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Ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern pflegt Andreas Vogt. Die Wasserbüffel Anton (M.) und Pünktchen beschäftigt der Wiesseer als Rodungsmaschinen.

Grünlandpflege mit Wasserbüffeln

Außergewöhnliches Geschäftsmodell mit tierischen Rodungsmaschinen

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Andreas Vogt (52) aus Bad Wiessee hat ein außergewöhnliches Geschäftsmodell entwickelt: Er rodet Grundstücke – aber nicht etwa mit schweren Maschinen, sondern mit Tieren. Mit Wasserbüffeln und Yaks.

Bad Wiessee – Andreas Vogt schreitet (52) den asphaltierten Weg von der Bundesstraße unterhalb der Spielbank Bad Wiessee zum See hinab. In seiner rechten Hand trägt er einen Sack voll Heu. „Pünktchen, Anton“, ruft der Wiesseer in Richtung des verwilderten Grundstücks zu seiner Linken. Zunächst tut sich nichts. Dann ist ein Knacken zu hören. Plötzlich brechen zwei schwarze rinderähnliche Geschöpfe durchs Gebüsch und galoppieren auf Vogt zu. Der steigt über den Elektrozaun und füttert sie: seine knapp einjährigen Wasserbüffel.

Diese Paarhufer, zu erkennen an ihren dreieckigen Hörnern und dem Schwanz, der in einer Quaste endet, kommen ursprünglich aus dem asiatischen Raum. Sie erreichen eine Risthöhe von etwa 1,60 Meter und werden bis zu einer Tonne schwer. Der bevorzugte Lebensraum des Wasserbüffels sind wasserreiche, feuchte Gebiete, in dennen sich die Tiere dank ihrer weit auseinander gespreizten Hufe problemlos fortbewegen können.

So wie auf dem Seegrundstück in Bad Wiessee, auf dem Pünktchen und Anton noch immer gemächlich ihr Heu kauen. Die Gelegenheit nutzt Vogt um ein Stück weiter unten über den Zaun zu steigen. Diesen Abschnitt, erzählt Vogt, haben die beiden Büffel als erstes beweidet – und tatsächlich nichts übrig gelassen als Gras. Inzwischen sind sie im zweiten Abschnitt, etwas weiter oben am Hang beschäftigt. Wo ehemals eine ganze Reihe Haselnusssträucher stand, ragen inzwischen nur noch einzelne, kahle Zweige aus dem Boden. „Wasserbüffel sind die perfekte Rodungsmaschine“, erklärt Vogt. „Sie dünnen die Weide komplett aus.“

Und genau das ist Vogts Geschäftsmodell: Grünlandpflege mit Tieren. Wo ansonsten schweres Gerät Grundstücke von Wildwuchs befreit, etwa um dieses baureif zu machen, bietet der Wiesseer eine natürliche, umweltverträgliche Lösung an. Denn gegen seine Wasserbüffel ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Kraut gewachsen. Ob Gras, Schilf oder Rauhfasergewächse – Pünktchen und Anton fressen und zertrampeln alles. Und zwar auf Feucht- und Biotopflächen – als einziges Weidetier überhaupt, sagt Vogt. „Sie sind sehr robust und vergleichsweise wenig anfällig für den Leberegel, der in solchen Gebieten auftritt.“ Den gleichen Service bietet der 52-Jährige übrigens auch im steilen Gelände an. Dafür hat er sich eie Yak-Herde zugelegt (wir berichteten), die derzeit die Skipiste am Sonnenbichl auf Vordermann bringt.

Das Grundstück auf dem die beiden Wasserbüffel gegenwärtig ihr Werk tun, gehört der Gemeinde Bad Wiessee. Vogt nutzt es als eine Art Vorführfläche, auf der er interessierten Bürgermeistern und dem Landratsamt demonstrieren will, was seine Tiere können. Ohne den Boden zu verdichten, und ohne sämtliche Amphibien abzutöten, wie es schwere Maschinen tun würden. Und obendrein preiswerter.

Gemeinhin gelten gerade die Wasserbüffel-Bullen als aggressiv. Anton eher nicht – zumindest nicht gegenüber seinem Arbeitgeber. Er scheint seinen Chef zu mögen, schleckt ihn immer wieder ab. Normal ist das nicht, sagt Vogt. Er habe bereits vier Höfe besucht, deren Betreiber sich nicht einmal mehr zu ihren Büffeln in den Stall trauen. Der Wiesseer ist da eine echte Ausnahme – das weiß er auch. „So wie ich zu meinen Tieren gehe, geht keiner rein.“

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