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Gemeinden wollen der Gänse-Plage am Tegernsee Herr werden - einfach abschießen ist keine Option

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Von: Gabi Werner

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Die Idylle trügt: Die Graugänse am Tegernsee werden von vielen als Plage betrachtet. © Thomas Plettenberg

Das Thema Graugänse entwickelt sich am Tegernsee zu einem ausgewachsenen Problem. Das haben auch die Gemeinden rund um den See erkannt. Einfach abschießen will man die Tiere aber nicht.

Tegernseer Tal – Zuletzt haben sich die Graugänse vom Tegernsee scheinbar an der Seepromenade in Bad Wiessee besonders wohl gefühlt. Die zurückgebliebenen, sehr markanten Kothäufen sind dafür ein klarer Beweis. „Man kann dort kaum noch spazieren gehen, weil so viel Dreck herumliegt“, klagt Thomas Riha, der in Seenähe wohnt und das hemmungslose Treiben der Gänse mit Sorge beobachtet. Sechs bis sieben Häufen pro Quadratmeter kämen an den Hotspots, darunter der Spielplatz an der Zeiselbach-Mündung, schon mal zusammen, berichtet der 74-Jährige.

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Thomas Riha zeigt auf einen Kothaufen an der Wiesseer Seepromenade.

Er sorgt sich nicht nur um den Ruf der Gemeinde, sondern auch um die Gesundheit der Badegäste und spielender Kinder. „Die Gemeinden müssen endlich etwas unternehmen“, fordert der Bürger. Für ihn wäre die Entnahme der Gänse die sinnvollste Lösung. Die Tal-Gemeinden sollten sich in dieser Sache einig werden, damit nicht am Ende ein Einzelner der Buhmann sei, findet Riha.

Gänse-Problem bei Bürgermeister-Runde diskutiert

So wie er sehen es nicht wenige Tal-Bürger, der Handlungsdruck auf die Kommunen wächst. Erst diese Woche waren die Graugänse – die Rede ist von etwa 50 Stück – Thema einer Bürgermeister-Dienstbesprechung. Auch ein Vertreter des Landratsamtes Miesbach war geladen. „Wir werden eine Lösung finden, die dem Tierschutz und den Schutzbedürfnissen der Menschen gerecht wird“, fasst Tegernsees Rathaus-Chef Johannes Hagn das Ergebnis der Debatte zusammen.

Schon länger macht man sich am Tegernsee Gedanken zu dem Thema. Lesen Sie hier: Was tun gegen die Vermehrung der Graugänse?

Die ganze Gänse-Schar einfach abzuschießen, sei jedenfalls keine Option, stellt Hagn klar. Zumal damit zu rechnen wäre, dass eine neue Schar Graugänse an den schönen Tegernsee nachziehen würde. Stattdessen wolle man versuchen, die jetzige Population in Zaum zu halten. „Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass man im Winter Eier aus den Gelegen entnimmt“, erklärt Hagn. Ziel sei es, die Population konstant zu halten oder gar zu reduzieren. Die für Naturschutz und Jagd zuständigen Fachbehörden müssten letztlich beurteilen, wie viel Gänse der See vertrage und welche Maßnahmen sinnvoll seien.

Vogel-Experte aus Gmund: „Es geht um den Frieden in der Gesellschaft“

Dass etwas passieren muss, bestätigt auch der Gmunder Vogelexperte Wolfgang Hiller, der für den Landesbund für Vogelschutz seit Jahrzehnten die Wasservögel am Tegernsee beobachtet. „Die Population sollte nicht weiter zunehmen“, sagt auch er. Schließlich gehe es um den Frieden in der Gesellschaft.

Ein anderes Federvieh hatte auch schon einmal für reichlich Ärger am Tegernsee gesorgt

Das Landratsamt bestätigte gestern, dass das Abschießen sämtlicher Gänse nicht in Frage komme. „Das wäre auch gar nicht so leicht machbar, da sich die Gänse ja alle in Ufernähe aufhalten“, erläutert Pressesprecherin Sophie Stadler. Eine andere Frage wäre: Welcher Jäger macht das überhaupt? Stattdessen halte es auch das Landratsamt für sinnvoll, den Bestand der Gänse – die im Übrigen als „jagdbare Wildtiere“ gelten – zu kontrollieren. Dass der Kot der Vögel auch gesundheitsgefährdend sein könne, bestätigt Stadler. „Das darf man nicht ganz außer Acht lassen.“

Der Wiesseer Rathaus-Chef Robert Kühn weiß, dass das Thema viele seiner Bürger beschäftigt. „Wir müssen da mit Bedacht vorgehen“, sagt er. Und er bestätigt: „Wir werden wohl mit dieser Graugans-Population leben müssen.“

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