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Im Haus Rheinland in Bad Wiessee leben 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Wie leben die Jugendlichen dort?

Flüchtlinge im Haus Rheinland: Blick hinter die Kulissen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Bad Wiessee - Knapp 30 junge Flüchtlinge leben im Haus Rheinland in Bad Wiessee. Eine zusammengewürfelte Truppe, die hier Zuflucht – und auch ein Stück Geborgenheit – gefunden hat. Ein Besuch.

Es ist ein gewöhnlicher Donnerstagnachmittag. In den meisten Zimmern des einstigen Hotels Rheinland in Bad Wiessee herrscht gähnende Leere – ein Großteil der Jungs ist ausgeflogen: zum Schwimmen oder zum Malkurs. Auch die frühere Panorama-Suite – das kleine Schild mit dem Namen hängt noch über der Zimmertür – ist momentan verlassen.

Den Raum mit Blick auf den Tegernsee teilen sich zwei junge Afghanen und ein Syrer. „Die raufen sich gerade zusammen“, erzählt Karlotta Brietzke und schmunzelt. Die 27-jährige Sozialpädagogin leitet das Haus Rheinland, das seit Juli als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dient. Die Trägerschaft hat der Münchner Verein für Jugend- und Familienhilfen übernommen. Dessen Geschäftsführer ist der Wiesseer Stefan Hagn. Er nennt das Haus Rheinland in seinem Heimatort einen „echten Glücksfall“. In dem einstigen Hotel, das die Gemeinde gekauft und eigens für diesen Zweck hergerichtet hat, hätten die Jugendlichen viel mehr Privatsphäre als in größeren Sammelunterkünften. Hier gehe es nicht so anonym zu wie etwa in München. „Der ganze Ort trägt das mit“, ist Hagn überzeugt.

Massivere Konflikte gebe es für gewöhnlich nicht

Und tatsächlich sind die jungen, allesamt männlichen Bewohner gerade dabei, hier heimisch zu werden. In den Zimmern, in denen noch das alte Hotel-Mobiliar und die Einheitsbetten des Landratsamtes stehen, hängen persönliche Fotos an den Wänden, Fußballbilder und auch kleine Gemälde, die die Flüchtlinge von Wiesseer Schulkindern geschenkt bekommen haben. Das Zusammenleben im Rheinland, so erzählt Brietzke, funktioniert im Großen und Ganzen gut. „Es ist halt jeder Tag anders“, erklärt die Betreuerin. An einem Tag haben die Jugendlichen viel Spaß miteinander, am nächsten gibt es auch mal Reibereien. „Ähnlich wie im Schullandheim.“

In der Verantwortung für minderjährige Flüchtlinge: der Wieseer Stefan Hagn (r.), Geschäftsführer des Münchner Verein für Jugend- und Familienhilfe, und Jugendamtsleiter Robert Wein vor dem Haus Rheinland.

Massivere Konflikte wie der Mitte Oktober, als die Polizei in Wiessee anrücken musste, gebe es für gewöhnlich aber nicht. Ein Einzelfall, der für die Verantwortlichen längst abgehakt ist. Was den 15- bis 18-Jährigen beim Zusammenleben hilft, ist ein geregelter Alltag. Im Büro Brietzkes hängt eine Art Wochenplan. Der beinhaltet seit kurzem auch einen geregelten Schulunterricht. Seit Mitte Oktober gehen die 28 Burschen jeden Vormittag zum Unterricht in die Wiesseer Grundschule. Ein eigenes Klassenzimmer und zwei Lehrerinnen stehen dafür zur Verfügung. Auch davor gab’s schon Deutschkurse – allerdings auf ehrenamtlicher Basis. Jetzt ist die Beschulung, wie es im Amtsdeutsch heißt, offiziell geregelt.

Ehrenamtliches Engagement gibt’s im Haus Rheinland trotzdem zur Genüge. Ein Helferkreis aus etwa 20 Leuten kümmert sich regelmäßig um die Burschen, organisiert Freizeitaktivitäten oder auch Kochkurse. Einige der jungen Asylbewerber haben bereits einen Spielerpass in der Tasche und kicken in der B-Jugend des TSV Bad Wiessee mit. „Das scheint gut zu laufen“, meint Hagn. Andere gehen ins Schwimmtraining der Wasserwacht. Positive Entwicklungen, die aber über eines nicht hinwegtäuschen können: Die Burschen, die hier gestrandet sind, haben oft schlimme, traumatische Erlebnisse hinter sich. „Die verlieren auf der Flucht oft jedes Vertrauen“, berichtet Hagn. Während der ersten Wochen trauten sich viele der jungen Bewohner nicht mal, das Gelände ihrer Unterkunft zu verlassen.

Ein Sicherheitsdienst schützt die Jugendlichen

Viel Fingerspitzengefühl ist also im Umgang mit den jungen Flüchtlingen gefragt – von Profis wie ehrenamtlichen Helfern. Karlotta Brietzke ist Ansprechpartnerin Nummer eins für ihre Jungs. Dazu gibt’s Unterstützung verschiedener Pädagogen, Ethnologen und anderer Helfer. Zwischen 8 und 23 Uhr sind die Jugendlichen durchgehend betreut. Ein Security-Dienst schiebt sogar rund um die Uhr Dienst im Haus Rheinland. „Damit unsere Kinder geschützt sind“, betont Hagn. Nicht andersherum.

Bis auf wenige Neuzugänge oder -abgänge bleibt die Gruppe in Bad Wiessee unverändert. Insgesamt leben im Landkreis Miesbach derzeit 84 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nach derzeitigem Stand, so erklärt Miesbachs Jugendamtsleiter Robert Wein, müsste der Kreis bis Ende des Jahres eine Quote von 116 erfüllen. Das könne sich aber noch ändern.

Doch was passiert als erstes, wenn ein Minderjähriger auf der Flucht allein und ohne Familie aufgegriffen wird? „Zunächst nimmt ihn das Jugendamt in Obhut“, erklärt Wein. Dann gelte es, das Alter des jungen Flüchtlings zu ermitteln, herauszufinden, ob er ein Ziel oder gar eine Familie in Deutschland hat und gegebenenfalls eine Bereitschaftspflegestelle zu finden. Es ist auch schon vorgekommen, dass der Jugendamtsleiter selbst unbegleitete Kinder bei sich zuhause aufgenommen hat. Die Jüngsten waren gerade einmal acht. Glückt eine Familien-Zusammenführung nicht, so wird für den Jugendlichen ein Platz in einer Pflegefamilie gesucht – oder eben in einer Einrichtung wie dem Haus Rheinland. Dem Schullandheim der etwas anderen Art.

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