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Vom Rathaus ins Revier: Michael Herrmann, Geschäftsleiter der Gemeinde Bad Wiessee, ist im Privatleben ein begeisterter Jäger, der das Wild auch vermarktet. Immer mit dabei ist Bracken-Hündin Ronja.

Gibt's bald den Herrmann-Hirsch im ganzen Tal?

Geschäftsleiter macht jetzt in Bio-Wild

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Bad Wiessee – Eigentlich ist Michael Herrmann ja der Rathaus-Geschäftsleiter von Bad Wiessee - doch die Jagd ist seine wirkliche Leidenschaft. Die will er jetzt im großen Stil vermarkten.

„Jagd ist kein Hobby“, sagt Michael Herrmann (36). Für ihn ist sie Lebenseinstellung, Leidenschaft, Aufgabe. Schon als Bub marschierte er mit Papa und Opa in den Wald. Mit 16 legte er die Jägerprüfung ab, inzwischen hat der Geschäftsleiter der Gemeinde Bad Wiessee den 19. Jagdschein. Ins Revier am Wallberg zieht es ihn jeden Tag. „Ich brauch das“, meint Herrmann. Nicht immer geht’s dann auf die Pirsch. Manchmal erneuert er auch nur einen Salzleckstein. Stets mit dabei ist Bracken-Hündin Ronja.

„Aber natürlich will ich auch Beute machen“, sagt Herrmann. Dazu gibt’s im Forst am Wallberg viel Gelegenheit. Dort ist Herrmann nicht der einzige Jäger. „Wir sind zu fünft“, berichtet er. Etwa 30 Stück Rotwild schießen die Waidmänner pro Saison, dazu etliche Gämsen und Rehe. Üblicherweise geht das erlegte Wild dann an Wirte aus der Region. Zu einem Preis, der laut Herrmann in etwa „dem billigsten Discounterfleisch“ entspricht. „Alles ist immer teurer geworden, aber ein Reh kostet seit meiner Kindheit dasselbe“, meint Herrmann. Unmöglich findet er das: „Es geht doch nicht an, dass Fleisch von Tieren, die frei gelebt haben, billiger ist als das von Schweinen aus Massentierhaltung.“

Um dem zu entgehen, macht der Jäger seine Beute seit einiger Zeit selbst küchenfertig. Zerlegt, portioniert und mariniert es in eigenen Räumlichkeiten. „Das ist keine Hexerei“, meint Herrmann. So vorbereitet, lasse sich das Wild auch zu einem ordentlichen Preis vermarkten. 40 Euro verlangt Herrmann für einen Rehrücken ohne Knochen.

Der Jäger als Metzger? So sieht sich Herrmann nicht. Ihm gehe es in erster Linie darum, das Bewusstsein der Menschen dafür zu schärfen, wie kostbar Wildfleisch ist, macht Herrmann deutlich. „Gerade in Zeiten von Lebensmittelskandalen“, meint er. Mehr bio gehe wirklich nicht. Bei der tierschutzgerechten Jagd sterbe das Tier stressfrei – durch einen Schuss, der trifft. Bis dahin hat es frei gelebt, nur Unbelastetes gefressen. Das macht der Wiesseer Geschäftsleiter auch auf seiner Homepage www.wallberg-wild.de deutlich. „In diesem Bewusstsein, aus Verantwortung gegenüber den Tieren, weg von der Anonymisierung unserer Lebensmittel“, wünsche er viele kulinarische Erlebnisse, heißt es dort.

Seit Kurzem ist Wallberg-Wild auch Partnerbetrieb der von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH kreierten Marke Genießerland. Die Werbung trägt Früchte, die Nachfrage nach dem am Wallberg erlegten Wild ist gut. Ausweiten will Herrmann sein Engagement in dieser Richtung aber nicht. Dazu fehle auch die Zeit, schließlich könne er erst am Abend nach der Arbeit im Rathaus in Sachen Wild tätig werden, so Herrmann. Es werde bei einem Nebenerwerb bleiben: „Das ist nur ein Taschengeld.“ Gerade genug, um die Kosten für die Jägerei zu decken. Die ist nämlich sehr teuer, wie Herrmann schildert. „Wenn man mal ein neues Gewehr braucht oder ein Fernglas, ist richtig viel Geld weg."

jm

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