+
Das jetz ige Haus Ursula mit seinen Geschäften und dem ehemaligen Hotel wird wohl bald Geschichte sein. Der neue Eigentümer plant einen Abriss.

Komplex ist Gemeinderäten „viel zu massiv“

Haus Ursula: Klares Nein zu Neubau-Plänen

  • schließen

Bad Wiessee - Die Tage des Hauses Ursula am Lindenplatz sind gezählt. Ein Bauträger plant an der Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Den Bauantrag hat der Gemeinderat zunächst aber abgeschmettert.

Schon als Bauamtsleiter Helmut Köckeis bei der Wiesseer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend die erste Skizze vom geplanten Neubau präsentiert, ist zu erahnen: Dieser Bauantrag birgt viel Diskussionsstoff.

Der von der Firma Bavaria Wohnpartner aus Ottobrunn geplante Neubau-Komplex bestünde laut Planung aus zwei Gebäudeteilen: einmal 41 Meter lang und knapp 13 Meter breit, einmal 25 Meter lang und ebenfalls 13 Meter breit. Die Pläne sehen zudem drei Vollgeschosse sowie zwei Tiefgaragen-Ebenen mit 47 Stellplätzen vor.

Im Erdgeschoss sollen – wie schon im jetzigen Haus Ursula – wieder Läden entstehen. Insgesamt sechs Stück mit einer Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern. Im ersten und zweiten Stock wären nach dem aktuellen Entwurf 23 Wohnungen geplant – „überwiegend kleinere Einheiten“, wie Köckeis informierte.

Während die Art der Nutzung den Vorgaben des bestehenden Bebauungsplans entspricht und somit unstrittig war, konnten sich die Gemeinderäte mit einigen anderen Punkten so gar nicht anfreunden. „Das wird insgesamt sehr, sehr massiv“, monierte CSU-Sprecher Kurt Sareiter und kündigte sogleich ein geschlossenes Nein seiner Fraktion an. Als „wundesten Punkt“ bezeichnete er den geringen Grenzabstand von teils nur 1,50 Metern, den der Komplex zur Freihausstraße hätte.

Und auch die Tatsache, dass die Frage der oberirdischen Stellplätze noch nicht geklärt ist, störte die CSU. 63 Parkplätze wären laut Gemeindesatzung insgesamt erforderlich, die kann der Bauwerber trotz Tiefgarage nicht nachweisen. Ob die Gemeinde an ihren Vorgaben rüttelt, ist fraglich.

Deutliche Worte zu dem Vorhaben fand Klaudia Martini (SPD). Anders als Bauamtsleiter Köckeis konnte sie nicht erkennen, dass sich das geplante Gebäude in die nähere Umgebung einfügt und somit genehmigungsfähig ist. Köckeis hatte als Beispiele für ähnliche Größenordnungen unter anderem das Hotel Post und das Hotel Ritter angeführt. Es gebe aber auch kleiner Gebäude in der Umgebung, argumentierte Martini. Man müsse sich nicht immer an den massivsten orientieren. Sollte das Landratsamt anderer Ansicht sein, würde es die SPD-Gemeinderätin sogar auf einen Rechtsstreit ankommen lassen. „Sonst schaut unser Ort in zehn Jahren völlig anders aus.“

Ihr Fraktionskollege und Vize-Bürgermeister Robert Huber wies zudem darauf hin, dass der Bau einer zweistöckigen Tiefgarage an dieser Stelle aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse „ein unglaubliches Vermögen“ kosten würde. „Der Bauwerber sollte sich das noch einmal überlegen.“

Dem Vernehmen nach haben auch Nachbarn des Hauses Ursula Befürchtungen, dass ihre Häuser beim Bau einer solchen Tiefgarage absinken könnten. Es gab wohl bereits Überlegungen, ein Gutachten in Auftrag zu geben.

Bernd Kuntze-Fechner (SPD) betonte bei der Sitzung, wie wichtig dieses zentral gelegene Grundstück für den Kurort sei. „Wir versuchen gerade, den Lindenplatz aufzulockern, da kann dieses Gebäude doch nicht so massiv sein.“ Einstimmig wurden die Pläne am Ende abgelehnt.

Das sagen die Geschäftsinhaber

Mit dem Abriss des Hauses Ursula geht am Lindenplatz eine kleine Ära zu Ende. Das Hotel Garni, das die Hauseigentümerin lange Zeit darin betrieben hat, ist bereits geschlossen. Es geht der Gemeinde durch den Verkauf dauerhaft verloren. „Damit fallen wieder 32 Gästebetten weg“, bedauerte Kurt Sareiter (CSU) im Gemeinderat. Schade fand er auch die Tatsache, dass das dort ansässige Restaurant Zum Mundschenk seine Heimat am Lindenplatz verliere. Eine Gastronomie ist in dem Neubau nicht vorgesehen.

Mundschenk-Inhaber Robert Kirmse schaut sich bereits seit längerem nach alternativen Räumen für sein Lokal um – „das ist aber nicht so einfach“, sagt er. Seit zehn Jahren betreibt Kirmse sein Restaurant nun schon am Lindenplatz. Dass er nun aus dem Gebäude raus muss, bedauert er sehr. „Der Standort war sehr zentral, wir hatten viel Laufkundschaft“, meint der Wirt, der auch in Zukunft gerne in Bad Wiessee bleiben würde.

Anders als Ulrike Höfle, die derzeit im Haus Ursula noch ihr Geschäft „Heimatschön“ mit allerlei Accessoires betreibt. Sie hat bereits neue Räume in Rottach-Egern gefunden, wie sie auf Anfrage erklärt. Vor drei Jahren hat sie ihr Geschäft am Lindenplatz eröffnet – im zurückliegenden Jahr habe der Umsatz durch die Umbauarbeiten am Lindenplatz sehr gelitten, erzählt sie. Sie glaubt, in Rottach-Egern einen geeigneteren Standort mit mehr Kundschaft gefunden zu haben.

gab

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Seine Frau leidet unter Depressionen, er kann nicht mehr schlafen. Der Grund: Kuhglocken auf der Weide. Aber es geht ihm auch um die Kühe selbst - die seien …
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Ein alter Haudegen und vier Youngsters wollen das Tegernseer Tal zum deutschen Silicon Valley machen. Mit ihrer künstlichen Intelligenz Harvey X. Das ist ihr kühner Plan:
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter
Die Feuerwehr Tegernsee rückte am Sonntagabend zu einem Großeinsatz aus. Ein verlor beim Einparken die Kontrolle über sein Auto, durchbrach ein Gitter und rutschte eine …
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter
Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an
Einen entspannten Abend verbrachten die Gäste auf dem Wiesseer Seefest. Nicht nur wegen des Unwetters am Freitagabend hatte sich der Ausweichtermin als goldrichtig …
Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an

Kommentare