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Der Kurbeitrag dient dazu, die Kureinrichtungen des Ortes, hier die Seepromenade, zu erhalten und zu pflegen. Die Erhöhung um 1,30 Euro sorgt derzeit für eine kontroverse Debatte im ganzen Ort.

CSU fordert Rücknahme des Beschlusses

Erhöhung der Kurtaxe: Vermieter verfolgen emotionale Debatte im Gemeinderat

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Das Thema Kurtaxe bewegt: Zahlreiche Wiesseer Vermieter strömten zur Gemeinderatssitzung, um mitzuerleben, wie die Diskussion zur umstrittenen Erhöhung weitergeht. Die CSU fordert eine Rücknahme des Beschlusses.

Bad Wiessee So voll war der Sitzungssaal im Wiesseer Rathaus nur selten. Die Gastgeber, so schien es, wollten am Donnerstagabend noch einmal ihren geballten Unmut demonstrieren. Im Vorfeld hatte der Kur- und Verkehrsvereins bereits in einem offenen Brief an den amtierenden Bürgermeister und das Gremium eindringlich appelliert, den Beschluss zur Erhöhung der Kurtaxe – sie soll ab 1. Dezember dieses Jahres 3,30 statt bisher zwei Euro betragen – zu überdenken. Offiziell stand das Thema am Donnerstag eigentlich nicht auf der Tagesordnung, die Verabschiedung des Etats der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) für 2019 bot jedoch reichlich Anlass, sich nochmals zu positionieren.

Den Anfang machte TTT-Geschäftsführer Christian Kausch, der an diesem Abend nicht nur wegen eines Hexenschusses keinen leichten Stand hatte. Er stehe in jedem Fall hinter einer Erhöhung des Kurbeitrags, bekräftigte Kausch. „3,30 Euro sind für einen Ort wie Bad Wiessee in Ordnung, hier waren wir schon jahrelang zu billig.“ Aber auch der Tourismus-Chef hätte sich in dieser Sache eine bessere Kommunikation gewünscht. Persönlich erschrocken zeigte sich Kausch darüber, dass im Vorfeld auch vom Thema abgelenkt „und auf die TTT gezeigt wurde“. Die Gastgeber hatten in ihrem Brief nebenbei kritisiert, dass sich der Apparat der GmbH „immer mehr aufbläht“. Dagegen verwahrte sich Kausch.

In die Verteidigung ging auch der amtierende Bürgermeister Robert Huber (SPD), Verfechter der Kurbeitrags-Erhöhung. Der Badepark sei aufgrund seines maroden Zustands nurmehr ein bis eineinhalb Jahre zu halten. Um die „epochale Aufgabe“ einer Sanierung oder eines Neubaus stemmen zu können, benötige die Gemeinde den höheren Kurbeitrag. Für die Erneuerung des Badesparks sind rund 20 Millionen Euro im Gespräch.

Lesen Sie hier: Gastgeber wollen Kurtaxe-Erhöhung kippen  

Argumente, die die CSU-Fraktion nicht überzeugen. In einem Antrag, den sie zur nächsten öffentlichen Sitzung im April stellen möchte, fordert die Fraktion, dass die beschlossene Erhöhung rückgängig gemacht wird. Vor einer Neuregelung des Kurbeitrags müssten Gespräche mit allen Talgemeinden und den Vermietern des Ortes stattfinden. „Wir haben mit dieser Entscheidung versagt, sie muss revidiert werden“, erklärte Florian Sareiter und warb schon jetzt um Unterstützung für den CSU-Antrag. Auch Rolf Neresheimer (ranBW) fand deutliche Worte. Er bezeichnete den Beschluss als „Glanzstück der fehlenden Koordination und Kooperation“. Neresheimer sah grundsätzlich eine Notwendigkeit, den Beitrag zu erhöhen, „aber so wie wir das über die Bühne gebracht haben, war es ausgesprochen unprofessionell und unterirdisch“. Seine Kritik galt dabei auch an der Gemeinde-Verwaltung.

Auch interessant: Zu viel Verkehr: Bad Wiessee hebt Parkgebühren drastisch an

Rainer Kathan (Wiesseer Block) dagegen richtete einen direkten Appell an die Vermieter. Er bat sie darum, „eine Einsicht zu entwickeln, dass die Erhöhung notwendig ist“. Und diese sollten sie auch selbstbewusst gegenüber ihren Gästen vertreten. Der CSU warf Kathan vor, bei diesem Thema „populistisch aus allen Rohren zu feuern“.

Zu einem Ergebnis führte die Debatte am Donnerstagabend nicht. Über den Antrag der CSU wird wohl in der nächsten Sitzung abgestimmt werden. Unterdessen hat der Kur- und Verkehrsverein bereits eine Unterschriften-Aktion gegen die beschlossene Erhöhung initiiert.

Über die Verabschiedung des TTT-Etats berichten wir noch gesondert.

gab

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