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Hat sich um Beschwerden in Bad Wiessee gekümmert: Hans-Gerd Lau, hier vor einem Plakat, das auf seine Veranlassung installiert wurde, um ein Loch in der Hauswand zu verdecken. 

Interview zum Abschied

Beschwerde-Manager: Wie sich Wiesseer über Burkini-Frau aufregen und anderes

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Lärm, Dreck, wilde Radler und eine Frau im Burkini: Hans-Gerd Lau hatte mit vielen Beschwerden zu tun. Jetzt ist er seinen Job wieder los. Von skurrilen Geschichten und Probleme mit dem Rathaus.

Bad Wiessee – Seit April 2015 war Hans-Gerd Lau ehrenamtlicher Beschwerde-Manager der Gemeinde Bad Wiessee. Der 68-Jährige Düsseldorfer hatte es mit den unterschiedlichsten Fällen zu tun – von Radler an der Seepromenade, über Ruhestörung, bis zu Baustellen-Dreck und auch der Frage, ob eine Frau im Burkini den Badepark besuchen darf. Seit Anfang November laufen die Beschwerden bei Rathaus-Geschäftsleiter Hilmar Danzinger zusammen. Im Interview zieht Lau Bilanz.

Herr Lau, wie kommt’s, dass Sie nicht mehr als Beschwerde-Manager tätig sind?

Lau: Ich hatte von Anfang an gesagt, dass ich das befristet mache. Das Ende kam aber jetzt doch ziemlich plötzlich.

Hat man nicht mit Ihnen darüber gesprochen?

Lau: Ich bekam einen Brief von der Gemeinde, in dem stand, dass das Beschwerdemanagement im Rahmen einer Umstrukturierung in der Gemeindeverwaltung und dem Amtsantritt des neuen Geschäftsleiters nun wieder vom Rathaus übernommen wird. Das war für mich schon überraschend. Wir haben uns inzwischen ausgesprochen. Die Sache ist damit geklärt.

Wie sind Sie überhaupt zu dem Amt gekommen?

Lau: Bei einer Wahlkampfveranstaltung 2014 hatte ich Bürgermeister Peter Höß näher kennengelernt. Ich sagte ihm damals, dass ich mich gerne ehrenamtlich für die Gemeinde engagieren würde. 2015 habe ich dann auf seinen Wunsch hin die Beschwerdebearbeitung übernommen.

Wie ist Ihre Tätigkeit abgelaufen?

Lau: Meistens, und vor allem zu Beginn meines Engagements, hat mich das Rathaus informiert. Man musste ja innerhalb von 14 Tagen mit dem Beschwerdeführer Kontakt aufnehmen. Weil es sich sehr oft um Urlauber gehandelt hat, war das nicht immer einfach. Die meisten waren schon nicht mehr da, wenn ich aktiv wurde. Dann hab’ ich eben nachtelefoniert. Ich hab’ mir das Problem angehört, dann mit der Gemeinde gesprochen und anschließend einen Vorschlag erarbeitet. In Abstimmung mit der Gemeinde hab’ ich den Leuten dann geantwortet. Im Laufe der Zeit haben sich viele aber auch direkt an mich gewendet.

Wie viele Beschwerden hatten Sie denn?

Lau: Insgesamt waren es 77 Fälle. Ich hab’ eine genaue Statistik geführt, die dann auch einmal im Jahr in ’Bad Wiessee im Blick’ veröffentlicht wurde. Im Gemeinderat habe ich jedoch nicht berichtet.

Um welche Beschwerden hat es sich denn gehandelt?

Lau: Der Schwerpunkt war schon die Seepromenade, vor allem die Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern. Nach ihrer Entscheidung, die Seepromenade für Radfahrer frei zu geben, hätte die Gemeinde gleich die entsprechenden Schilder aufstellen sollen. In einigen Fällen, so habe ich festgestellt, tut man sich hier relativ schwer mit der Umsetzung. Dass jetzt die Kehrtwende kommen soll, ist schon verwunderlich.

Was gab’s noch für Themen?

Lau: Der Verkehr wurde immer wieder kritisiert und dass zu schnell gefahren und zu wenig kontrolliert wird. Dann der Dreck auf den Straßen, wenn eine Baustelle ausgehoben wird. Das war vor allem bei den Tegernsee Villen am See der Fall. Dann die Einhaltung der Mittagsruhe. Wir haben ja inzwischen eine neue Satzung, die aber nicht zu hundert Prozent funktioniert. Vor allem ausländische Arbeiter kennen sich nicht aus und halten sich nicht daran. Der Öffentliche Nahverkehr war oft Thema, doch da hat der RVO eine eigene Beschwerdestelle in Tegernsee. Auch die Streupflicht im Winter kam vor, das Verbrennen von Holzresten oder auch die provisorische Verschönerung eines Gebäudes am Prinzenruhweg, das von der Gemeinde gekauft wurde. Da war ein Loch in der Wand, jetzt hängt wenigstens ein Plakat dran.

Gab’s auch kuriose Fälle?

Lau: Mein schönster, ja spektakulärster Fall spielte sich im Badepark ab. Eine junge Araberin kam im Burkini, worüber sich einige deutsche Gäste fürchterlich aufregten. Sie bestanden darauf, dass die Frau das Bad verlassen muss, andernfalls würden die Medien eingeschaltet. Doch rechtlich war die Lage so, dass die Frau bleiben durfte. Ich wurde auf den Fall angesetzt, bin sogar zu den Beschwerdeführern nach Hause gefahren und hab stundenlang mit ihnen diskutiert. Zusätzlich habe ich viele Unterlagen zur Rechtssprechung mitgebracht. Per Handschlag haben wir dann die Sache beerdigt und Folgendes vereinbart: Die deutschen Badegäste kommen weiter in den Badepark. Wenn eine Frau im Burkini kommen sollte, würden sie freiwillig wieder rausgehen. Wichtiger Bestandteil der Einigung war, dass die Medien auf jeden Fall außen vor bleiben. Insgesamt war das schon ein spannender Einzelfall.

Welche Bilanz ziehen Sie aus Ihrer Arbeit?

Lau: Es war oft ein ziemlicher Aufwand, den ich gerne und auch durchaus erfolgreich betrieben haben. Gleichzeitig hat mir die Arbeit geholfen, die Gemeinde Bad Wiessee, in der ich seit sechs Jahren lebe, noch näher kennenzulernen.

Hätten Sie gerne weiter gemacht?

Lau: Zwischen allen Beteiligten war klar, dass meine Tätigkeit befristet sein sollte, ohne, dass wir einen konkreten Termin vereinbart hatten. Die Art und Weise der Beendigung meiner Tätigkeit hat mich allerdings deutlich irritiert. Wie bereits gesagt, ist die Sache aber zwischenzeitlich ausgestanden.

Jetzt muss der Geschäftsleiter die Beschwerden übernehmen.

Lau: Wie man im Rathaus mit Beschwerden umgeht, weiß ich nicht. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Bearbeitung den Stellenwert behält, der erforderlich ist, um qualitative Verbesserungen für die Gemeinde Bad Wiessee zu erreichen.

gr

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