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Medizinzentrum und Hotel im Gleichschritt

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Von: Christina Jachert-Maier

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Diesen Entwurf für das Medizinische Zentrum hatte Architekt Matteo Thun vorgelegt. Wie das Gebäude tatsächlich gestaltet wird, ist offen. © Büro Matteo Thun

Bad Wiessee - Jetzt soll alles ganz schnell gehen. Einstimmig brachte der Wiesseer Gemeinderat die Ausschreibung für den Bau eines Medizinischen Zentrums im Kurviertel auf den Weg.

Im September könnten die Verträge unterzeichnet sein. Parallel wird das Hotel geplant. An Investoren scheint es nicht zu mangeln.

Ein einstimmiger Beschluss, Erleichterung, Applaus aus den voll besetzten Zuhörerreihen. So endete die mit Spannung erwartete Sitzung des Bad Wiesseer Gemeinderats. Das Votum markiert den Startschuss für die lang diskutierte Neugestaltung des Kurviertels. Geht alles nach Plan, erfolgt der erste Spatenstich im Jahr 2016.

Karte: Um diese Standorte im Kurviertel geht es 

Zunächst ging es nur um die Ausschreibung des neuen Medizinischen Zentrums. Es soll auf dem Areal der jetzigen Tennisplätze bei der Spielarena entstehen. Die Arena muss dafür weichen. Gesucht ist ein Investor, der ein Gebäude mit einer Geschossfläche von etwa 2800 Quadratmeter erstellt. Hauptmieter wird die Jodbad-Betriebsgesellschaft der Gemeinde Bad Wiessee sein. Sie wird auf 1000 Quadratmetern Jodbäder verabreichen.

Wenn das Zentrum steht, wird das alte Jodbad abgerissen. Es macht Platz für ein Hotel. Die Planung für Gesundheitszentrum und Hotel soll weitgehend parallel erfolgen. Dies schon deshalb, weil es Interessenten gibt, die sowohl das Hotel als auch das Medizinzentrum betreiben wollen. „Das Konzept Gesundheitshotel ist stark im Kommen“, erklärte Städteplaner Eberhard von Angerer. Obendrein sei auch der Tegernsee sehr gefragt. „Es herrscht eine enorme Aufbruchstimmung.“

Es gebe sehr interessierte Investoren, vor allem fürs Hotel, die ihre Vorstellungen präsentieren und loslegen möchten. „Das ist ein Idealfall“, sagte Angerer. Den Kurs erklärte Rechtsanwalt Peter Bachmann, Geschäftsführer der beiden Besitzgesellschaften, denen die Grundstücke rund ums Jodschwefelbad gehören. In den nächsten Tagen wird die EU-weite Ausschreibung erfolgen.

In der ersten Stufe haben Investoren 52 Tage Zeit, ihr Interesse an der Realisierung des Medizinischen Zentrums zu bekunden. Dabei müssen sie zweierlei nachweisen: ihre Finanzkraft und die nötige Erfahrung für den Bau eines solchen Zentrums. „Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen“, meinte Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD). Mit den verbliebenen Bewerbern geht es in der zweiten Stufe um die Details: Wie soll das Gebäude, das der Investor schlüsselfertig hinzustellen hat, innen und außen gestaltet sein?

Um all zu klären, kommt der Gemeinderat voraussichtlich Ende März zur Klausurtagung zusammen. „Da werden wir brutal viel Arbeit haben“, kündigte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) an. Auch das Finanzielle spielt eine wichtige Rolle. Das Grundstück wird in Erbpacht auf 99 Jahre vergeben, der Investor hat Erbpachtzins zu zahlen. Auf der anderen Seite muss die Gemeinde Miete fürs Gebäude berappen. Die Frage, wie hoch die jeweiligen Beträge ausfallen, dürfte eine entscheidende sein.

Die Auswahl der Bewerber erfolgt nach einem Punktekatalog. Die Gemeinde legt Kriterien fest und ordnet den Faktoren je nach Bedeutung eine Punktezahl zu. Wer am Ende die meisten Punkte hat, bekommt den Zuschlag. Auch dann, wenn ein anderer Bewerber mehr Sympathie gewonnen hat. „Das ist ein stark formalisiertes Verfahren“, erklärte Bachmann.

Das viel diskutierte Kurviertelmodell des Stararchitekten Matteo Thun scheint nur noch als Inspiration zu dienen – bindend ist sein Entwurf nicht. Die Verbindung von Hotel und Therme etwa sei wohl „nicht marktgängig“, wie Bachmann erklärte. Zumindest die bis jetzt in Erscheinung getretenen Investoren wollen an ihre Hotel kein Hallenbad angliedern. Und sie wollen sich nicht auf eine Erbpacht einlassen, sondern das Grundstück kaufen. Das könnte bedeuten, dass der Bade Park am jetzigen Standort bleibt und lediglich saniert wird. Sicher ist derzeit nichts.

Nachdem das Hotel nicht mit einem öffentlichen Bad verbunden ist, muss seine Planung auch nicht ausgeschrieben werden. Das spart Zeit. Bei der Gemeinderats-Klausur im März sollen sich die Investoren persönlich vorstellen. Im September könnten Verträge unterzeichnet sein, dann geht’s ins Bebauungsplanverfahren.

Auch wenn man nach dem Ende 2011 erfolgten Kauf des Jodbadgeländes lange auf Konkretes gewartet hat: Der CSU-Fraktion ging es jetzt ein wenig zu schnell. Er habe die Ausschreibungs-Unterlagen erst vor drei Tagen bekommen, erklärte Florian Sareiter (CSU). Dies sei zu knapp, um eine so weitreichende Entscheidung zu treffen: „Für mich ist das ein gewisser Blindflug.“ Eben darum hatte die Fraktion vorgeschlagen, zunächst nicht öffentlich über die Ausschreibung zu diskutieren und erst bei der nächsten Sitzung am 5. Februar zu entscheiden.

Vom Vertagen wollten die anderen Fraktionen nichts wissen. „Wir müssen jetzt einmal anfangen“, sagte Fritz Niedermaier (Wiesseer Block). „Der Beschluss ist jetzt dran“, bekräftigte Bernd Kuntze Fechner (SPD). Kurz kochte die Stimmung hoch, dann sah sich die CSU nach Erklärungen Bachmanns dann doch ausreichend informiert. Florian Sareiter lenkte ein: „Wir können das unterstützen.“

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