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Das Hotel Lederer wird abgerissen.

Zeitplan steht

Hotel Lederer: Im November kommt der Abriss

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Der letzte Akt des Dramas ums Hotel Lederer ist eingeläutet. Ab Oktober lässt Investor Thomas Strüngmann das Hauptgebäude entkernen, im November beginnt der von außen sichtbare Abbruch. 

Bad Wiessee – Der Zeitplan für den Abbruch steht. „Im Oktober beginnt die Entkernung des ehemaligen Hotels Lederer, im November dann der von außen sichtbare Abbruch“, teilt Andreas Göbel mit, Sprecher von Athos, dem Büro der Familie Strüngmann. Investor Thomas Strüngmann gehört nicht nur das seit neun Jahren leer stehende Hotel an der Wiesseer Seepromenade, sondern auch das ehemalige Haus des Gastes und das benachbarte Hotel Wittelsbach, das noch in Betrieb ist. Insgesamt sind es 30 000 Quadratmeter Grund in Bestlage, die Strüngmann völlig neu entwickeln lässt. Das Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach bleiben aber noch bis zum Herbst 2019 stehen. Gleiches gilt für ein Nebengebäude des Hotels Lederer, in dem sich eine Fledermaus-Kolonie angesiedelt hat. Mit Rücksicht auf die geschützten Tierchen ist der Abriss dieses Gebäudeteils nur im Herbst erlaubt.

Die Fledermäuse waren der letzte Trumpf, den Ex-Hotelier Josef Lederer (80) im Kampf um das Traditionshotel aus dem Ärmel gezogen hatte. Auch wenn das Hotel seit November 2009 geschlossen ist und immer mehr verfällt: Lederer kämpfte um den Erhalt des markanten Hauses am See, das sein Vater 1936 als Kurheim Hanselbauer gekauft hat. Und er besitzt ein Wohnrecht bis zum Abriss.

Dieses Recht hatte sich Lederer 2011 gesichert, als er den Komplex einen Tag vor der Zwangsversteigerung an die Grünwalder Firmengruppe RDR verkaufte. Im Dezember 2015 gelang es Thomas Strüngmann nach langem Preiskampf, das Filetgrundstück am See zu erwerben. Am Wohnrecht für Lederer änderte das nichts. Auch als der alte Hotelier schwer erkrankte, verließ er seine Wohnung in einem Nebengebäude nicht. Seine vier Ponys haben ihren Stall auf dem Gelände. Auch das im Hotel verbliebene Inventar gehört dem Ex-Hotelier. Doch inzwischen ist es um die Gesundheit Lederers so schlecht bestellt, dass ein naher Angehöriger das Ruder übernommen hat. Dieser organisierte ab August einen Räumungsverkauf, Schnäppchensucher streiften auf der Suche nach Brauchbarem durch die modrigen Räume.

Bis Oktober werde Lederer das Gelände verlassen haben, versichert Göbel. Für die Pferde sei ein neues Zuhause gefunden. Dann beginnt das große Entrümpeln. Alles, was noch im Haus verblieben ist, wird in Containern sortiert und entsorgt. Um den Abriss zu erleichtern, bleiben am Ende nur nackte Wände. „Von außen wird von den Arbeiten noch nichts sichtbar“, sagt Göbel. Erst im November rückt das eigentliche Abrisskommando an. Die alten Mauern fallen im Winter. Ein guter Zeitpunkt, wie Göbel erklärt. „Im Winter ist die Staubentwicklung nicht so stark.“ Das Unternehmen setze alles daran, die Belastung der Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten. Über Weihnachten werde es auch eine Pause geben. Mit dem Ende der Abbrucharbeiten sei im März zu rechnen.

Im Rathaus löst die Nachricht, dass Strüngmann den Abbruch jetzt anpackt, Freude aus. „Das ist ein Zeichen, das Strüngmann setzt“, meint Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD). Ein Zeichen, das für Neubeginn steht – auch wenn noch immer nicht klar ist, was auf dem Premium-Grundstück am See entstehen soll. Wie berichtet, hat Strüngmann einen vom Gemeinderat im Juli 2017 grundsätzlich befürworteten Entwurf für ein Luxushotel sowie fünf Wohn- und Geschäftshäuser wieder verworfen. Seitdem entwerfen die Planer neue Ideen, präsentationsreif ist noch keine. „Wir befinden uns noch in der Abstimmung“, meint Göbel.

Auch im Rathaus wurden noch keine neuen Entwürfe vorgestellt, was Huber nicht besorgt. „Wichtig ist, dass es etwas Schönes wird“, meint er. Strüngmann werde sicher einen gelungenen Entwurf realisieren. Schließlich hat der Tegernseer Unternehmer, Mitbegründer des Pharmaunternehmens Hexal, sich mit dem Projekt in Bad Wiessee ein großes Ziel gesetzt: Es soll etwas entstehen, das dem Ort und dem ganzen Tegernseer Tal Aufwind verleiht. Auf ein paar Wochen oder Monate komme es nicht an, so Huber. Aber er sei „heilfroh“, dass das alte Lederer verschwinde, bevor die Zeichen des Verfalls noch deutlicher würden, findet Huber: „Es ist wichtig, dass kein desolates Bild entsteht.“

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