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Im Kernbereich der Wiesseer Seepromenade war Radeln bisher verboten. Das hat der Gemeinderat nun geändert, es werden neue Schilder aufgestellt.

Gemeinderat stimmt mit 9:6 für Freigabe der Uferpromenade

Radlverbot am See nach hitziger Debatte gekippt

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Radeln ist künftig an der gesamten Wiesseer Seepromenade erlaubt. Der Gemeinderat gab dem Vorschlag des Bürgermeisters seinen Segen – allerdings nur mit dünner Mehrheit. Das Thema wurde hitzig diskutiert.

Bad Wiessee – Fast sah es danach aus, als würde Bürgermeister Peter Höß (FWG) mit seinem Anliegen, die komplette Seepromenade für Radfahrer freizugeben, doch noch baden gehen. Gegner und Befürworter lieferten sich im heißen Sitzungssaal einen heftigen Schlagabtausch. Dabei hatte Höß bereits am Tag zuvor bei einem Pressegespräch verkündet, den Radlern künftig freie Fahrt gewähren zu wollen – vorbehaltlich der Zustimmung seines Gemeinderats. Die sollte er am Ende dann auch bekommen.

Zuvor aber machte CSU-Sprecher Kurt Sareiter deutlich, was er von den Plänen hält. „Ich werde dem so nicht zustimmen“, meint er. Die Wege an der Promenade seien schlicht nicht breit genug, damit sie Radfahrer und Fußgänger gemeinsam nutzen könnten, argumentierte Sareiter, der mit dem Maßband losmarschiert war und eigenhändig nachgemessen hatte. Ergebnis: Mancherorts sei der Weg gerade mal 2,20 Meter breit.

Recht bekam Sareiter – und das hat Seltenheitswert – von seiner SPD-Kollegin Klaudia Martini. „Das Ding heißt Promenade und nicht Fahrradweg“, machte sie deutlich. Sie habe schon häufig kritische Situationen am See erlebt. Zum Beispiel, wenn sich ganze Gruppen von Radlern an den flanierenden Spaziergängern vorbeidrängen würden. Sie sei daher gegen eine generelle Freigabe, sagte Martini. Und auch die CSU-Vertreter Ingrid Versen („wir brauchen für unsere Gäste auch weiterhin eine verkehrsfreie Zone“) und Georg Erlacher („dass dort unten nur langsam gefahren wird, stimmt überhaupt nicht“) waren gegen das Radfahren im Kernbereich der Uferpromenade.

Anders sah es SPD-Fraktionssprecher Bernd Kuntze-Fechner. Er schloss sich der Haltung des Bürgermeisters und der Fachleute aus dem Landratsamt an und appellierte, die Radfahrer vom Uferbereich „nicht auszusperren“. Woanders im Tal funktioniere das Nebeneinander schließlich auch. Kuntze-Fechner: „Wir sollten ein Zeichen des Mutes setzen.“ Ähnlich beurteilte die Sachlage Fritz Niedermaier, Sprecher des Wiesseer Blocks. Er sei in ganz Europa mit dem Radl unterwegs, dabei stoße er nirgendwo auf Verbotsschilder. „Das regelt sich von selbst, wir sollten das Ganze ein bisserl kühler sehen“, meinte er.

Einen Vorschlag zur Güte machte schließlich Rolf Neresheimer (ranBW). Er hatte schon zuvor dafür appelliert, für die Radfahrer Alternativrouten im Ort auszuweisen. „Damit die Ruhezone am See erhalten bleibt und nicht zur Transitstrecke für Radler wird.“ Neresheimer regte an, in den Beschlussvorschlag zur Freigabe den Passus zu integrieren, dass die Gemeinde Maßnahmen treffen werde, um den Konflikt zwischen Fußgängern und Radlern zu minimieren.

In dieser Form stimmte das Gremium der Freigabe schließlich mit sechs Gegenstimmen zu. Demnächst werden also Schilder aufgestellt, auf denen unter dem Fußweg- ein Radfahrer-frei-Symbol zu sehen ist. Mit dem Zusatz: „Bitte Schrittgeschwindigkeit“.

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