „Es geht um ein Gesamtpaket.“ Das Feuerwerks-Verbot sei dabei nur eine Maßnahme von vielen.

Mit 13:7 Stimmen sprach sich der Wiesseer Gemeinderat letztlich dafür aus, ein Verbot in der neuen Landschaftsschutz-Verordnung zu verankern. gab

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