+
Entwurf: So könnte das Heizwerk neben dem Badepark aussehen.

Heizwerk am Badepark

Können diese Fakten den Dampf vom Kessel nehmen?

  • schließen

Während das geplante Heizwerk am Badepark noch immer für Zündstoff sorgt und Nachbarn protestieren, versucht die Gemeinde mit Fakten und sachlichen Infos den Dampf rauszunehmen.

Bad Wiessee – Viel Aufklärungsarbeit haben die Gemeinde, Karl Schönbauer vom Arbeitskreis Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK) sowie Michael Brünner, Chef des Miesbacher Ingenieurbüros EST (EnergieSystemTechnik) schon geleistet. Offenbar immer noch nicht genug: Im Gemeinderat wurde zuletzt erneut um den Standort gerungen (wir berichteten), von juristischen Schritten besorgter Nachbarn ist die Rede. „Das Heizwerk hat schon ziemlich viel Feinstaub aufgewirbelt“, formulierte Bürgermeister Peter Höß gestern Nachmittag bei einer Pressekonferenz im Sitzungssaal. Das Heizwerk, so Höß, würde nicht nur dem Landkreis auf seinem Weg zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bis zum Jahr 2035 dienen, es würde die Luft verbessern und dem Ort helfen, sein Prädikat als heilklimatischer Kurort zu sichern.

Schönbauer lieferte Fakten: Die Kunden-Akquise sei noch nicht abgeschlossen, dennoch könnten, laut Zusagen und Absichtserklärungen, bereits 540 000 Liter Heizöl pro Jahr ersetzt werden. Allerdings brauche es noch die Zusage eines „Schlüsselkunden“, sprich: Familie Strüngmann mit ihrem Großprojekt am Seeufer. Unabhängig davon werde die Gemeinde die EU-weite Ausschreibung vorbereiten und hoffen, dass ein regionaler Betreiber für das Heizwerk den Zuschlag bekommt. Dieser könnte im Optimalfall mit der Gemeinde eine Betreibergesellschaft gründen.

Das Kraftwerk würde zu 80 Prozent mit Holz aus den Wäldern rings um die Gemeinde versorgt. „Da wird kein Baum gefällt, das ist reines Abfallholz, das im Wald vollständig vorbereitet, am Wertstoffhof umgeladen und auf kurzem Weg zum Heizwerk transportiert wird“, erklärte Brünner. Darin unterscheide sich die Anlage ganz gravierend etwa vom Heizwerk in Achenkirch, wo die Verarbeitung des Holzes vor Ort erfolge. Durchschnittlich 1,3 Lkw-Fahrten seien dafür pro Tag nötig, wobei der Liefervorgang und das Abladen über eine Schüttklappe zwischen nicht länger als zehn Minuten dauern würde und „nicht lauter als eine „moderne Spülmaschine“ sei. Man werde das richtige Zeitfenster dafür finden. Und dann sei ja auch das Grundrauschen des Breitenbachs da, der die Geräusche dämpfen würde.

Zum Gebäude: Geplant ist ein 17,50 mal 17 Meter großes, sechs Meter hohes Gebäude mit Flachdach, direkt angebaut an den Badepark. Der Bunker für 310 Kubikmeter Hackschnitzel befindet sich vier Meter tief in der Erde, darunter schließt sich ein 2,50 Meter tiefer Aschebunker an. Eine zweistufige Rauchgasreinigung durch einen sogenannten Multizyklon und einen Elektrofilter soll dafür sorgen, dass „oben aus dem Kamin nur Wasserdampf herauskommt“, so Brünner.

Die Kosten: Inklusive Planungskosten verschlingt das Heizwerk rund 6,2 Millionen Euro, unterm Strich verbleiben aber nur vier Millionen Euro, das Gemeindegrundstück, auf dem das Werk stehen könnte, ist zudem mit 300 000 veranschlagt. „Die Gemeinde würde eine einmalige Chance vergeben“, warb Schönbauer am Ende für das Heizwerk. Die anwesenden Fraktionssprecher sahen das ebenso. „Und wenn wir uns nur zurücklehnen, sind wir irgendwann zu spät dran“, sagte Höß. Ende 2019, so der Idealfall, könnte das Heizwerk stehen. Ob am Ende der Schweizer Investor SME mit seinen Hotels doch noch anschließt? „Vielleicht tut sich da nochmal was“, sagte Brünner.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sie kommen „nur“ aus München - und machen zwei Wochen Urlaub am Tegernsee
„Uns geht das Herz auf, wenn wir mit dem Auto am Tegernsee eintreffen und von Gmund aus auf den See schauen“, schwärmten Bettina Schindler und Ehemann Andreas Schaefer, …
Sie kommen „nur“ aus München - und machen zwei Wochen Urlaub am Tegernsee
Flächentausch: Geheimes kommt auf den Tisch
Es soll Schluss sein mit dem Gerede. Darum wollte Bürgermeister Sepp Hartl die Details des Tauschhandels  mit FW-Gemeinderat Andreas Hagleitner offenlegen. Das geschah …
Flächentausch: Geheimes kommt auf den Tisch
Seesauna Tegernsee feiert zehnten Geburtstag - mit 150 Partygästen
Zehn Jahre Tegernseer Seesauna: Am Mittwoch gab‘s die große Geburtstagsparty. Für die Gäste gab’s Überraschungsaufgüsse in den Saunen, dazu Sekt und Kuchen. Das kam an: …
Seesauna Tegernsee feiert zehnten Geburtstag - mit 150 Partygästen
St. Quirin: Anwohner fordern Querungshilfe über B307 - Behörden skeptisch
Mehr Querungshilfen für Fußgänger – was im Frühjahr Thema im Bürgermeister-Wahlkampf war, soll jetzt angepackt werden. Aber so einfach ist das alles nicht - trotz …
St. Quirin: Anwohner fordern Querungshilfe über B307 - Behörden skeptisch

Kommentare