+
Präsentierten den Bürgern die Planung: Architekt Christian Eitzenberger (l.) mit Rathauschef Peter Höß. 

Bürgerversammlung Bad Wiessee

Der große Abriss: Gastgeber verlangen Klarheit

  • schließen

Vor dem neuen Glanz kommt ziemlich viel Schutt. Der große Abriss bedeutet zwei, drei schwierige Jahre für Bad Wiessee. Die Gastgeber akzeptieren das. Aber sie verlangen einen klaren Zeitplan.

Bad Wiessee Ein sensibel ins Sahne-Grundstück eingepasstes Hotel mit nicht mehr als 140 Zimmern, abgerückt vom See, an dessen Ufer sich für alle Gäste mit einer vergrößerten Seepromenade neue Weiten öffnen: Das kommt gut an. Auch wenn sich der Uferbereich erst in eine Großbaustelle verwandelt: Das Hotel Lederer, das Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach müssen weichen. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat dem Entwurf in öffentlicher Sitzung den Weg bereitet. Akzeptiert ist auch der Bau von fünf Wohn- und Geschäftshäusern, die der Finanzierung des Gesamtprojekts dienen. Das Paket stellten Rathauschef Peter Höß, Architekt Christian Eitzenberger und Athos-Geschäftsführer Thomas Maier bei einer Bürgerversammlung vor.

Athos ist das Büro der Familie Strüngmann, die mit der Firma Hexal sehr viel Geld in der Pharmabranche verdient hat und jetzt in ihrer Heimat investiert. Ein persönlich geführtes Hotel soll entstehen, das keinem der bestehenden Häuser Konkurrenz macht, sondern mit seiner Strahlkraft dem gesamten TegernseerTal nutzt. Ein Geschenk also. Oder fast. „Strüngmann hat Geld. Aber er würde

es nicht machen, wenn es nicht ein bisschen wirtschaftlich wäre“, machte Maier klar.

Darum also die Querfinanzierung übers Wohnen, an der nicht zu rütteln ist. Das zog bei der Bürgerversammlung auch niemand in Zweifel. Allerdings forderte Marille Schilp, von Thomas Strüngmann rückwirkend einen höheren Preis für das Grundstück zu verlangen. Maier wiederum erinnerte daran, dass die Wirtschaftlichkeit ohnehin gerade so gegeben sei: „Irgendjemand anders, außer Dr. Strüngmann, würde dieses Projekt nicht anfassen.“

Es entstehen übrigens keine Eigentums- sondern MietWohnungen. Dort sollen Menschen einziehen, die in Bad Wiessee ihren Erstwohnsitz haben. Wie das durchzusetzen ist, darüber denke man bei Athos intensiv nach, ließ Maier wissen. Offen ist noch vieles: die Zahl der Wohnungen, wie und welche Läden, Praxen und Büros sich ansiedeln. Das wird auch vom Ergebnis des Einzelhandelgutachtens abhängen, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Sicher ist, dass Athos verpflichtet ist, das Versprochene einzuhalten. Dazu wird ein Durchführungsvertrag erarbeitet. Dessen Eckpunkt ist der zeitliche Rahmen.

Der ist Eberhard Waitz, Eigentümer des benachbarten Hotels Bellevue, sehr wichtig. Er freue sich über die positive Entwicklung, auch für seinen Sohn, der den Betrieb einmal übernehme, erklärte Waitz. Doch die Großbaustelle wird ihm Einbußen bescheren. „Das akzeptieren wir“, so Waitz. Aber: Um planen zu können, brauche er eine zeitliche Einordnung. Wann ist mit wie viel Baulärm zu rechnen? Jetzt schon befasse er sich mit Weihnachten 2019. „Es wäre nett, wenn man sich mit uns, auch wenn wir kleine Lichter sind, an einen Tisch setzt“, erklärte Waitz.

Ein Anliegen, das Höß unterstützte. „Die Gastgeber wollen ehrliche Antworten.“ Die sollen sie bekommen, wie Maier versicherte. Die Betreiber der umliegenden Häuser seien die ersten Ansprechpartner. Zweieinhalb bis drei Jahre lang werde es für sie „deutlich schwierig“ werden, wobei Athos versuche, die Baustelle so verträglich wir möglich zu gestalten. Angesichts der problematischen Bodenverhältnisse mit viel Seeton erfordere die Baugrube aber einen enormen Aufwand. Die Frage, ob der Abriss noch heuer erfolgt, konnte Maier nicht beantworten. Das entscheide sich in den nächsten zwei Wochen. „Und die Nachbarn sind die ersten, die es erfahren.“

Josef Lederer klagt an

Früher einmal hat ihm das Hotel Lederer gehört. Als der Betrieb in die Krise geriet, kämpfte Josef Lederer (77) ebenso beharrlich wie vergeblich um eine Zukunft für sein Haus. Bis zuletzt versuchte er, es als Denkmal zu erhalten. Und er scheut die Öffentlichkeit nicht. Bei der Bürgerversammlung meldete er sich zu Wort, erinnerte an das, was war. 1967 habe er das Lederer übernommen, viel Kraft und Geld investiert. Als er darum bat, seine 17 Appartements verkaufen zu dürfen, lehnte die Gemeinde Bad Wiessee ab. „Warum hat man mir das nicht gewährt?“, fragte er Höß. Dagegen dürfe Strüngmann nun Wohnungen bauen.

 Auch sei er immer geschimpft worden, dass er die Verlegung von Spielbank und Groß-Parkplatz erkämpft habe. Dabei erweise sich dies als Segen. „Ich finde, die Gemeinde hat sich äußerst schäbig verhalten“, erklärte Lederer, der mit Klagen versucht hat, Schadenersatz zu erstreiten. Bürgermeister Peter Höß begegnete Lederer mit Respekt. Tatsächlich habe Lederer früh Dinge angekündigt, die tatsächlich eingetreten seien. Das wisse er aus alten Unterlagen, die Entscheidungen seien aber vor seinem Amtsantritt gefallen, so Höß. Doch könne er nichts rückgängig machen. Er finde es stark, dass Lederer gekommen sei: „Ich weiß, das tut brutal weh.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Seine Frau leidet unter Depressionen, er kann nicht mehr schlafen. Der Grund: Kuhglocken auf der Weide. Aber es geht ihm auch um die Kühe selbst - die seien …
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Ein alter Haudegen und vier Youngsters wollen das Tegernseer Tal zum deutschen Silicon Valley machen. Mit ihrer künstlichen Intelligenz Harvey X. Das ist ihr kühner Plan:
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter
Die Feuerwehr Tegernsee rückte am Sonntagabend zu einem Großeinsatz aus. Ein verlor beim Einparken die Kontrolle über sein Auto, durchbrach ein Gitter und rutschte eine …
Beim einparken - Mann rutscht Hang hinunter
Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an
Einen entspannten Abend verbrachten die Gäste auf dem Wiesseer Seefest. Nicht nur wegen des Unwetters am Freitagabend hatte sich der Ausweichtermin als goldrichtig …
Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an

Kommentare