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Das Hotel Sonnenfeld in Bad Wiessee

Eigentümer will erweitern 

Hotel Sonnenfeld: Gefangen in der Billigschiene

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Bad Wiessee - Seit Mitte 2015 darf das Haus Sonnenfeld nicht mehr als Klinik betrieben werden. Seither versucht der Betrieb, als Hotel Fuß zu fassen. Mit Billigangeboten. 

Seit Mitte 2015 darf das Haus Sonnenfeld in Bad Wiessee nicht mehr als Klinik betrieben werden. Seither versucht der Betrieb, als Hotel Fuß zu fassen. Mit Billigangeboten. Langfristig will man aus dieser Schiene heraus – doch das scheint nicht so einfach. 

Das Landhotel Sonnenfeld – unter diesem Namen firmiert das Haus mittlerweile – hat bei der Gemeinde Bad Wiessee in jüngster Zeit kaum Sympathien erworben. In der Dezember-Sitzung des Gemeinderats hatte die Betreibergesellschaft eine Voranfrage mit diversen Modernisierungs- und Erweiterungsvorschlägen für das Anwesen in Premiumlage präsentiert. Und hatte damit Empörung im Gremium ausgelöst. Von „völlig überzogenen“ und „irrealen“ Vorstellungen war da die Rede (wir berichteten). In der gleichen Sitzung kritisierte Gemeinderätin Ingrid Versen (CSU) die Billigangebote, mit denen sich das Hotel in einer Fernsehzeitung und übers Internet vermarktet. 179 Euro für vier Tage Aufenthalt all inclusive – ein „Ramsch“, der nicht zu Bad Wiessee passe, zürnte Versen. 

Die Erweiterungs-Vorschläge wurden allesamt abgeschmettert – was blieb, war ein fader Nachgeschmack. Dass sich nun ein Gäste-Ehepaar aus Mannheim nach einem Silvester-Aufenthalt im Sonnenfeld massiv über die Leistungen in dem Haus beschwert, dürfte die Kritiker in ihrer Meinung bestärken. Klagen gab’s unter anderem über die Qualität des Essens, über lauwarmen Kaffee und die versprochene, aber nicht gebotene Live-Stimmungsmusik am Silvesterabend. Mangelnde Qualität als Folge des Billigangebots also? Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) jedenfalls ist mit der Situation der ehemaligen Klinik nicht eben glücklich. 

Ihm seien die Billigpakete des Hotels bekannt – „ein Punkt, den man durchaus kritisch sehen darf“, meint Höß auf Nachfrage. Wenn es dann noch zu Reklamationen durch unzufriedene Gäste komme, sei das für den guten Ruf Bad Wiessees freilich nicht förderlich. „Das löst keine Begeisterung aus“, erklärt der Chef des Rathauses, wo laut Höß ebenfalls schon Beschwerden über das Sonnenfeld eingegangen sind. Wenn auch nur vereinzelt. „Doch diese Beschwerden werden sehr ernst genommen.“ Was die Zukunft des Hotels in dieser Toplage in Abwinkl betrifft, so hält der Bürgermeister einen Abbruch des ganzen Komplexes mit anschließendem Neubau samt Tiefgarage für die einzig richtige Lösung. 

Für Udo Schulz, den Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, ist dieser Vorschlag keine Option. Wirtschaftlich nicht sinnvoll, sagt er. Ihm schwebt vielmehr eine Modernisierung, verbunden mit einer Erweiterung, vor. Dass der Gemeinderat im Dezember sämtliche Vorschläge dazu so kategorisch ablehnte, kann Schulz nicht nachvollziehen: „Das wirkt extrem unprofessionell.“ Die Gemeinderäte hätten nicht verstanden, was das Wesen einer Bauvoranfrage sei. Speziell in diesem Fall, so Schulz, habe es sich um eine modulare Anfrage gehandelt. 

Heißt im Klartext: Man habe Elemente zur Diskussion stellen wollen, aus denen heraus – alternativ oder in Kombination – man eine Erweiterung umsetzen könnte. „Wir haben auf dem Grundstück bisher eine sehr niedrige Flächenausnutzung“, betont der Geschäftsführer. Nur 900 von etwa 4800 Quadratmetern seien bebaut. „Das ist unter 20 Prozent.“ In der näheren Umgebung gebe es da ganze andere Beispiele. Eines ist für Schulz völlig klar: Er möchte das Hotel langfristig seiner Premiumlage anpassen. Weil aber nur 40 Stellplätze zur Verfügung stehen, „müssen wir die einzelnen Raumeinheiten größer und luxuriöser gestalten“. 

Bis es soweit ist, werde sich die ehemalige Privatklinik mit ihren teils winzigen Zimmern aber wohl nur über die Billigschiene vermarkten lassen. Und über den niedrigen Preis scheint sich das Hotel tatsächlich füllen zu lassen. 65 Gäste habe man über den Jahreswechsel beherbergt, sagt Sonnenfeld-Betriebsleiter Herrmann Affenzeller. Damit war das Hotel voll ausgelastet. Die Beschwerde des Mannheimer Ehepaars ist Affenzeller bekannt – „das waren aber die einzigen Gäste, die sich beklagt haben“, versichert er. Die anderen Gäste hätten bei ihrer Abreise einen zufriedenen Eindruck gemacht.

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