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Die Fischerei Tegernsee, hier der Leiter Christoph von Preysing, betreut das Aquadome.

Fischerei Tegernsee betreut das Aquadome in Bad Wiessee

Wie im richtigen Tegernsee

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In fünf Becken zeigt das Aquadome in Bad Wiessee, welche Fische sich im Tegernsee tummeln. Christoph von Preysing von der Fischerei Tegernsee erklärt, wie es funktioniert.

Bad Wiessee – Christoph von Preysing zieht die Hosenträger seiner Fischer-Gummi-Hose über seine breiten Schultern und öffnet die Glastür zum Aquadome. Schon fängt er mit den Erklärungen zu sprudeln an – wie der Champagner, den er von Donnerstag bis Sonntag im Fischerei-Bistro nebenan ausschenkt. Aber darum geht es nicht. Es geht um die fünf riesigen Aquarien, durch die 60 000 Liter original Tegernsee-Wasser laufen und in denen etwa 20 Fischarten leben, die sich auch im Tegernsee tummeln - vom Aal bis zum Eitel, von der Brachse bis zur Renke, vom Saibling bis zur Seeforelle.

Urlauber und Nachbarn beschweren sich über Bistro

Es ist dunkel hier und kalt, dezentes Licht simuliert die Atmosphäre, wie sie nur wenige Meter entfernt im Tegernsee herrscht. Im linken Becken, das die Uferzone darstellt, ziehen karpfenartige „Friedfische“ ihre Kreise und glänzen mit ihren Schuppen im künstlich nachgestellten Sonnenlicht. „Rund 120 Fische sind in diesem Becken“, erklärt von Preysing, um gleich auf die beiden etwa vier Jahre alten Hechte zu deuten, die im Becken nebenan, der „Freiwasserzone“, am Grund stehen. „Sie müssen alleine sein, weil sie sich sonst gegenseitig auffressen“, weiß der Fischer und kommt auf eine Problematik zu sprechen, wegen der sich immer wieder Besucher an ihn wenden: „Hechte müssen lebend gefüttert werden. Sie packen sich den Fisch und spucken ihn wieder aus. Daher liegen oft tote Fische am Boden.“

Becken Nummer drei ist das Renkenbecken mit etwa 50 Exemplaren. „Unproblematisch“, sagt von Preysing, „die werden mit Plankton gefüttert.“ Den etwa 50 Seeforellen gehört Becken Nummer vier. Warum das Wasser hier etwas trüber ist, begründet von Preysing so: „Die Fische werden mit Pellets gefüttert und produzieren dadurch mehr Kot. Wenn die Fische in Aktion sind, wühlen sie auch den Boden auf.“ Im fünften und letzten Becken rührt sich nichts – außer Schnecken, die an der Scheibe kleben. Dieses Becken wird momentan gereinigt und demnächst neu besetzt, heißt es auf einer Tafel, dazu der Hinweis, dass auch das Forellenbecken in den kommenden Tagen grundgereinigt werde. „Ein Großteil der 10 000 Liter im Becken wird abgelassen, aufgewühlt und abgesaugt“, erklärt von Preysing und stellt dar, welch großer Aufwand hier betrieben wird.

Aufgewühlte Becken im Aquadome: „Alles wie im richtigen See“

An drei von fünf Tagen ist meist Mitarbeiter Andi, der auch nebenan im Bistro tätig ist, mit der Reinigung beschäftigt. Das Auffüllen eines Beckens dauert einen Tag. Dabei bleiben die Fische im Becken. Weil die Männchen in der Laichzeit auch raufen, komme es zu Verwundungen und abgebissenen Rückenflossen. „Das ist eben Natur“, sagt der Fachmann, „wie im richtigen See.“ Aber das würde so mancher Besucher aus der Stadt eben nicht verstehen. Neulich, erzählt er, habe ihn eine Frau zwei Stunden lang angeschrien, weil der Hecht einen Fisch gefressen hatte. „Sie meinte, man solle den Hecht gefälligst mit Grünzeug füttern.“

Die Zusammenhänge im Aquadome sind komplex. 2005 wurde es als Touristen-Attraktion in Betrieb genommen, realisiert in Zusammenarbeit von der Kreissparkasse, dem Bezirk Oberbayern, der Gemeinde und dem Landesfischereiverband. 2009 kam das Bistro dazu, das die Fischerei Tegernsee 2014 übernahm. Seit einem Jahr ist sie alleine für das Aquadome zuständig. Zudem betreibt die Fischerei auch das benachbarte Bruthaus, das dem Bezirk Oberbayern gehört.Von hier stammen Millionen kleiner Fische, die in bayerischen Seen ausgesetzt werden.

Aquadome Bad Wiessee: Besucher spricht von Tierquälerei

Zurück zum Aquarium: Wurde hier anfangs noch Grundwasser in die Becken gepumpt, so werden diese seit 2017 mit reinem Seewasser aus fünf bis sechs Metern Tiefe gespeist. „Und das ist nährstoffreich und daher trüber, aber für die Fische besser. Das hat also mit schlechter Reinigung nichts zu tun“, sagt von Preysing und rückt Behauptungen zurecht, die der Starnberger Florian Steger jüngst erhoben hat. Bei einem Besuch des Aquadoms mit seinen Kindern habe er tote Fische und weißen Flaum am Boden gesehen. Der Besucher kam zu dem Schluss: „Das ist Tierquälerei, und zwar mit öffentlichen Geldern.“ Bei den Forellen seien Verletzungen an den Flanken zu sehen gewesen, so der Starnberger, der sich zudem über das „Schickeria-Restaurant“ nebenan echauffiert. „Klischee erfüllt“, findet Steger. „Champagner saufen ist am Tegernsee eben wichtiger.“

Schauspieler Gérard Depardieu drehte schon bei den Fischern 

Das kann Christoph von Preysing nicht so stehen lassen. Der weiß Flaum komme vom Kot, erklärt er, die Verletzungen von besagten Kämpfen der Fische. Grundsätzlich sei jedoch im Winter der Zustand der Becken besser. Auch dafür gebe es einen Grund: „Da wälzen sich die kalten Schichten im See um, und das Wasser ist wegen geringeren Nährstoffgehalts klarer.“ Im Winter sei die beste Besuchszeit, wirbt Christoph von Preysing und geht wieder durch die große Glastür nach draußen. Richtung Bruthaus, denn das Bistro hat Ruhetag.

gr

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