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Protest gegen Antennenanlage auf dem Bussi Baby: Mast macht Wiesseer Kirchturm Konkurrenz

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Von: Gabi Werner

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Komplett eingerüstet präsentiert sich derzeit schon das Bussi Baby in Bad Wiessee. Auf seinem Dach soll eine zehn Meter hohe Antennenanlage entstehen.
Komplett eingerüstet präsentiert sich derzeit schon das Bussi Baby in Bad Wiessee. Auf seinem Dach soll eine zehn Meter hohe Antennenanlage entstehen. © Stefan Schweihofer

Auf dem Dach des Hotels Bussi Baby in Bad Wiessee soll eine zehn Meter hohe Mobilfunkanlage errichtet werden. Der Gemeinderat meldet Protest an - und lehnte den Antrag ab.

Bad Wiessee – Dass beim Hotel Bussi Baby in Bad Wiessee ein größerer Umbau bevorsteht, ist kaum zu übersehen. Das Gebäude an der Bundesstraße ist bereits komplett eingerüstet. Bekanntlich soll im Dachgeschoss ein hoteleigener Spa mit Sauna und Swimmingpool errichtet werden – in diesem Zuge verpasst Eigentümer Korbinian Kohler dem einstigen Kirchenwirt auch eine komplett neue, helle Lärchenholz-Verschalung. Die Planungen dazu sind eigentlich durch. Ein nachgeschobenes Detail sorgte nun aber im Gemeinderat für einen Aufschrei: Auf dem Dach soll künftig eine rund zehn Meter hohe Mobilfunkanlage in den Himmel ragen.

SPD-Gemeinderätin Martini: „Für mich läuft das Fass jetzt wirklich voll“

„Für mich läuft das Fass jetzt wirklich voll“, zürnte Klaudia Martini (SPD), nachdem Bauamtsleiter Anton Bammer die Pläne für die Antennenanlage präsentiert hatte. Nicht nur, dass der einstige Wiesseer Hof eine „Guckkasten“-Sauna zum See hin erhalte und dem Hotel ein Schwimmbad aufs Dach gesetzt werde, nun solle neben dem Kirchturm auch noch ein riesiger Funkmast entstehen. „Jetzt reicht’s“, erklärte Martini, die in den früheren Sitzungen auch schon gegen den Umbau an sich gestimmt hatte.

Antennenträger auf Bussi Baby bekommt eine Höhe von 10,46 Metern

Tatsächlich ist das Größenverhältnis, das Bammer auf Nachfrage aus dem Gremium aufdröselte, bemerkenswert: Das Hotel selbst hat demnach eine Höhe von 16,76 Metern, der künftige Antennenträger bringt es inklusive Blitzfangsystem auf eine „wahrnehmbare Höhe“ von 10,46 Metern. Schon bisher gab es auf dem Dach des Bussi Baby eine Mobilfunkanlage, die bestand allerdings aus drei niedrigeren Masten und fiel dem Betrachter daher weitaus weniger auf.

Bauamtsleiter Bammer: Anlage baurechtlich nicht zu verhindern

Obgleich Bammer darauf hinwies, dass Antennen mit einer freien Höhe von bis zu zehn Meter verfahrensfrei errichtet werden können und die Anlage rein baurechtlich daher wohl nicht zu verhindern sei, formierte sich Widerstand im Gemeinderat.

CSU-Sprecher Florian Sareiter störte sich – ebenso wie die meisten anderen Gremiums-Mitglieder – daran, dass die Antenne an einer derart „prominenten Stelle“ platziert werden solle. Sein Fraktionskollege Georg Erlacher brachte es auf den Punkt: „Hier entsteht ein zweiter Kirchturm neben dem Kirchturm.“ Er hoffe, dass sich die Leute beim Kirchgang nicht ins falsche Gebäude verirren, fügte er süffisant hinzu. Er werde dem definitiv nicht zustimmen, kündigte Erlacher an, der zudem fand, dass das Hotel mit dem geplanten Umbau und der neuen Fassadengestaltung seinen ganzen Charme verliere.

Gemeinderäte störten sich vor allem an der Optik

Während auch SPD-Gemeinderat Benedikt Dörder („zu wuchtig“) und Grünen-Vertreter Johannes von Miller („das sprengt die Dimensionen“) vor allem die Optik kritisierten, ging es Kurt Sareiter (CSU) auch um die Strahlenbelastung. „Bei der Strahlenproblematik sind die Bürger sehr empfindlich“, gab Sareiter zu bedenken. Er werde dem Funkmasten – mutmaßlich eine Anlage von Vodafone – ebenfalls nicht zustimmen.

Einzig Johann Zehetmeier (FWG) kam zu einem anderen Urteil. Er hielt die Antennenanlage von den Proportionen her für vertretbar. „Das ist ein Riesenhaus, da ist das nicht kriegsentscheidend“, sagte er. Auch was das grundsätzliche Bauvorhaben und den Wechsel von einer traditionell dunklen hin zu einer hellen Holzfassade betrifft, äußerte sich Zehetmeier positiv: „Ich finde das eine Verbesserung.“

Gremium lehnt Anlage mit großer Mehrheit ab - nützen wird es wohl nichts

Gemeinsam mit Bürgermeister Robert Kühn stimmte am Ende der Sitzung lediglich Johann Zehetmeier für den Beschlussvorschlag Bammers, das gemeindliche Einvernehmen zu dem Antennen-Antrag zu erteilen. Alle anderen lehnten die Anlage ab. Kommen wird der neue Bussi-Baby-Mast vermutlich trotzdem. CSU-Gemeinderat Korbinian Herzinger war bereits klar, was den Wiesseern mit dieser Neuerung blühen wird: „Beim nächstn Faschingszug san mia vorne dro.“

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