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Müssen raus: Jugendliche verlassen das Haus Rheinland am Montag.

Unterkunft für Minderjährige wird aufgelöst - trotz erfolgreicher Arbeit

Haus Rheinland: Ab jetzt nur noch volljährige Flüchtlinge

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Bad Wiessee – Alle minderjährigen Flüchtlinge haben am Montag das Haus Rheinland verlassen. In der Unterkunft in Bad Wiessee leben bald nur junge Erwachsene. Ein Abschied mit Wehmut.

Ein Bus wartet vor dem Haus. Zehn Jugendliche müssen einsteigen. Sie haben einen Rucksack dabei, darin der Inhalt ihres persönlichen Lebens, das von Flucht geprägt ist. Zuletzt hatten 22 minderjährige Flüchtlinge im Haus Rheinland eine neue Bleibe gefunden. Die Gemeinde Bad Wiessee hatte das ehemalige Hotel für gut 1,1 Millionen Euro gekauft, der Landkreis Miesbach mietete es an. Für die pädagogische Betreuung war der Verein für Jugend- und Familienhilfen e.V. zuständig, dessen Geschäftsführer der Wiesseer Stefan Hagn ist. Ein Security-Dienst schob rund um die Uhr Dienst im Haus. Was auch nötig war, denn immer wieder kam es zu Raufereien. „Zuletzt lief alles aber recht ordentlich“, berichtet Barbara Kohlschmid, die ein knappes Jahr als Hausleiterin im Einsatz war.

„Das Leben hier im Haus war wie eine große Familie für die Jungs.“ Zwischen 8 und 22 Uhr wurden die Jugendlichen durchgehend betreut. Man sorgte dafür, dass sich die Jugendlichen integrieren. „Viele haben das super hingekriegt“, sagt Kohlschmid. „Viele sprechen ganz ordentlich Deutsch, alle waren extrem integrationswillig.“ Einige hätten inzwischen sogar einen Lehrvertrag in der Tasche – einer etwa als Arzthelfer. Andere fassten beim TSV Bad Wiessee Fuß. So wie ein 16-jähriger Afghane, der inzwischen als Trainer bei der C-Jugend im Fußball mitarbeitet. Auch er muss nun umziehen.

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Dass zehn der Jugendlichen gehen müssen, findet Kohlschmid persönlich ganz bitter. Erst vor zwei Wochen hätten die zwölf Mitarbeiter erfahren, dass das Haus umstrukturiert wird. „Das kam auch für uns plötzlich“, sagt Kohlschmid. Wie Robert Wein, Leiter des Miesbacher Jugendamts bestätigt, ist ein Großteil der zehn Jugendlichen ins Wohnheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nach Neuhaus gekommen. Der Rest wird auf Unterkünfte der Miesbacher Caritas verlegt. „Das ist eine wirklich gute Lösung“, findet Wein. Er glaubt, dass der Weg von Neuhaus nach Bad Wiessee durchaus zu schaffen sei, um Kontakte und bestehende Verbindungen weiter zu pflegen. Insgesamt, so der Jugendamtsleiter, müsse der Landkreis aktuell 75 Minderjährige aufnehmen. „Und diese Quote erfüllen wir auch.“

Was die künftige Organisation des Hauses Rheinland betrifft, so wird das Haus ab 1. Januar vom Freistaat übernommen. Zwölf junge Männer bleiben. Sie sind teilweise jetzt schon volljährig oder werden es zum Jahreswechsel – so eben schätzt man das. Waren sie vorher fast rund um die Uhr betreut, so müssen sie künftig selbst zurechtkommen. „Der Jugendhilfe-Verein, der auch bisher schon da war, leistet künftig ein- bis zweimal pro Woche ambulante Betreuung“, erklärt Wein. Man versuche damit, den Übergang zur Selbstständigkeit zu erleichtern. Weitere junge Volljährige, die bisher in den Traglufthallen Rottach-Egern und Holzkirchen leben, sollen ins Haus Rheinland umziehen. Die Rede ist von 16 Leuten. Die Traglufthallen werden Anfang des Jahres aufgelöst.

Am Donnerstag, 22. Dezember, treffen sich alle ab 16 Uhr noch einmal im Gasthof Zur Post in Bad Wiessee – Bürgermeister Peter Höß, Jugendamtsleiter Wein, Jugendhilfeverein, Mitarbeiter und junge Asylbewerber. Es wird eine Art Abschiedsfest, bei der sicherlich auch Wehmut zu spüren sein wird, glaubt Kohlschmid: „Mir tut’s leid um die Arbeit, die alle geleistet haben“, sagt sie. „Ich spüre auch bei einigen Männern Resignation, weil sie nun schon wieder weitergeschickt werden, wo sie doch so lange auf der Flucht waren.“

gr

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