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Imposant: Feuerwerk am Tegernsee.

Nach Seefest: Neue Debatte um Feuerwerke am Tegernsee

Initiative fordert erneut: Schluss mit der Knallerei

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Drei große Feuerwerke haben die Seefeste dem Tal beschert. Während viele Besucher begeistert sind, ist für Kritiker die Grenze längst überschritten. 

Tegernseer Tal Kaum hatte am Freitag um 22.35 Uhr beim Seefest in Bad Wiessee der letzte Feuerwerksböller gezündet, machte Sabine Anders (59) ihrem Unmut Luft. Mit dem Betreff „Blitzknallbomben allerorten“ tippte sie eine Wut-Mail und sendete sie an sämtliche Tal-Bürgermeister, die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), etliche Natur- und Tierschützer sowie Gleichgesinnte. Unzähligen Anwohnern, glaubt die Wiesseer Bürgerin, gehe die Böllerei, egal ob auf Seefesten oder privater Natur in Hotels „unglaublich auf die Nerven“. 

Während deutschlandweit aus Gründen wie Feinstaubbelastung, Lärm- und Tierschutz eine Debatte über das Verbot von Feuerwerken in Städten und Ortschaften hereingebrochen sei, dürfe im Tegernseer Tal weiterhin „in der von Ihnen, ach so gepriesenen Ökoregion, geballert und geböllert werden, bis der Arzt kommt. Macht doch nichts, wenn Wildtiere orientierungslos im Wald umherspringen, Vögel aus Schock gegen die Häuserwände fliegen und Haustiere ausbüxen“, formulierte Anders. „Hauptsache, das Geknalle bedient das nach Brot und Spielen hungernde Volk.“ Das Tegernseer Tal komme ihr wie ein autonomes Gebiet vor, welches seine eigenen Gesetze mache nach dem Motto: Was schert uns der Rest der Welt, wir bedienen das feierhungrige Volk nach wie vor.“ Damit nicht genug: Nach einem privaten Feuerwerk Samstagnacht über der Egerner Bucht legte Sabine Anders mit dem gleichen Betreff in einer zweiten E-Mail nach: „Mittlerweile bin ich mir sehr sicher, dass ich nicht in einer vermeintlichen Öko-Modell-Region lebe, sondern am Ballermann.“

Laute Feuerwerke am Tegernsee: Touristiker wollen sich Gedanken machen

Starker Tobak, der die Debatte um laute Feuerwerke wieder anheizen dürfte. Peter Rie, von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), der die Seefeste im Auftrag der Kommunen managt, ist überzeugt, dass die Mehrheit der Seefest-Besucher Feuerwerke in der bisherigen Form will. Auch bei der jüngsten Gesellschafter-Versammlung der TTT seien die Tal-Bürgermeister dahinter gestanden. „Trotzdem werden wir uns Gedanken machen für die Zukunft“, versichert Rie.

Wie könnte die aussehen? Eine Laser-Show à la Kreuth? Die südlichste Tal-Gemeinde hatte in Folge der Auszeichnung als Bergsteigerdorf beschlossen, künftig auf laute Knalleffekte zu verzichten. Den Jahreswechsel hatte sie stattdessen mit einer effektvollen Lichtshow gefeiert und dafür viel Beifall bekommen. „Vielleicht liegt die Zukunft auch in einer Kombination aus mehreren Varianten“, sagt Rie und bringt etwa eine Wasserleinwand mit Licht-Inszenierung ins Spiel. Auch könne überlegt werden, ob man zumindest den Einsatz der Groß-Kaliber weiter runterfahre. Zu bedenken sei, dass Alternativ-Feuerwerke teurer seien als herkömmliche Seefest-Knallerei, die jeweils einen „niedrigen vierstelligen Betrag“ verschlingt. Der Event-Manager hält es für denkbar, dass 2021, passend zum „Kulturjahr“ am Tegernsee, bereits eine andere Form der Feuerwerk durchgeführt wird.

Lesen Sie hier: Winter-Seefest ohne Knalleffekt

Das wäre dann ganz im Sinne einer Initiative, die seit gut vier Jahren gegen Feuerwerke kämpft – vor allem auch gegen private. Sabine Anders unterstützt diese Initiative, und daher hat sie im Namen aller genervten Bewohner die beiden E-Mails geschrieben. Sie bittet die Verantwortlichen, über Alternativen nachzudenken und sagt klipp und klar: „Wir haben das Gefeiere satt.“

gr

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